Der „Verfasser der Ostereyer“ hat den Text für das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ geschrieben Image 1

Der „Verfasser der Ostereyer“ hat den Text für das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ geschrieben

  

Christoph von Schmid wird oft mit Kindern gezeigt. FOTOS: KHB/OH

Er gilt als der erfolgreichste Jugendschriftsteller des 19. Jahrhunderts, dessen Bücher in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Trotzdem ist der einstige Oberstadioner Pfarrer Christoph von Schmid heute weitgehend unbekannt. Weltweit bekannt und in wenigen Tagen sicher wieder unter Millionen Christbäumen gesungen, ist aber sein Weihnachtslied „Ihre Kinderlein kommet“.
       

Der „Verfasser der Ostereyer“ hat den Text für das Lied „Ihr Kinderlein kommet“ geschrieben Image 2

REGION - Seit vielen Jahren wird das Oberstadioner Krippenmuseum, nicht nur im Advent, von vielen Gästen besucht. Und schnell erfahren die Besucher, dass die Winkelgemeinde einst „einen berühmten Pfarrer“ hatte. Für diesen „großen Sohn der Gemeinde“ ist im Rathaus eigens eine Gedenkstätte eingerichtet worden. „Ohne Christoph von Schmid und sein weltberühmtes Weihnachtslied, hätte unser Dorf höchstwahrscheinlich kein Krippenmuseum und wäre in der weiten Region nicht so bekannt“, sagt Oberstadions Bürgermeister Kevin Wiest. Christoph von Schmid war von 1816 bis 1827 Pfarrer in Oberstadion und hat hier einige seiner bekanntesten Werke geschrieben. „Ihr Kinderlein kommet ist aber schon vorher entstanden“, weiß der Bürgermeister und nennt 1811 als Jahr der ersten anonymen Veröffentlichung des Weihnachtslieds.

Christoph von Schmid kam am 15. August 1768 in Dinkelsbühl zur Welt. Später studierte er an der bischöflichen Universität in Dillingen. 1791 empfing er die Priesterweihe und begann seine kirchliche Tätigkeit als Pfarrvikar im heutigen Mindelheimer Stadtteil Nassenbeuren. 1796 trat er in Thannhausen eine Stelle als Benefiziat und Lehrer an.

„Thannhausen gehörte damals zum reichsgräflichen Kleinstaat der Grafen von Stadion und Schmids Bruder arbeitet im Dienst der Grafen bereits in Oberstadion“, weiß Kevin Wiest. „Als der Oberstadioner Pfarrer starb, wurde Schmid hierher versetzt“. Um in aller Ruhe arbeiten zu können, richtete sich der Pfarrer und Schriftsteller im Dachgeschoss des Pfarrhauses ein Arbeitszimmer ein. „Aus diesem Zimmer ist nur der kleine Ofen erhalten geblieben. Und der steht heute in der Christoph-von-Schmid-Gedenkstätte in unserem Rathaus“, so der Bürgermeister.

In Oberstadion entstanden Schmids bekannte Werke „Rosa von Tannenburg“, „Heinrich von Eichenfels“ und „Die Ostereyer“, nach denen Schmid lange Zeit nur der „Verfasser der Ostereyer“ genannt wurde. Im Jahr 1827 verließ Christoph Schmid, damals noch nicht geadelt, Oberstadion und war dann als Domkapitular in Augsburg für die Verwaltung des Schulwesens zuständig. Der bayerische König Ludwig I. erhob ihn 1837 in den Adelsstand. Am 3. September 1854 fiel Christoph von Schmid der damals in Augsburg wütenden Cholera zum Opfer.

Schmids Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen, darunter Arabisch und Chinesisch, übersetzt. Golo Mann und Papst Paul IV. liebten seine lyrischen Texte. „Leider beschränken sich viele Liederbücher nur auf drei bis vier Strophen von Ihr Kinderlein kommet“, bedauert Kevin Wiest. „Deshalb ist auch weitgehend unbekannt, dass Christoph von Schmid acht Verse für sein berühmtes Weihnachtslied textete“. Die sind natürlich in der Oberstadioner Gedenkstätte alle zu erfahren und wer mit offenen Augen durch das dortige Krippenmuseum geht, wird Pfarrer Schmid, samt Oberstadioner Pfarrhaus, unter den Krippendarstellungen entdecken. khb

Besuchen

Die Gedenkstätte für Christoph von Schmid im Oberstadioner Rathaus kann jeden Sonntag von 15 Uhr bis 17 Uhr besucht werden. Weitere Informationen gibt’s unter www.oberstadion.de.