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In Urspring zum Profi gereift

Basketball: Keiner im Kader spielt länger fürs Team Ehingen Urspring als Kevin Strangmeyer

„Mal in der Bundesliga zu spielen, diesen Traum würde ich gern verwirklichen“: Kevin Strangmeyer, seit 2017 beim Team Ehingen Urspring. FOTO: ARCHIV/SCHERWINSKI

EHINGEN - Im Profi-Basketball ist nichts beständiger als der Wandel. Jahr für Jahr krempeln die Vereine ihren Kader um, gehen Spieler, kommen neue. Dass Spieler über viele Jahre hinweg das gleiche Trikot tragen, ist alles andere als selbstverständlich. Nicht anders verhält es sich beim Zweitligisten Ehingen Urspring, dessen Mannschaft sich auch zur Saison 2021/22 stark verändert hat. Für Beständigkeit im Kader sorgen in diesem Jahr die eigenen Nachwuchsspieler sowie einer, der 2017 im NBBL-Alter in die Basketballakademie in Urspring gewechselt war und seither eine beachtliche Entwicklung zum Profi vollzog: Kevin Strangmeyer. In der vergangenen Saison stand er für das Team Ehingen Urspring im Schnitt fast 22 Minuten pro Partie auf dem Feld und erzielte mehr als sieben Punkte. Dabei ist der Power Forward gerade einmal 20 Jahre alt und dennoch nicht nur der Dienstälteste im Team, sondern auch zu einem wichtigen Spieler herangereift.

Der aus Hessen stammende Strangmeyer erinnert sich noch gut daran, wie es vor vier Jahren zum Wechsel nach Schwaben kam. Der damalige Cheftrainer und Sportliche Leiter der Urspring-Basketballakademie, Domenik Reinboth, hatte ihn als Gastspieler eingeladen, mit der NBBL zu einem Turnier ins italienische Lissone zu fahren. Strangmeyer nahm an und wurde dann in Lissone als bester junger Spieler ausgezeichnet. Die Verantwortlichen von Urspring ließen das Talent, das bis dahin für Gießen und Lich gespielt hatte, nicht mehr von der Angel. Und Strangmeyer entschied sich, ermuntert von Patrick Horstmann, einem Mitspieler im Gießener ProB-Team und früheren Urspringschüler, zum Wechsel ins Internat. Ein Schritt, den er nie bereut habe, wie er sagt. „Ich würde es wieder machen. Urspring ist ein guter Standort für junge Spieler.“


„Freie Tage sind nicht so meins.“

Kevin Strangmeyer


Auch wenn die Abgeschiedenheit und das ländliche Idyll in der ersten Zeit ungewohnt waren für den damals 16-Jährigen. „Anfangs war es ein wenig komisch, weil es in Urspring nichts anderes gibt.“ Nur Schule und Basketball – doch die Möglichkeit, sich genau auf das zu konzentrieren, lernte Kevin Strangmeyer rasch zu schätzen. Zumal er nicht allein war, sondern umgeben von weiteren jungen Basketballern wie dem aus Hohenlohe stammenden Franklyn Aunitz oder den Kaiserslauterer Mathias Groh, der zu einem seiner besten Freunde wurde. Mit beiden spielte er noch in der vergangenen Saison zusammen, ehe sich Aunitz und Groh für einen anderen Weg entschieden. Aber sie bleiben in Kontakt. Weil man viel gemeinsam erlebt hat in den vergangenen Jahren. „Wenn man sich jeden Tag sieht, ist eine andere Verbindung da“, so Strangmeyer.

Dass er es einmal in ein Basketballinternat und in den Profisport schaffen würde, war für ihn im Alter von zehn Jahren noch nicht vorstellbar gewesen. Bis dahin habe er keinen Sport getrieben und somit „recht spät damit angefangen“, sagt Strangmeyer. Weil er schon damals ein groß gewachsener Junge war, kam er über eine Sport-AG zum Basketball – und blieb, weil er Erfolg hatte in diesem Sport. Langsam keimte der Gedanke, es als Basketballer zu etwas zu bringen – erst recht, als er erst für Gießens Bundesliga-Nachwuchs spielte und später nach Urspring wechselte. Die Perspektive, mal Profi zu werden, zeichnete sich immer klarer ab. Und Kevin Strangmeyer wollte das auch.

Der junge Hesse spielte zunächst für Urspring in der U19-Bundesliga und für die Männermannschaft der Urspringschule in der 2. Regionalliga und später in der Oberliga. Doch von Anfang an war er auch für das Zweitliga-Profiteam vorgesehen. Domenik Reinboth gab dem 2,05 Meter großen Forward zunehmend mehr Einsatzzeit und Verantwortung: In der ProA-Saison 2017/18 spielte Strangmeyer im Schnitt acht Minuten, ein Jahr später waren es knapp elf und 2019/20 schon rund 15. Parallel dazu steigerten sich Punktausbeute (von 1,6 Punkten im Schnitt auf 3,9) und Rebounds (von 1,3 über 1,6 auf 2,7). Der Durchbruch gelang dann 2020/21, als Strangmeyer auf 21:43 Minuten Spielzeit kam, im Schnitt 7,1 Punkte erzielte und sich 4,2 Rebounds schnappte. „Er hat immer guten Einsatz gezeigt, aber in diesem Jahr ist er wirklich zu einem Profi geworden“, sagt Johannes Hübner, seit drei Jahren im Verein und seit einem Jahr Co-Trainer des ProA-Teams. „Kevin ist in der besten Form seines Lebens, was die körperliche Verfassung angeht.“ Rasch sei daher klar gewesen, dass Strangmeyer 2021/22 dem Zweitliga-Kader angehören sollte.

Um fit zu sein und zu bleiben, hat Strangmeyer, der in Anlehnung ans englische Adjektiv strong (stark) teamintern gern „Strongmeyer“ genannt wird, auch den Sommer über an sich gearbeitet – allein, mit Co-Trainer Hübner oder Athletiktrainer Stijepan Sucic. In der Saisonvorbereitung seit Anfang August blieb er selbst an freien Tagen nicht untätig, ging ins Fitnessstudio oder trainierte zu Hause für sich. „Freie Tage sind nicht so meins“, sagt der 20-Jährige mit der untadeligen Arbeitsauffassung und dem vorbildlichen Einsatzwillen, der beharrlich ein großes Ziel verfolgt: „Mal in der Bundesliga zu spielen, diesen Traum würde ich gern verwirklichen.“

Die Entwicklung des Power Forward, der zu Beginn seiner Zeit bei Ehingen Urspring bisweilen etwas ungelenk wirkte, aber in der Beweglichkeit deutliche Fortschritte gemacht hat, ist für Johannes Hübner längst nicht abgeschlossen – bei der Schnelligkeit, in der Verteidigung, bei der Konstanz auch im Wurf sieht der Co-Trainer Potenzial. Der Spieler selbst weiß ebenfalls, dass er sich weiter steigern kann. Auch was das Auftreten im Spiel betrifft: Seine anfängliche Schüchternheit und Nervosität habe sich gelegt, sagt er. Doch wolle er, der inzwischen die meiste ProA-Erfahrung im Team hat und dadurch Ansprechpartner für die Jüngeren aus Urspring und die ausländischen Profis ist, seine Persönlichkeit noch stärker auf dem Spielfeld zum Ausdruck zu bringen. Er wolle zeigen, „dass ich die Mannschaft auch etwas führen kann“, sagt Kevin Strangmeyer. Doch profitiert er auch von den älteren Mannschaftskollegen, besonders von den ausländischen Profis. Strangmeyer verweist auf einen seiner neuen Mitspieler, den fünf Jahre älteren Josh Price, der mit einer Größe von 2,06 Metern ebenfalls ein Big Man und dazu noch schnell ist und über „einen sehr starken Wurf“ verfügt. Wie sich der Center bewegt, wie er den Ball führt – auf all das achtet der junge Strangmeyer – und versucht etwas davon zu übernehmen.

Kevin Strangmeyer verhehlt nicht, dass es nicht einfach ist, sich jedes Jahr auf neue Teamkollegen einzustellen, auf andere Spieler und andere Charaktere. „Man muss immer wieder schauen und überlege: Was ist das jetzt für ein Typ“, sagt er. Aber er weiß, dass es in diesem Sport dazugehört, und er hat in den vergangenen Jahren erfahren, wie wichtig es gerade für ein Low-Budget-Verein wie Ehingen Urspring ist, dass die immer neuen Teile rasch zu einem funktionierenden Ganzen werden. Was den Teamgeist im neu zusammengestellten Kader angeht, habe er ein „gutes Gefühl“, sagt Strangmeyer. „Als wären wir schon ein eingespieltes Team.“ Einzig die Verletzung von Pointguard Munis Tutu und der kurzfristige Abschied von Sebastian Aris störten zuletzt ein wenig. Strangmeyer: „Aber das muss uns als Team noch enger zusammenschweißen.“ Andreas Wagner

Team Ehingen Urspring, Termine

Heimspiele

Sa., 25.9., 19 Uhr: Itzehoe
Sa., 9.10., 19 Uhr: Rostock
Fr., 5.11., 19.30 Uhr: Kirchheim
Sa., 13.11., 19 Uhr: Tübingen
Sa., 11.12., 19 Uhr: Vechta
Do., 23.12., 19.30 Uhr: Karlsruhe
So., 2.1.22, 17 Uhr: Hagen
Fr., 14.1., 19.30 Uhr: Leverkusen
Sa., 22.1., 19 Uhr: Bochum
Sa., 5.2., 19 Uhr: Nürnberg
Sa., 12.2., 19 Uhr: Jena
Sa., 19.2., 19 Uhr: Artland Dragons
Fr., 4.3., 19.30 Uhr: Bremerhaven
So., 6.3., 17 Uhr: Schwenningen
So., 27.3., 17 Uhr: Paderborn
Sa., 9.4., 19.30 Uhr: Trier

Auswärtsspiele

Sa., 18.9., 19.30 Uhr: Paderborn
Sa., 16.10., 18.30 Uhr: Nürnberg
Sa., 23.10., 19 Uhr: Bremerhaven
Sa., 30.10., 19 Uhr: Bochum
Di., 9.11., 19.30 Uhr: Trier
Sa., 20.11., 20.30 Uhr: Leverkusen
So., 5.12., 17 Uhr: Artland Dragons
Sa., 18.12., 19 Uhr: Jena
So., 26.12., 18 Uhr: Schwenningen
Sa., 8.1., 19 Uhr: Kirchheim
So., 16.1., 17 Uhr: Hagen
Sa., 29.1., 19 Uhr: Tübingen
Mi., 9.2., 19.30 Uhr: Karlsruhe
So., 13.3., 16.30 Uhr: Rostock
Fr., 25.3., 19.30 Uhr: Itzehoe
Sa., 2.4., 19.30 Uhr: Vechta

Heimspiele vor maximal 365 Zuschauern

Basketball, ProA: Die Zeit der Geisterspiele in der JVG-Halle ist vorbei – Regeln für Besucher

EHINGEN - Eine ganze Saison lang haben die Zweitliga-Basketballer des Teams Ehingen Urspring ihre Heimspiele in der JVG-Halle vor leeren Rängen austragen müssen – abgesehen von den Helfern des Heimvereins oder den wenigen Begleitpersonen der Gästemannschaften. Andere Personen waren wegen des langen Lockdowns jedoch ausgeschlossen. Das hat sich geändert: Zuschauer dürfen wieder zu den Spielen, wenngleich in sehr begrenzter Zahl.

Auf 1500 Zuschauer ist die JVG-Halle ausgelegt, „Stand jetzt dürfen wir 365 Plätze belegen“, sagt Peter Breymaier, beim Team Ehingen Urspring zuständig für Marketing und Kommunikation. Dies ist die Vorgabe der örtlichen Behörden, mit denen das Hygienekonzept für die Heimspiele der Basketballer abgestimmt ist. In der Zahl 365 sind auch die Plätze für die Helfer berücksichtigt, deren Zahl laut Breymaier von Spiel zu Spiel schwankt. Ohnehin werden nicht allzu viele Tickets noch in den freien Verkauf gehen, denn rund zwei Drittel der verfügbaren Plätze seien durch Besitzer von VIP- oder Dauerkarten bereits belegt. Eintrittskarten für einzelne Spiele sind zunächst online erhältlich (über die Internetseite www.ehingen-urspring.de erfolgt die Weiterleitung zum Ticketingpartner) und bei Verfügbarkeit auch noch an der Abendkasse.

Zu den Heimspielen der Basketballer in die Halle darf nur, wer eines der drei G (vollständig geimpft, im vergangenen halben Jahr von einer Covid-Erkrankung genesen oder aktuell getestet) erfüllt – aber auch hier gilt: Stand jetzt. Mit Betreten der Halle herrscht die Pflicht zum Tragen der Maske, die nur beim Verzehr von Getränken und Speisen am Platz abgenommen werden darf. In der Halle sind Versorgungsstände eingerichtet, zudem soll es einen Bauchladen zum Verkauf an den Plätzen geben. Um die Abstände zwischen den Zuschauern auf den Tribünen zu gewährleisten, würden neben jedem Sitzplatz drei Plätze freigehalten, sagt Breymaier.

Halle in Zonen unterteilt

Da die Hallen in drei Zonen unterteilt ist, die nicht überschritten werden dürfen (eine Zone betrifft die direkt am Spielbeteiligten, eine andere die Zuschauer), bleibt der unmittelbare Kontakt zwischen Spielern und Fans aus. „Eine Vermischung der Zonen ist nicht möglich“, so Peter Breymaier. Auch wird es hernach keine Pressekonferenz mit den Trainern im Foyer geben, für die früher das daran interessierte Publikum noch in der Halle blieb. Doch ein Verweilen in der Halle nach Spielende ist nicht erwünscht.

Viel müssen die Verantwortlichen des Basketball-Zweitligisten für die neue Saison organisatorisch auf sich nehmen, doch sie machen es, um nach einem Jahr mit Geisterspielen wieder Atmosphäre in der Halle zu haben. Man sei froh, überhaupt wieder vor Zuschauern zu spielen, sagt Peter Breymaier. Auch wenn viel weniger als in normalen Zeiten das Team von den Rängen aus anfeuern dürfen. (aw)