Sprache ist ein mächtiges Instrument des Ausdrucks. Damit ist nicht etwa nur die schriftliche oder verbale Übermittlung trivialer Informationen gemeint.

Unsere Sprache transportiert in Wort und Schrift vielmehr auch Meinungen, Botschaften und Wertungen. Somit ist ein sensibler und kritischer Umgang mit Sprache für uns Journalisten unumgänglich.

Das ist einer der Gründe, warum wir bei der Schwäbischen manche Formulierungen und Wörter in Anführungszeichen setzen.

Anführungszeichen als Symbol der Distanzierung

Etwa wenn diese im Kontext mehrdeutig, missverständlich oder einfach kritisch zu bewerten sind, aber dennoch in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen sind. Die Anführungszeichen markieren diese Problematik und symbolisieren eine Distanzierung zur inhaltlichen Deutung.

In anderen Fällen setzen wir Anführungszeichen, um sogenanntes Framing zu markieren – also die manipulative Wirkung von Sprache kenntlich zu machen.

Einige Beispiele:

  • Einen „Reichsbürger“ wird man höchstens als sogenannten Reichsbürger ohne Anführungszeichen bei der Schwäbischen lesen können. Schließlich gibt es mit Verabschiedung des Grundgesetzes und der Einführung der parlamentarischen Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland kein staatsorganisatorisches Konstrukt eines Reiches mehr und somit auch keine staatsorganisatorische Identität als „Reichsbürger“.

  • Auch der „Islamische Staat“ hat keinerlei staatsrechtliche Legitimation, keinen territorialen Anspruch, sondern ist schlichtweg eine Terrorgruppe.

  • Die „Querdenker“-Szene setzen wir ebenso in Anführungszeichen, da es sich hier um die Eigenbezeichnung einer politisch agitierenden Szene handelt, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung attackiert und Schnittmengen zum Rechtsextremismus aufweist.

Eine unkritische Übernahme dieser Begriffe ohne entsprechende Markierung könnte den Leserinnen und Lesern eine gesellschaftliche Akzeptanz und politische Legitimation vermitteln, die nicht gegeben ist.

Was das Thema „Framing“ betrifft, so finden sich vor allem in der politischen Sprache einige Beispiele:

  • Wenn Eltern vom Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Verbesserung der Teilhabe in Tageseinrichtungen und in der Kindertagespflege lesen oder hören, wird dieses Sprachungetüm bei Vätern und Müttern wohl kaum für unmittelbare Aufmerksamkeit sorgen. In der Politik hat man das erkannt, weshalb dieses Gesetz von der damaligen Familienministerin Franziska Giffey kurzerhand „Gute-KiTa-Gesetz“ getauft wurde. Das nicht gerade subtile Framing sorgt dafür, dass das Gesetz durch sprachliche Manipulation per se positiv belegt wird. Die Botschaft: Die Politik tut Gutes für Eltern und ihre Kinder.

  • Ähnlich verhält es sich mit dem „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“, welches durch Framing suggeriert, bei Abschiebungen aus Deutschland ginge alles immer ordentlich vonstatten. Kritik von Opposition und Menschenrechtsorganisationen wird sprachlich ausgeblendet.

In der journalistischen Berichterstattung ist es geboten, diese semantischen Tricks als solche erkennbar zu machen und zu markieren. Bei der Schwäbischen setzen wir entsprechende Begriffe deshalb bewusst in Anführungszeichen oder schreiben ein „sogenannte(s)“ davor, um nicht den Eindruck von Tatsachen oder Allgemeingültigkeit zu vermitteln.

Wenn wir also Begriffe in Anführungszeichen setzen, geschieht das in vielen Fällen im Sinne einer Distanzierung von der durch die Urheber beabsichtigten Interpretation der sprachlichen Formulierung.

Haben Sie vielleicht selbst Fragen, die unsere Arbeit betreffen, mit denen wir uns in einem Blogeintrag beschäftigen sollten? Schreiben Sie uns eine Mail an einsichten@schwaebische.de.