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Ein Schmuckstück im Stadtbild

In dem sanierten Gebäude sind nun zehn Wohnungen untergebracht. FOTO: ALOIS GROSS

Wie aus einem einstigen dominanten landwirtschaftlichen Anwesen ein Gebäude mit 10 Wohnungen entstehen kann, zeigte die Sanierung des gemeindeeigenen Gebäudes Hintere Gasse 1.

DENKINGEN – Um das Defizit an Wohnungen weiter zu lindern, hat der Gemeinderat bereits 2019 beschlossen, das 2018 von Josef (Sepp) Merkt gekaufte Objekt zu sanieren und insgesamt 10 Wohnungen zu schaffen. Da die Kostenschätzung eine gewisse Höhe aufwies, wurde das Vorhaben auf das Jahr 2020 verschoben. Im Vorfeld hat sich der Gemeinderat auch mit der Frage Sanierung oder Abbruch und Neubau beschäftigt. Aufgrund der Platzverhältnisse hätte ein Neubau gleichen Ausmaßes jedoch weder baurechtlich noch wirtschaftlich vertretbar erstellt werden können. „Weiter kommt der Gemeinde in Bezug auf Erhalt und Sanierung von Gebäuden eine Vorbildfunktion zu, welche sie mit der Sanierung des Gebäudes Hintere Gasse 1 erfüllt“ lautet eine Aussage von Bürgermeister Rudolf Wuhrer.


planungsgruppe g architekten

So ist das ortsbildprägende Gebäude zu einem Schmuckstück im Rahmen der städtebaulichen Sanierung geworden. Das Ergebnis der Sanierung hat nach einer unfallfreien Bauzeit von 12 Monaten alles Bisherige bei weitem übertroffen. Allerdings war die Fertigstellung wesentlich früher geplant, nachdem sich die Bauzeit im Laufe der Bauarbeiten mehrfach verlängert hat. Dies war zum einen coronabedingt und zum anderen konnte das benötigte Material nicht immer fristgerecht geliefert werden. Eine Verzögerung brachte auch ein statistisches Problem, denn bei den Bauarbeite musste der mittlere Giebel abgerissen werden und neu aufgestellt werden, was auch zusätzliche Kosten verursachte. Alle drei Giebel sind in Fachwerkbauweise erstellt. Dazu wurde der Dachstuhl komplett neu erstellt, lauteten die Aussagen von Architekt Josef Gaßner.

Vom EG bis zum DG sind nunmehr 10 Wohnungen untergebracht. Die größte Wohnung hat eine Fläche von 92,659 qm plus Keller, die kleinste Wohnung von 287,738 qm plus Keller. Eine Wohnung im EG verfügt über einen separaten Eingang und ist ebenerdig sowie behindertengerecht ausgestattet. Rucki zucki waren alle 10 Wohnungen vermietet. Bereits ab 15.9.2021 können die neuen Mieter einziehen. Es sind Einzelpersonen und Familien. Gerade die Mischung aus kleiner Einzimmerwohnung und Mehrzimmerwohnung ist der Reiz in diesem Haus, das laut Auskunft des Planers Josef Gaßner für ca. 1,3 Mio. Euro brutto saniert wurde, wobei die Verwaltung von einer Förderung im Rahmen der städtebaulichen Sanierung von ca. 600 000 € ausgeht.

Die Außenanlage ist indessen noch nicht fertig. Es wird jedoch gelingen, alle benötigten Stellplätze auf dem Grundstück Hintere Gasse 1 anzulegen. Einen Farbtupfer erhält das bis jetzt helle Gebäude noch mit Fensterläden aus Holz in einem Grünton.

Das Gebäude selbst ist mit 16 cm Außenwärmeschutz versehen und eine Garage bietet für 20 Fahrräder Platz. Sprotzenfenster und Gaupen bieten zum einen eine sehr gute Aussicht in die Ortsmitte und durchfluten die Räume regelrecht mit Licht und Sonnenschein. Architekt Josef Gaßner hat dem Gebäude neben seiner umsichtigen Planung natürlich auch seinen persönlichen Stempel hinterlassen. Um die Bauweise und alte Substanz auch nach der Sanierung der Nachwelt zu zeigen, ist im Eingangsbereich ein großes Stück der ursprünglichen Rauhsteinmauer sichtbar. Die hellen lichtdurchfluteten Wohnungen sind mit weißer Rauhfaser versehen, während die Böden mit Laminat ausgelegt sind. Fernseh- und Internetanschlüsse, die mit Glasfaser gespeist werden, gehören bereits zum Standard einer Wohnung, so Gaßner. Immer wieder kann man alte Mauerreste wie zum Beispiel das Kellergewölbe oder im EG in einer großen Wohnung eine Meter hohe Holzvertäfelung. Hier kommt auch der ursprüngliche helle Bretterboden zum Vorschein.

Das Gebäude wird mit einer modernen Gasheizung geheizt, während eine Photovolktaikanlage Strom für den Eigenbedarf liefert und als Unterstützung für die Warmwasserzubereitung eingesetzt wird.

Doch fast niemand im Dorf kenn das Gebäude unter dem Namen Hintere Gasse 1. Man spricht im Ort eben von der „Alten Post“. 1975 wurde im Erdgeschoss eine Postfiliale eingebaut. Über 300 Jahre hat das Gebäude bereits auf dem Buckel. Bei der jetzigen Sanierung wurden auch immer wieder Brandspuren entdeckt, die von einem Brand ca. 1760 herrühren, wo das Gebäude jetziges Gasthaus Sternen gänzlich abgebrannt ist und bei den beiden Nachbarhäusern Spuren hinterließen, erzählt der frühere Besitzer Sepp Merkt. Sein Großvater mütterlicherseits und Hausmetzger Leonhard Schnee kaufte das landwirtschaftliche Anwesen 1893 zu seiner Hochzeit mit Theresia Streicher. Nachfolger wurde dann sein Sohn Franz Merkt, der 1973 verstarb. Heinrich, der auch „Postheiner“ genannt wurde war dann Nachfolger, der das Gebäude seinem Bruder Sepp Merkt vererbte.

Nun erstrahlt das alte ehrwürdige Bauernhaus in neuem Glanze und freut sich auf das zukünftige Leben mit den vielen neuen Bewohnern.

Am kommenden Freitag, 27.08.2021 kann die Bevölkerung bei Führungen mit Architekt Josef Gaßner die Wohnungen und das Gebäude besichtigen. Eine Voranmeldung ist allerdings notwendig. Herlinde Groß (al)