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Windenergie aus dem Altdorfer Wald: Vorbei mit der Flaute

Im Altdorfer Wald sollen im großen Stil Windräder gebaut werden 

Auf diesen Flächen im Altdorfer Wald soll Windkaft ermöglicht werden. GRAFIK: ALBRECHT 

KREIS RAVENSBURG - Zuerst Kiesabbau und dann Windkraft. Der Altdorfer Wald ist in diesem Jahr Topthema. Die Landesregierung will die erneuerbaren Energien im Südwesten deutlich ausbauen – vor allem sollen viele Windräder gebaut werden. Dabei liegt ein Fokus auf dem Altdorfer Wald, was in der Region bei manchen für Unmut gesorgt hat.

Schon jetzt sind im Altdorfer Wald zwei Windparks in Planung. So sollen vier Windräder im Röschenwald zwischen Mochenwangen und Zollenreute entstehen. Hier planen die Windkraft Bodensee-Oberschwaben (WKBO) mit Sitz in Ravensburg und der Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Niedersachsen. Und bei Bergatreute planen die Bio-Energie Allgäu aus Kempten und Enercon einen Windpark in ähnlicher Größe.

Im Oktober dieses Jahres wurde schließlich bekannt, dass die neue Landesregierung in den nächsten Jahren 1000 Windräder im ganzen Land bauen will. Sie sieht die Windkraft als einen zentralen Baustein bei der Energiewende. Unterstützen soll dabei der Staatsforst mit seinen Flächen.

Der Altdorfer Wald ist eines von fünf Gebieten im Land, wo Windräder entstehen sollen. Landesweit sollen es 90 Anlagen sein. Dabei stellt Oberschwabens größtes zusammenhängendes Waldgebiet die größte Fläche der insgesamt fünf Flächen dar. Der landeseigene Forstbetrieb Forst BW schrieb die Potenzialflächen aus, für die es sofort Interessenten gab. Weil die Gebiete im Wald als durchaus attraktiv gelten. Unter anderem interessiert sich auch die WKBO.

Beim Blick auf die Flächen im Altdorfer Wald wird das Ausmaß deutlich: Insgesamt 1370 Hektar weist der landeseigene Forstbetrieb Forst BW im Altdorfer Wald als Potenzialflächen für Windräder aus. Das entspricht umgerechnet rund 1900 Fußballfeldern und etwa einem Sechstel der Waldfläche. Die Flächen befinden sich auf den Gemarkungen von Baienfurt, Bergatreute, Wolfegg, Vogt, Schlier und Waldburg.

Der Protest ließ nicht auf sich warten. Die Bürgerinitiative aus dem Röschenwald macht mobil und auch die Bürgerinitiative BREMN aus Vogt, die seinerzeit schon gegen Windräder im Heißener Forst gekämpft hat. Aber auch der Verein Natur- und Kulturlandschaft Altdorfer Wald, der sich hauptsächlich für den Schutz des Waldes und gegen die geplante Kiesgrube bei Grund einsetzt, äußerte sich kritisch. „Wir zeigen Verständnis dafür und haben auch damit gerechnet. Aber dass es so massiv kommen wird, hätten wir nicht gedacht. Wenn das wirklich so kommt, dann ist das das Ende des Altdorfer Waldes, wie wir ihn heute kennen“, sagte Vereinssprecher Alexander Knor im Herbst.

Naturschützer mahnten zur Vorsicht. Man könne nicht nur fordern und Fläche vom Wald beanspruchen, ohne etwas zu geben. Sie verweisen auch darauf, dass etwa der Landeswildkorridor durch den Altdorfer Wald verläuft und es sensible Flächen gibt.

Die Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden geben sich pragmatisch. So sagt etwa Waldburgs Bürgermeister Michael Röger: „Ich hab immer damit gerechnet. Es ist absolut nachvollziehbar und richtig, diese Fläche in Betracht zu ziehen.“ Zwar bergen solche Anlagen hohes Konfliktpotenzial, aber: „In einer Gesellschaft muss jeder Erschwernisse trage – egal ob bei einer Straße, einem Kraftwerk oder einem Windrad“.

Am 8. Dezember endete die Bewerbungsfrist für Windenergie-Unternehmen. Noch im Frühjahr dürfte bekannt werden, welches den Zuschlag bekommt. Ob dann tatsächlich ein Windpark kommt und wie viele Räder dieser dann aufweisen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Das müssen Untersuchungen und die Genehmigungsverfahren zeigen.

Anders sieht es beim Windpark im Röschenwald aus. Da ist schon mehr bekannt, und dort könnten die ersten Windräder im Schussental – und die ersten im Altdorfer Wald – gebaut werden. Philipp Richter

Mehr zum Thema Windkraft gibt es in einem Dossier unter www.schwäbische.de/windkraft-rv

Schlittschuhläufer stirbt nach Unglück


SCHLIER - Wochenlang war das tragische Schicksal eines tödlich verunglückten Schlittschuhläufers Gesprächsthema. Der 29-Jährige war Mitte Februar in den zugefrorenen Rößlerweiher bei Schlier eingebrochen und Stunden später im Krankenhaus gestorben. Der Schlittschuhläufer war etwa 50 Meter vom Ufer entfernt ins Eis eingebrochen. Ein 60-jähriger Passant hatte versucht, ihn aus dem Wasser zu retten, war aber dabei selbst ins Eis eingebrochen. Zwei weitere Passanten konnten den 60-Jährigen aus dem Weiher retten. Die DLRG war mit 26 Rettern vor Ort, für den 29-Jährigen kam aber jede Hilfe zu spät. Die Betroffenheit war groß. Bei einer Spendenaktion des Sportvereins Ankenreute und der VR-Bank Ravensburg-Weingarten wurde Geld für eine Eisrettungsleiter gesammelt, damit künftig ins Eis eingebrochene Menschen schneller gerettet werden können beziehungsweise die Retter sicher sein können. In kürzester Zeit kamen 7305 Euro zusammen. (ric)


Binders Wiederwahl 


BAIENFURT - Günter A. Binder ist bei der Bürgermeisterwahl, die am Tag der Bundestagswahl stattfand, als Bürgermeister von Baienfurt im Amt bestätigt worden. Binder hatte einen Gegenkandidaten: Samuel Speitelsbach aus Ravenstein, der als Dauerkandidat bei Bürgermeisterwahlen bekannt ist und es durch seine teils rechtsextremen Äußerungen zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat. Umso erstaunlicher war, dass Speitelsbach von den 3596 Wählerinnen und Wählern 275 Stimmen bekommen hat. Das waren immerhin 7,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Auf Binder entfielen 86,6 Prozent (3115 Stimmen), 125 Stimmen waren ungültig (3,5 Prozent), 81 Stimmen entfielen auf andere Personen (2,3 Prozent) (ric)


Neues Wohnviertel für Baienfurt


BAIENFURT - Die Baienfurter können sich auf ein neues Wohnquartier auf neuestem Standard freuen. Es soll CO2-neutral sein und für seine nachhaltige Bauweise sogar zertifiziert werden. Das ist zumindest der Anspruch der Beteiligten. Im Sommer machte die Gemeinde Baienfurt bekannt, dass endlich eine Lösung für das seit Jahren brachliegende Beton-Wolf-Gelände gefunden ist. Käufer des zweieinhalb Hektar großen Areals am Rainpadent sind die Stuttgarter GWG-Gruppe, eine Tochtergesellschaft der R+V-Versicherungen, und die Immo-Pro-Invest ein Projektentwickler und Generalunternehmer aus Bad Dürrheim. Auf dem Gelände soll ein neues Wohnquartier mit Platz für mindestens 300 Menschen entstehen. Wie es aussehen wird, sollen die Bürger mitbestimmen dürfen. Vorstellbar ist, dass auf einem Teil Einfamilienhäuser und Reihenhäuser als Übergang zu den Nachbarwohngebieten entstehen und zudem Geschosswohnungsbau. Auch bezahlbarer Wohnraum und sozialer Mietwohnungsbau soll es auf dem Areal geben. (ric)


Auch ohne Führung in die Waldburg


WALDBURG - Seit Juli hat erstmals seit Jahren die Waldburg wieder an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Jetzt können Besucher auch unangemeldet wieder das oberschwäbische Wahrzeichen betreten und sich individuell durch das mittelalterliche Gebäude bewegen. Wegen Brandschutz-Mängeln und einer Umrüstung musste die Waldburg von Januar 2017 bis Mai 2018 komplett für die Besucher schließen. Danach kam man nur noch per Führung durch die Burg. Jetzt gibt es eine sogenannte sprachgesteuerte dynamische Fluchtwegesteuerung. Das ist eine spezielle Anlage, die die Besucher in einem Brandfall sicher aus dem Gebäude führt. (ric)