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Waldseer Stadtarchiv: Die ersten Erkenntnisse des Stadtsee-Forschungsprojekts

Historikerin berichtet, dass Waldsee versuchte mit Textilzentren mitzuhalten

Im Stadtsee schlummern noch so manche Geheimnisse, die es zu erforschen gilt. FOTO: WOLFGANG HEYER

BAD WALDSEE - Der Bad Waldseer Stadtsee stand 2021 unter besonderer Beobachtung. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde nicht nur das Gestein auf dem Seegrund untersucht, sondern auch historische Forschungen vorgenommen, die Erkenntnisse zur Klimageschichte und zum frühen Wirtschafts- und Sozialleben der Stadt liefern sollen. Die Historikerin Claudia Höhnke verbachte im Sommer viele Stunden im Waldseer Stadtarchiv.

Die Wissenschaftlichen Mitarbeiterin der Universität Tübingen hat der „Schwäbischen Zeitung“ die ersten Erkenntnisse aus ihrer Arbeit geschildert: „Während des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit war der ganze Raum Oberschwaben eine Exportlandschaft für Getreide sowie eine Gewerbelandschaft für die Textilindustrie. Die Bedeutung dieser Wirtschaftszweige zeigt sich in Waldsee beispielsweise durch das Kornhaus im Zentrum des mittelalterlichen Stadtkerns. Städtische Einrichtungen wie etwa ein Gewandhaus, das 1397 errichtet wurde, oder die Bleiche, die zur Veredelung der Leinenprodukte diente, machen deutlich, dass sich Waldsee mit seiner Leinwandproduktion in die Gewerbelandschaft Oberschwabens eingliederte. Bemerkenswert war vor allem die Teilhabe der Landstadt am ersten oberdeutschen Garnbündnis von 1476 neben überwiegend reichsstädtischer Beteiligung. Waldsee versuchte also mit den großen oberschwäbischen Textilzentren wie etwa Memmingen mitzuhalten, auch wenn es nie einen vergleichbaren Stellenwert einnehmen konnte.

Im Zuge ihrer Forschungsarbeit wird Höhnke noch weitere Archivreisen nach Bad Waldsee unternehmen. „Es öffnen sich immer neue interessante Themenfelder, zu denen ich gezielt Quellen im Stadtarchiv suche.

Der Umfang der Archivalien ist teilweise so groß, dass ich gar nicht alles während eines Archivbesuches einsehen kann“, verdeutlichte die Historikerin. Wolfgang Heyer