Özil-Debatte: Der DFB opfert seine Werte

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Mesut Özil.
Mesut Özil. (Foto: dpa)
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Wenn man den grundsätzlichen Nachweis zur Reflexionsfähigkeit bereits erbracht hat, empfiehlt es sich, sein Hirn an der Garderobe abzugeben, bevor man sich im billigsten Populismus versucht.

Doch bei den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fragt man sich, wen sie – allen voran Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel – eigentlich für dumm verkaufen wollen mit ihren allzu durchsichtigen Manövern.

Viele haben Özil nie akzeptiert

Statt ernsthaft damit zu beginnen, das WM-Desaster in Russland aufzuarbeiten, werfen sie Mesut Özil einer Meute zum Fraß vor, die schon immer darauf gewartet hat, weil sie den türkischstämmigen Spielgestalter und Weltmeister ohnehin nie wirklich als Teil der deutschen Nationalmannschaft akzeptieren konnte. Das ist schäbig.

Auch wenn es in der Debatte schon lange nicht mal mehr vordergründig um die unsäglichen Erdoganfotos geht: Ja, Mesut Özil hat Fehler gemacht. Dass er sich nach den PR-Bildern nicht erklärt hat, war womöglich noch ein größerer Fehler als die Fotos selbst.

Bierhoff und Grindel haben versagt

Doch beim DFB haben sie ihm vor der WM keine Aussage abverlangt. Bierhoff versuchte, die Debatte mit einem „Basta“ zu beenden; Grindel, aus seinem früheren Leben als Bundestagsabgeordneter in den hinteren Bänken der CDU-Fraktion und seinem noch früheren Leben als Redakteur beim ZDF der Macht von Bildern durchaus bewusst, fiel auch nicht viel mehr ein, als auf die Özil-Gündogan-Erdogan-Fotos mit Grindel-Bierhoff-Löw-Gündogan-Özil-Fotos zu antworten.

Der DFB hat sich völlig zu Recht immer seiner Integrationskraft gerühmt, von den Kreisligen bis in die Nationalmannschaft war der Fußball Integrationsmotor einerseits und der Beweis andererseits dafür, dass ein Zusammenleben nicht nur möglich, sondern sozusagen gelebte Realität ist. Die immer lauter werdenden rassistischen Kommentare gegen Özil hat bis heute kein DFB-Funktionär verurteilt. Die DFB-Bosse sind gerade dabei, auch noch das letzte über Bord zu werfen, auf das sie wirklich stolz sein konnten.

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