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Deutsche Eishockey-Liga 2: Turbulent ist bei den Ravensburg Towerstars noch untertrieben

Beim Ravensburger Eishockey-Zweitligisten war 2021 eine Menge los

Es war ein ein Jahr mit vielen Tiefen, aber auch einigen Höhen für die Ravensburg Towerstars. Mit dem Halbfinaleinzug konnten Maximilian Kolb, Daniel Stiefenhofer, Kai Hospelt – die alle den Verein verließen – und ihre Teamkollegen letztlich zufrieden sein. ARCHIVFOTO: FELIX KÄSTLE

RAVENSBURG - So viel, wie bei den Ravensburg Towerstars im abgelaufenen Jahr passiert ist, reicht normalerweise für mindestens zwei Rückblicke. Eine ganze Saison lang Geisterspiele, extrem schwache Phasen, der Rauswurf des Meistertrainers, der Abschied des Geschäftsführers, dann doch der Einzug ins Halbfinale – und da ein kampfloses, fast schon unwürdiges Saisonende. Anschließend wurde fast alles ausgetauscht. Die ersten Monate in der neuen Saison haben für einiges entschädigt – und machen Lust auf mehr im neuen Jahr.

Zu Beginn des Jahres 2021 lief bei den Towerstars in der Deutschen Eishockey-Liga 2 ganz wenig zusammen. Negativer Höhepunkt war das 0:7 bei den Heilbronner Falken. Trainer Rich Chernomaz, der die Towerstars 2019 zur Meisterschaft geführt hatte, durfte aber weitermachen. Allerdings nur noch drei Wochen. Dann gab es das nächste Debakel – und nach dem 1:7 bei den Löwen Frankfurt hatten die Verantwortlichen der Towerstars genug. Sie stellten Chernomaz frei und übertrugen dem erst 28-jährigen Co-Trainer Marc Vorderbrüggen die Verantwortung. „Wir brauchen einen neuen Impuls und setzen in ihn unser Vertrauen“, sagte Geschäftsführer Rainer Schan.

Ohne Unterstützung von den Rängen – pandemiebedingt gab es in der gesamten Liga ausnahmslos Geisterspiele – taten sich die Ravensburger aber auch unter Vorderbrüggen und Interims-Co-Trainer Alexander Dück sehr schwer. Es gab tolle Partien wie beim 8:3 in Landshut, allerdings auch grottenschlechte Spiele wie beim 3:4 zu Hause gegen Dresden. „Das war Not gegen Elend“, meinte Vorderbrüggen damals. „Ich hoffe, jeder bei uns hat jetzt verstanden, um was es geht.“ Die Play-offQualifikation stand auf ganz wackligen Beinen.

Mit dem 5:2-Derbyerfolg beim ESV Kaufbeuren machte Ravensburg wenige Tage später einen großen Schritt Richtung Play-offs. Weil die DEL2 schließlich die letzten beiden Hauptrundenspieltage wegen Corona-Fällen in einigen Mannschaften strich, hatten die Towerstars ihr Minimalziel erreicht. Als Siebter der Hauptrunde ging es im Viertelfinale gegen den Zweitplatzierten, die Tölzer Löwen. Die erste Partie in Bayern verloren die Towerstars, es folgten zwei Siege nach Verlängerung und anschließend ein weiterer schwacher Auftritt in der heimischen CHG-Arena. Eishockey ist allerdings in erster Linie ein Ergebnissport, und das Ergebnis am 28. April lautete: 5:4 für die Towerstars, die damit ins Halbfinale einzogen. „Dieser Auftritt wird gegen Kassel nicht reichen“, sagte Vorderbrüggen nach dem mühsamen Erfolg gegen Bad Tölz.

Vorderbrüggen hatte zu diesem Zeitpunkt hinter der Bande bereits Unterstützung von Daniel Heinrizi bekommen. Der wurde ab Juli neuer Geschäftsführer Sport bei den Towerstars und damit Nachfolger von Schan. Weil Dück ins Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft aufrücken durfte, half Heinrizi schon vor seinem offiziellen Start in Ravensburg dem jungen Interimstrainer Vorderbrüggen im Training und bei den Spielen. Das Halbfinale gegen Kassel hielt dann noch einen weiteren negativen Höhepunkt bereit. Gegen den klaren Favoriten hielten die Ravensburger gut mit, vor dem zweiten Heimspiel waren die Towerstars guter Dinge, den Huskies ein Entscheidungsspiel aufzwängen zu können. Stattdessen: Ein positiver Corona-Test bei einem Ravensburger Profi, Quarantäneanordnung für die restliche Mannschaft und damit das kampflose Saisonende. Es passte ins Bild, dass alle Tests der Towerstars in den Tagen danach negativ blieben – auch der positiv getestete Spieler.

Im Sommer blieb kaum noch ein Stein auf dem anderen bei den Towerstars. Raphael Kapzan (kaufmännischer Geschäftsführer) und Heinrizi ersetzten Schan, Peter Russell wurde als neuer Trainer vorgestellt, 15 Profis gingen und elf neue Spieler kamen. Zuschauer durften auch endlich wieder in die CHG-Arena. Zwar lief auch unter Russell nicht immer alles perfekt – etwa am dritten Spieltag beim 1:5 bei Russells Ex-Team Freiburg. Doch die Towerstars fanden immer besser zusammen und zeigten häufig attraktives Eishockey. Die Zugänge überzeugten (meistens), die positivste Entwicklung machte Tim Sezemsky. Der 19-jährige Verteidiger erspielte sich einen Stammplatz und wurde auch in den Nationalmannschaftskader für die U20-Weltmeisterschaft berufen. „Er hat in meinem Team den größten Sprung nach vorne gemacht“, lobte Russell.

Die Towerstars setzten sich in der Spitzengruppe der DEL2 fest – daran wollen die Ravensburger im neuen Jahr anknüpfen. Thorsten Kern