Die Folge über die unglückliche Kindheit von Rechten

Digitalredakteurin
Schwäbische Zeitung

Rerun: Andrea Pauly im Gespräch mit dem Wissenschaftler und Autor Dr. Herbert Renz-Polster

Weil bei Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen auch zahlreiche Menschen anwesend sind, die ihre rechtsextreme Gesinnung öffentlich zeigen, erinnern wir in dieser Woche an diese Episode. Wir haben sie aufgenommen, als Covid-19 noch nicht existierte, und doch hat sie nichts an Aktualität eingebüßt – ganz im Gegenteil. Denn selten wurden extreme Gesinnungen, Hass, Egoismus und ein Mangel an Empathie so deutlich wie in den vergangenen Wochen auf den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen - nicht von allen Teilnehmern, aber doch von einigen. Dr. Herbert Renz-Polster, Kinderarzt und Autor aus Vogt im Landkreis Ravensburg, hat sich in verschiedenen Büchern damit beschäftigt, was Kinder brauchen, um sich zu starken, freien und glücklichen Persönlichkeiten entwickeln zu können. Doch was geschieht, wenn Kinder sich eben nicht in einem liebevollen, unterstützenden Umfeld entwickeln dürfen? Was, wenn die Kindheit von Strenge, Kontrolle, Gewalt, Verständnislosigkeit, Angst und fehlende Nähe geprägt ist? Darüber hat der Wissenschaftler und Facharzt ein Buch geschrieben: „Erziehung prägt Gesinnung. Wie der weltweite Rechtsruck entstehen konnte - und wie wir ihn aufhalten können.“ Im Podcast spricht der Facharzt und Wissenschaftler Dr. Herbert Renz-Polster nicht nur darüber, wie Eltern bei mit Spinat werfenden oder nicht schlafenden Kindern umgehen sollten. Es geht vor allem darum, wie Kinder in autoritären Elternhäusern unbewusst abspeichern, dass es nur eine Chance auf Stärke gibt: indem sie sich einem anderen unterordnen. Von Bedeutung sind auch die veränderten Rollenbilder, in denen das typisch Männliche nicht mehr so viel Bedeutung bekommt wie noch in der vorhergehenden Generation. Im Gespräch geht es um die "Bannerträger" der rechtspopulistischen Parteien, um die Frage, warum gerade Männer mittleren Alters und Menschen in den ostdeutschen Bundesländern eher für Rechtspopulismus offen sind, und um die Frage, ob alle Rechtspopulisten und Nazis eine unglückliche Kindheit hatten.