Österreich verneigt sich vor Dominator Loitzl

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Deutsche Presse-Agentur

Nach seinem Skisprung-Feuerwerk mit phänomenalen Weiten und Traumnoten wollte Wolfgang Loitzl erst einmal zur Ruhe kommen.

„Ich werde kurz mit dem Team anstoßen und dann geheim mit meiner Frau Marika feiern“, sagte der Österreicher, der in Bischofshofen eine Woche vor seinem 29. Geburtstag den dritten Tagessieg der 57. Vierschanzentournee errungen und sich mit dem Rekordwert von 1123,7 Punkten die Krone der Skispringer aufgesetzt hatte. Nach seinem überwältigenden Erfolg dürften es vorerst die letzten ruhigen Momente für Österreichs neuen Sporthelden gewesen sein. Bereits am Wochenende erwartet den Familienvater beim Skifliegen in seiner Heimatstadt Bad Mitterndorf der Ausnahmezustand.

„Da wird sicher einiges los sein. Ich werde meiner Frau sagen, dass sie das Haus verriegeln soll“, scherzte Loitzl, der für den Gesamtsieg einen Geländewagen im Wert von 30 000 Euro bekam. „Den werden wir zur Familienkutsche umgestalten. Der Wagen meiner Frau macht es eh nicht mehr lange“, sagte der Steirer.

Seine Landsleute liegen ihm spätestens nach seinen perfekten Sprüngen auf der Paul-Außerleitner-Schanze, für die er neunmal die Traumnote 20,0 bekam, zu Füßen. „Auf dem Flug zum Triumph auch die Ewigkeit besiegt“ titelte die „Kronen-Zeitung“. Der „Kurier“ hatte am sechsten Tag des neuen Jahres bereits „Das erste Sportmärchen 2009“ ausgemacht. Und selbst die „Bild“-Zeitung, die ihn zu Beginn der Tour noch als „Schanzen-Depp“ bezeichnet hatte, wählte die Überschrift „Der beste Ösi seit Mozart“.

Auch dem österreichischen Fernsehen bescherte Loitzl mit dem ersten Sieg eines Austria-Adlers seit Andreas Widhölzl vor neun Jahren Rekordquoten. Im Durchschnitt verfolgten 1,313 Millionen Fans den Siegeszug ihres „Wuffs“ im TV. Der ORF erreichte damit einen Marktanteil von 58 Prozent, den dritthöchsten Wert für ein Skispringen nach den Olympischen Spielen 2002 und 2006 seit 14 Jahren. Der Veranstalter zog angesichts von weit über 100 000 Besuchern an den vier Standorten ebenfalls ein positives Fazit. „Wir haben gute Aussichten, alle Sponsoren zu halten“, sagte der Geschäftsführer des Vermarkters IMG Sports Media, Matthias Pietza, dem „Handelsblatt“.

Die plötzliche Leistungsexplosion des „Ewigen Zweiten“ nötigte auch der Konkurrenz Respekt ab. „Wenn ich sehe, wie Wolfgang gesprungen ist, kann ich froh sein, dass ich in Oberstdorf gewonnen habe“, meinte der Schweizer Simon Ammann, der mit einem Abstand von 32,6 Punkten Zweiter der Gesamtwertung vor Gregor Schlierenzauer (Österreich) wurde. Für den deutschen Bundestrainer Werner Schuster hatte die Leistung Loitzls etwas Historisches. „Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte“, sagte der Österreicher, der auch mit seinem Team sehr zufrieden sein konnte. „Vier Springer unter den ersten 15. Das ist ein tolles Ergebnis. Damit bewegen wir uns am oberen Rand.“

Für Loitzl soll der Winter nach seinem bislang größten Triumph jetzt erst so richtig losgehen. „Ich bin mir sicher, dass mir das Gas nicht ausgehen wird“, sagte der leidenschaftliche Harley-Davidson- Fahrer mit Blick auf den Gesamtweltcup und die Weltmeisterschaft in Liberec (18. Februar bis 1. März). Doch zunächst will er seine Heim- Fans am Kulm begeistern. „Eine bessere Werbung hätte es gar nicht geben können“, sagte Organisator Hubert Neuper, der die Tournee 1979/80 und 1980/81 gewann und wie Loitzl aus dem 3681 Einwohner kleinen Bad Mitterndorf kommt - dem einzigen Ort mit zwei Tourneesiegern.

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