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„Mir geht es um mehr als die erste Mannschaft“

Neu-Aufsichtsrat und Sponsor Miller will Werte vermitteln

Bankvorstand Arnold Miller hat auch beim FV Ravensburg alle Zahlen im Blick. Als neuer Aufsichtsrat will er vor allem seine 30-jährige Erfahrung als Vereinsfunktionär einbringen. Foto: oh

Arnold Miller, Vorstand bei der VR-Bank Ravensburg Weingarten, ist beim FV Ravensburg jetzt als Aufsichtsrat tätig. Erstaunlich: Als FV-Sponsor und leidenschaftlicher Fußballfan sagt Miller: „Werte sind wichtiger als der sportliche Erfolg.“ Das Interview.

■ Herr Miller, was erwarten Sie vom FV Ravensburg in der neuen Saison?

Ich denke, dass die erste Mannschaft um Platz 5 mitspielt. Realistisch ist eine Platzierung im ersten Drittel der Tabelle.

VR Bank Ravensburg-Weingarten eG

■ Mit wie vielen Fans rechnen Sie bei den Heimspielen?

Wenn wir im Mittelfeld dümpeln, kommen natürlich weniger Fans. Aber ich glaube, dass sportliche Kriterien nicht den alleinigen Ausschlag geben. Viele Menschen wollen nach den Monaten des Lockdowns wieder raus. Man sehnt sich nach Geselligkeit. Viele Fußballfans werden froh sein, beim FV wieder Leute zu treffen. Zumal die Spiele unter Beachtung aller Corona-Vorsichtsmaßnahmen stattfinden.

■ Wie präsentiert sich die VR-Bank Ravensburg Weingarten als Sponsor beim FV?

Wir sind seit Jahren Sponsor eines Jugendbusses. Dieser Bus entlastet viele Eltern. Im Stadion sieht man uns auf der Bandenwerbung.

■ Bringen Sie auch Geschäftspartner mit ins VIP-Zelt, um entspannt zu reden?

Das habe ich vor, ja. Aber es gibt begrenzt Platz. Auch deshalb wollen wir das neue Vereinsheim bauen. Wir sollten unseren Gästen die gleiche Aufenthaltsqualität bieten wie bei den Towerstars.

■ Sie sind jetzt Mitglied im Aufsichtsrat. Wie bringen Sie sich in dem Gremium ein?

Zunächst bin ich sehr dankbar, dass ich gefragt wurde. Man bringt mir viel Vertrauen entgegen. Ich werde in den Sitzungen zuhören und meine Erfahrungen einbringen. Ich war mehr als 30 Jahre Vereinsfunktionär in verschiedenen Bereichen – vom Jugendtrainer bis zum Kassierer, von der Kreisliga bis jetzt in die Oberliga. Mir geht es aber um mehr als die erste Mannschaft.

■ Wie meinen Sie das?

Ich möchte, dass wir Werte vermitteln. Gerade im Jugendbereich. Ich möchte, dass die Spieler, Trainer und Ehrenamtlichen noch lange sagen: „Der FV Ravensburg hat mir etwas gegeben.“ Werte sind wichtiger als der sportliche Erfolg.

■ Klingt gut, aber Sie kennen das Fußballgeschäft: Wenn der Erfolg ausbleibt, spricht niemand von Werten…

Das Thema hat viele Facetten, ganz klar. Ich finde es ehrenvoll, wenn die Vereinsführung mittelfristig den Aufstieg in die Regionalliga als Ziel ausgibt. Das wäre ein großer, sportlicher Erfolg. Ich sage ehrenvoll, weil ich weiß, was in der Regionalliga auf den Verein zukommen würde: Noch mehr Arbeit, noch mehr Geld, noch mehr Sponsoren.

■ Könnte der FV einen solchen Aufstieg stemmen?

Ich spreche lieber über das Hier und Jetzt. Da sehe ich, wie sich viele Menschen im Ehrenamt für den FV Ravensburg engagieren. Ein Roland Reischmann, ein Helmut Locher, eine Inge Hartmann und viele, viele mehr. Diese Menschen opfern ihre Freizeit für den FV. Mehr noch: Viele investieren sogar Geld. Deshalb ärgert es mich, wenn im Umfeld manchmal über den FV gemotzt wird.

■ Gemotzt?

Ja. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand nach einem Spiel zu Roland Reischmann kam und gesagt hat: „Klasse, was ihr hier alles im Ehrenamt auf die Beine stellt.“ Kürzlich hat Steffen Wohlfarth sogar ein Stück Rasen gemäht. Ich glaube, das macht kein Trainer und sportlich Verantwortlicher bei einem anderen Oberligisten. Ich wünsche mir, dass die Fans des FV Ravensburg so etwas würdigen. Das hat auch mit Werten zu tun. Robin Halle