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Viel mehr als nur „Sprecherzieher“

Foto: Archiv

Logopädie ist griechisch und heißt Sprecherziehung. Doch darüber geht die logopädische Arbeit weit hinaus.

Babys mit Saugproblemen, Kitakinder mit Sprechschwierigkeiten, Jugendliche mit beeinträchtigter Mundmotorik, neurologisch kranke Senioren mit Sprachverlust – Die Bandbreite der Menschen, die logopädische Hilfe brauchen, ist groß. Doch zum Glück muss kaum jemand lange auf einen Behandlungsplatz warten, denn in Deutschland arbeiten zahlreiche Logopädinnen und Logopäden; insgesamt knapp 30 000. Viele von ihnen haben eine eigene Praxis, wie zum Beispiel Beatrix Seifried, die vor 20 Jahren in der Nähe von Biberach eine eigene Praxis eröffnet hat. Andere sind in Krankenhäusern und Rehakliniken angestellt, wieder andere arbeiten in Förderschulen. Egal aber, wo sie tätig sind: Bevor Logopädinnen und Logopäden mit der Arbeit beginnen können, brauchen sie eine ärztliche Verordnung, zum Beispiel vom Haus- oder Kinderarzt, vom Kieferorthopäden oder vom Neurologen. Sie ist Voraussetzung jeder logopädischen Behandlung.

Obwohl Beatrix Seifried das gesamte Logopädie-Spektrum anbietet, haben sich bei ihr im Laufe der Jahre vor allem drei Patientengruppen herauskristallisiert: Zum einen ältere Menschen, die nach einem Schlaganfall oder infolge von beispielsweise Parkinson oder Multipler Sklerose neurologische Probleme haben. Sie leiden dann etwa unter Wortfindungsstörungen, stockendem Redefluss oder können nicht mehr schlucken, was ihre Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Ums Schlucken geht es häufig auch bei der nächstgrößeren Patientengruppe, den Teenagern. Sie werden meist von Kieferorthopäden überwiesen, weil sie ein falsches Schluckmuster haben, dabei mit der Zunge gegen die Zähne drücken und deshalb unter Zahnfehlstellungen leiden.

Die größte Patientengruppe aber in Beatrix Seifrieds Praxis bilden drei- bis sechsjährige Kinder mit sogenannten Sprachentwicklungsstörungen. Klassiker sind dabei Ausspracheprobleme wie Lispeln sowie Lautbildungsstörungen, bei denen ein Kind Topf und Tatze sagt statt Kopf und Katze.

Zu den Sprachentwicklungsstörungen gehören außerdem ein zu geringer Wortschatz sowie der sogenannte Dysgrammatismus; dabei werden die Wörter eines Satzes in falscher Reihenfolge platziert. Zum Beispiel „Heute in den Zoo ich will“ statt „Heute will ich in den Zoo“. Sprachentwicklungsstörungen sind nicht nur sehr häufig, sie sind auch meist gut behandelbar. Beatrix Seifried: „Die allermeisten betroffenen Kinder bekomme ich so weit, dass sie nach dem Kindergarten in die Regelschule können.“ Und das mit nur einem Logopädietermin pro Woche? „Nein“, sagt Beatrix Seifried, „viel muss auch bei den Patienten daheim geschehen. Während der Termine erarbeite ich zusammen mit den Patienten Therapieinhalte, die dann zuhause geübt und umgesetzt werden müssen. Dafür bedarf es einer engen Zusammenarbeit mit Eltern und Angehörigen.“

Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen bei Menschen verschiedenster Altersgruppen zu diagnostizieren und zu behandeln, ist eine herausfordernde Aufgabe. Um sie meistern zu können, brauchen Logopädinnen und Logopäden sehr viel Einfühlungsvermögen sowie Sensibilität – und eine fundierte fachliche Ausbildung.

Wer Logopäde Logopädin werden möchte, kann eine Ausbildung machen und eventuell zusätzlich studieren. Der Besuch einer Berufsfachschule dauert drei Jahre, das Studium mit Abschluss Bachelor umfasst – je nach Studienmodell – sechs bis neun Semester. Auch ein Masterstudium ist möglich, die Plätze dafür sind allerdings rar. Neben ihrer diagnostischen und therapeutischen Arbeit engagieren sich Logopädinnen und Logopäden auch für die Vorbeugung. Sie bieten Vorträge und Schulungen an, die zum Beispiel Eltern und Kitapersonal helfen, logopädische Störungen von Kindern frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern. Und sie unterrichten den Logopädie-Nachwuchs an – je nach eigener Ausbildung – Schulen oder Hochschulen. Text: PR