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Veranstaltungsmanagement: Weingarten im zweiten Jahr der Pandemie 

Corona prägte weitgehend das öffentliche Leben - Welfenfest als Modellprojekt

Ein Lichtblick im zweiten Coronajahr: Das Welfenfest konnte als Modellprojekt im Sommer stattfinden. FOTOS: DPA, ARCHIV

WEINGARTEN - Die Hoffnungen der Weingartener auf ein „leichteres“ zweites Corona-Jahr mit mehr öffentlichen Ereignissen haben sich 2021 nur bedingt erfüllt. Zwar gab es dieses Jahr einen Bluttritt, der ein bisschen größer war, als im Jahr zuvor, doch erfüllten sich die Hoffnung auf einen Blutfreitag mit 200 Reitern, wie es geplant war, nicht. 200 Reiter hätten nur dann teilnehmen können, wenn die Inzidenz bis zum 7. Mai unter 100 gelegen hätte. Das war sie aber nicht. Sie lag deutlich über 150.

Der Basilikavorplatz war abgesperrt, eine überschaubare Menge an Gläubigen und Pilgern hatte sich versammelt. Die Polizei regelte den Zugang. Begleitet von 13 Reitern machte sich Heilig-Blutreiter Dekan Ekkehard Schmid mit der Reliquie auf den Weg, dessen Streckenverlauf vorher nicht bekannt war, um nicht zu viele Menschen anzulocken. Es war also wieder ein Blutrittle, wie schon 2020. Die Gläubigen konnten den Blutritt per Livestream zu Hause verfolgen. Der reduzierte Blutritt hat aber inzwischen auch seinen Reiz: Der Ursprung als Gottesdienst kommt besser zur Entfaltung. Ein mit Spannung erwartetes Ereignis fiel allerdings aus. Im November 2020 hatte der Veranstalter verkündet, den Blutritt zu öffnen. Doch eine Frau auf einem Pferd war nicht zu sehen.

Das Großereignis vor dem Blutritt ist zweifellos die Weingartener Fasnet. Sie fand coronabedingt fast ausschließlich virtuell statt. Aber die Plätzler wären nicht die Plätzler, wenn sie nicht auch unter diesen Umständen einen kreativen Rathaussturm zustande gebracht hätten - sozusagen hinter verschlossenen Türen. In einem Film hatte man das Highlight der Fasnet festgehalten und in verschiedenen Internet-Kanälen zur Verfügung gestellt. 2022 plant die Zunft wieder eine „normale“ Fasnet.

Im Sommer gab es dann die große Überraschung: Das Welfenfest findet statt. Weingarten bekam als einzige Stadt in der Kategorie „Feste“ in Baden-Württemberg die Erlaubnis ein Fest zu veranstalten, während andere wie das Ravensburger Rutenfest abgesagt wurden. Allerdings gab es strenge Auflagen für das Modellprojekt „Welfenfest“. Maximal 2000 Besucher durften gleichzeitig auf dem abgesperrten, von außen nicht einsehbaren Festplatz feiern. Für die Zutritt galt die 3G-Regel. Die Luca-App war obligatorisch.

Auf dem Platz konnten die Besucher dann ein ganz normales Welfenfest erleben, mit Rummel, Standbetreibern, Essen und Getränken. Das Fest wurde zudem wissenschaftlich begleitet. Dadurch sollte es Erkenntnisse geben, ob Feste in dieser Form von den Besuchern angenommen werden. Und die Bilanz war positiv: insgesamt kamen rund 30 000 Besucher auf den eingezäunten Festplatz und genossen die fast vergessenen Freuden eines Rummels mit angeschlossenem Biergarten.

Zeitweise war das Fest so gut besucht, dass der Einlass gestoppt werden musste. Zu groß war das Bedürfnis der Menschen aus Weingarten, der gesamten Region und darüber hinaus nach etwas Normalität. Wie das Ergebnis der 469 Fragebögen zeigte, könne ein solches Fest auch während einer Pandemie realisiert werden. Die Menschen akzeptierten den zusätzlichen Aufwand mit Hygieneregeln, Testen und Registrieren zur Kontaktnachverfolgung. Und noch wichtiger: die Zahl der positiv Getesteten hatte sich nach dem Fest weder im Landkreis noch in Weingarten geändert.

Betrübnis kehrte dann wieder mit Beginn des Herbsts und stark steigender Inzidenzzahl ein. Weihnachten findet auch 2021 wieder unter verstärkten Corona-Auflagen statt. Markus Reppner


Streit um Weingartens Zukunft


WEINGARTEN - Zwar hat der Gemeinderat im November mehrheitlich für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2040 gestimmt, doch bis zur Verwirklichung wird es noch ein langer Weg sein. Das gilt auch für das Radwegekonzept, das 232 Maßnahmen vorsieht. Denn beide Vorhaben, die das Gesicht Weingartens in Zukunft verändern werden, sind umstritten. Bei der Stadtentwicklung sehen einige Stadträte die geplante Westerweiterung kritisch, die vorerst bis zum Öschweg reichen soll. Der geplante Radschnellweg, der auf einer Länge von 5,7 Kilometern mitten durch Weingarten führen soll, gilt als zu teuer und zu gefährlich. (rep)


Investor der Martinshöfe schmeißt hin


WEINGARTEN - Herber Rückschlag für das größte innerstädtische Wohnbauprojekt in der Geschichte Weingartens. Nachdem der Vorarlberger Investor „i+R Wohnbau“ sich jahrelang als verlässlicher Partner erwiesen hatte, gab er Anfang August bekannt, dass man die Martinshöfe auf dem ehemaligen Schuler-Areal nicht selbst realisieren werde, da man wegen eines anderen Großprojektes in Lindau gebunden sei. Daher werden sie das 3,7 Hektar große Areal an einen anderen Investor weiterverkaufen, der dann die Realisierung, also letztlich die Bebauung, übernimmt. (olli)


Neue Ideen für das 14 Nothelfer


WEINGARTEN - Nach der Stilllegung des 14 Nothelfer Krankenhaus in 2020, wurde das 2,5 Hektar große Areal mitsamt Gebäuden in diesem Jahr verkauft. Gerne hätte die Stadt das Gelände selbst erworben, doch der Ulmer Investor Rainer Staiger erhielt den Zuschlag. Dem neuen Eigentümer schwebt eine gemischte Nutzung vor, wobei er stark von Verwaltung und Gemeinderat abhängig ist, die das baurechtlich ermöglichen müssen. Die Idee einer Entbindungsstation, dazu die Vermietung gewisser Räumlichkeiten an Sportmediziner oder Handchirurgen und die medizinische oder pflegerische Nutzung der übrigen Räume schweben Staiger vor. Außerdem könnte auf dem bisherigen Parkplatz neuer Wohnraum und eine Kita entstehen. (olli)


30-Jähriger vergewaltigt Seniorin


WEINGARTEN - Erschüttert hat Weingarten auch diese Tat: Mitte August verprügelt und vergewaltigt ein 30-Jähriger eine 85-Jährige in der Abt-Hyller-Straße. Eine Passantin fand das Opfer im dichten Gebüsch liegen. Das Opfer konnte der Polizei den Täter exakt beschreiben. Die Kriminalpolizei leitete sofort eine Großfahndung eine. Eine Streife konnte den 30-Jährigen daraufhin schnell in Ravensburg festnehmen.

Nach der Tat meldeten sich zwei weitere Frauen bei der Polizei, die von dem Mann belästigt worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Vergewaltigung. (rep)