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Opernbühne bringt Beethovens einzige Oper zur Aufführung


Francisco Huerta, Milena Arsovska, Eugene Amesmann, Jörn Schümann (hinten) und Isabel Blechschmidt nach der konzertanten Aufführung in Isny.

Ab Oktober wird an der Opernbühne Württembergisches Allgäu wieder gespielt. Mit Beethovens Oper „Fidelio“ kommt eine emotionale Oper mit zeitloser Botschaft zur Aufführung. Um diese auch Schülern nahezubringen, lädt die Opernbühne außerdem mit einem neuen Workshopprogramm Schüler in die Opernwelt ein.

WANGEN - Ludwig van Beethovens 250. Geburtstag im vergangenen Dezember bestimmt weiterhin die Musikwelt, auch wenn die Pandemie viele Veranstaltungen unmöglich gemacht hat. Bereits im vergangenen Herbst wagte sich die Opernbühne Württembergisches Allgäu e.V. trotz der widrigen Umstände an Beethoven – mit Erfolg!

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Mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Hygienekonzept lud sie an verschiedenen Orten in der Region zu konzertanten Aufführungen von Beethovens einziger Oper „Fidelio“ ein. Die Konzerte unter der Leitung des Opernbühnen-Intendanten Friedrich-Wilhelm Möller wurden sehr gut angenommen. Nun finden im Oktober drei szenische Aufführungen des Fidelio in Wangen und Weingarten statt.

Dafür hat die Opernbühne ein internationales Ensemble von jungen Sängerinnen und Sängern zusammengestellt. Mit dem österreichischen Regisseur Florian Hackspiel und seiner Ausstatterin Annett Lausberg wurde ein Team gefunden, das in kurzer Zeit der Vorbereitung ein spannendes Konzept entwickelt hat.

Beethovens „Fidelio“ erzählt von einer mutigen Frau, die sich als Mann verkleidet, um ihren unschuldig inhaftierten Mann zu befreien und feiert damit hochemotional die Liebe. Sie erzählt aber auch von Politik, von Unterdrückung und brutalen Machtmenschen, die es in der Welt immer noch und immer wieder gibt, von politisch Verfolgten und Freiheit, Mitläufern und Würdenträgern. Sie gilt als die große, zeitlos gültige Befreiungsoper.

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Die Worte des berühmten Gefangenenchors „Oh welche Lust, in freier Luft den Atem leicht zu heben“ berühren auch heute unmittelbar. Es gibt in dieser Oper große Szenen, die von Hoffnung, Verzweiflung und Rache erzählen, tiefe Gefühle und dramatische Wendungen. Die Handlung des „Fidelio“ bietet der Regie viele Interpretationsansätze, Beethovens kraftvolle Musik dazu bleibt immer mitreißend und beflügelnd.

Innovatives Education-Konzept

Doch nicht nur erwachsene Musikliebhaberinnen und -liebhaber dürfen jetzt gespannt sein. Die umtriebige Kultur-Institution, die sich zunehmend in der Region etabliert, überrascht immer wieder durch Mut und Innovation: mitten in der Pandemie entwickelte sie ein passgenaues Konzept, mit dem Kinder und Jugendliche in die Welt der Oper und die Musik Beethovens eingeführt werden.
  

„Nicht länger kniet sklavisch nieder. Es sucht der Bruder seine Brüder“ – Christian Feichtmair (links) in der Rolle des Don Fernando begleitet vom Chor. In der Mitte Regisseur Florian Hackspiel. FOTOS: OPERNBÜHNE
„Nicht länger kniet sklavisch nieder. Es sucht der Bruder seine Brüder“ – Christian Feichtmair (links) in der Rolle des Don Fernando begleitet vom Chor. In der Mitte Regisseur Florian Hackspiel. FOTOS: OPERNBÜHNE

Knapp 250 Schülerinnen und Schüler wurden in den letzten Wochen von Musikerinnen und Musikern der Opernbühne in der Schule besucht. Dafür kooperiert die Opernbühne mit 12 Schulen der Region. In Workshops beleuchteten und erforschten die Kinder den Inhalt des „Fidelio“ und tauchten durch aktives Mitmachen in Beethovens Musik ein. Darüber hinaus lädt die Opernbühne sie vor der offiziellen Premiere mit ihren LehrerInen zu einer besonderen Probe ein, bei der neben dem musikalischen Live-Erlebnis verschiedene exklusive Einblicke in das Geschehen auf und hinter der Bühne auf die Teilnehmenden warten.

„Die Zusammenarbeit mit Schulen der Region wird auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil unserer Tätigkeit sein. Unser Ziel ist es, dass der Funke überspringt und wir Interesse und Begeisterung für klassische Musik entfachen“ erklärt Intendant und künstlerischer Leiter Möller. Der Erfolg gibt ihm Recht: Die Plätze für die am Pilot-Projekt teilnehmenden Schulen waren sofort vergriffen, die Reaktionen von LehrerInnen und Teilnehmenden begeistert und die Warteliste für das nächste Projekt ist schon eröffnet.

Das Team

Der Regisseur Florian Hackspiel, geboren 1983 in Tirol, besuchte das Musikgymnasium in Innsbruck und war bereits als Jugendlicher mit der Welt des Theaters und des Musiktheaters verbunden. Bereits als Siebzehnjähriger leitete er die Statisterie am Landestheater Innsbruck. 2007 schloss er sein Schauspielstudium in Graz ab und ist seitdem als freischaffender Schauspieler, Regisseur und Theaterproduzent im gesamten deutschsprachigen Raum tätig. In der Region war er 2017/18 als Schauspieler bei den Festspielen im Zunftwinkel in Wangen zu erleben, außerdem leitete er 2019 das Sommertheater Überlingen. Inzwischen sind rund 40 Regiearbeiten für Schauspiel und Musiktheater entstanden.

Seine Ausstatterin Annett Lausberg aus München hat einen dunklen Bühnenraum mit fahrbaren Treppen und Wänden, die sich öffnen, entworfen: Zeitlos und ortlos, doch mit Verbindungen zur heutigen Zeit. Im Zentrum steht in Hackspiels Deutung des Fidelio Leonore als liebende Kämpferin, die Verantwortung übernimmt und sich den Mächtigen entgegenstellt: „Die echte Liebe ist die Revolution“, sagt er.

Die Solistinnen und Solisten

Leonore wird von Isabel Blechschmidt aus Nürnberg dargestellt. Sie verkörperte die Partie der mutigen Gattin im letzten Jahr bei den Landesbühnen Sachsen. Ihr Florestan ist der gebürtige Österreicher Eugene Amesmann. Erfahrungen mit der Rolle des unschuldig Gefangenen konnte er unter anderem am Theater in Košice sammeln. In den anderen Rollen gibt es ein Wiederhören mit Reuben Willcox als mächtigem Gouverneur Don Pizarro, mit Jörn Schümann als Kerkermeister Rocco und dem Wangener Bariton Christian Feichtmair als Minister Don Fernando. Die Sopranistin Milena Arsovska singt Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters. Tenor Francisco Huerta ist Jaquino. In Chor und Orchester der Opernbühne wirken erfahrene SängerInnen und MusikerInnen der Region mit, die musikalische Leitung hat der vielseitige und versierte Dirigent Friedrich-Wilhelm Möller. Katharina von Glasenapp
  

Termine

Aufführungen sind am 2. und 3. Oktober jeweils um 20.00 Uhr im Festsaal der Waldorfschule Wangen und am 22. Oktober, 20.00 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten. Es gilt die 3G-Regel. Weitere Informationen über opernbuehne-allgaeu.de.

Vorverkauf für Wangen über das Gästeamt, Bindstraße 10 tourist@wangen.de, Tel. 07522 74211.

Für Weingarten bei Optik Scheffold Tel. 0751 56993830 und über www.reservix.de.

Einführungsvorträge:

Am 20. September spricht die Musikjournalistin Katharina von Glasenapp mit dem Regisseur Florian Hackspiel über Konzept und Ausstattung. Am 27. September gibt es einen Einblick in die Entstehungsgeschichte und die musikalischen Höhepunkte. Jeweils 19 Uhr in der Stadtbücherei im Kornhaus, Postplatz 1, Wangen. Der Eintritt ist frei.

Anmeldung unter anmeldung@opernbuehneallgaeu.de.