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Im Landratsamt entsteht eine moderne Arbeitswelt

Außenansicht des neuen Erweiterungsbaus in Tuttlingen. Das Landratsamt hat nun deutlich mehr Platz als zuvor. Für die Architektur waren zuständig: Beer Bembé Dellinger Architekten. FOTO: STEFAN MÜLLER-NAUMANN

Im Jahr 2015 stimmten die Mitglieder des Kreistags nicht nur über eine Zusammenführung der Landkreisverwaltung am Hauptsitz Bahnhofstraße 100 ab, sondern bereiteten mit ihrem Votum auch den Weg für eine neue, moderne und zukunftsorientiere Arbeitswelt.

Neben einem offenen Büro- und effizienten Flächenkonzept gehörten ebenso der Ausbau der Digitalisierung sowie die Etablierung neuer Kommunikationslösungen für Mitarbeitende und Bürger dazu. Diese bilden heute das Kernstück neuer Bürowelten und sind aus der Arbeitswelt 4.0 nicht mehr wegzudenken. Aus diesem Grund hat sich die Landkreisverwaltung dazu entschieden, moderne und attraktive Arbeitsplätze zu schaffen, die hybride Arbeitsformen berücksichtigen und innerhalb einer immer digitaler werdenden Arbeitswelt auch langfristig Bestand haben werden. Mit großen Schritten hat die Digitalisierung in den vergangenen Jahren an Fahrt gewonnen und das mobile Arbeiten, zum Beispiel in Form des Homeoffice, hat die Nachfrage nach individuellen Lösungen unter Mitarbeitenden deutlich erhöht.
 

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Heute können in dem viergeschossigen Gebäude über 330 Arbeitsplätze genutzt werden. Gemeinsam mit der Belegschaft wurde in den vergangenen Jahren ein innovatives Büro- und Arbeitskonzept entwickelt, das den Dienstleistungsgedanken der Verwaltung gegenüber den Bürgern und gegenüber den Gemeinden prägen und den Dialog fördern soll.


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Alle Arbeitsplätze sind auf drei Ebenen untergebracht und befinden sich, nach Ämtern getrennt, auf großen Büroflächen verteilt. Diese werden durch die Anordnung der Möblierung sowie Alkoven und Besprechungstische strukturiert. Sogenannte Konferenz- und Fokusräume stehen für Besprechungen und konzentrierteres Arbeiten zur Verfügung. Ein großer, modular angelegter Konferenzbereich ermöglicht Veranstaltungen mit bis zu 90 Besuchern (inklusive Tische und Bestuhlung).

Der Raumkonzeption liegt die Idee einer Trennung zwischen Front- und Backoffice zugrunde: Einheitlich gestaltete Servicepoints in allen Ämtern als erste Anlaufstelle für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein Großraum-Arbeitsbereich, der Rückzugsmöglichkeiten für Mitarbeitende und Teambesprechungen bietet.

Die weitläufigen Innenräume des Erweiterungsbaus sind von Licht durchflutet. FOTO: STEFAN MÜLLER-NAUMANN
Die weitläufigen Innenräume des Erweiterungsbaus sind von Licht durchflutet. FOTO: STEFAN MÜLLER-NAUMANN

Im Besonderen bei der konkreten Ausgestaltung der jeweiligen Arbeitsbereiche hatten die Ämter Gestaltungsspielräume, um die jeweilige Arbeitssituation den spezifischen Anforderungen anzupassen. Das Herzstück des neuen Bürokomplexes bilden die Atrien in Kombination mit dem Innenhof. Das Atrium besticht durch seine Offenheit – wirkt transparent und einladend.

Die in großen, weißen Lettern angebrachten Amtsbezeichnungen fügen sich in Kombination mit dem Beleuchtungskonzept wie eigenständige Kunstwerke harmonisch in das Gesamtbild ein. Wer das Landratsamt über den Haupteingang erreichen möchte, kommt nicht umhin den Innenhof zu passieren, der durch die beiden unterschiedlichen und miteinander verbundenen Gebäudeteile nun einen innerstädtischen Raum für Begegnung schafft.

Die Planung fußt auf dem Klimaschutzkonzept des Landkreises und erfüllt die EnEV 2016. Besonderen Wert legte der Bauherr auf ein sinnvolles Heizsystem und entschied sich für die Betonkernaktivierung mit Wärmepumpe in Verbindung mit der bereits bestehenden Heizzentrale. In Planung ist, dass der Strom in Teilen über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bestandsgebäudes gewonnen wird. Das nun fertiggestellte Gebäude setzt architektonisch einmalige Akzente und das Quartier des Landratsamtes konnte geschlossen werden. 

Daten und Fakten

Ökologie
• Planung entspricht dem Klimaschutzkonzept des Landkreises
• Erfüllt die EnEV 2016
• Betonkernaktivierung zusammen mit einer Wärmepumpe als Heizsystem in Verbindung mit der Heizzentrale im Bestand
• Stromerzeugung über eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Bestandsbaus oder Neubaus wird derzeit geprüft
• Dezentrale Warmwasseraufbereitung

Kosten für das Gebäude
• 35 Millionen Euro gebilligte Kosten
• voraussichtlicher Abrechnungsstand 37 Millionen Euro

Beauftragte Firmen
• 32 Firmen
• Zeitweise waren 60 Arbeiter gleichzeitig auf der Baustelle

Bauvolumen
• Grundfläche 2.278 Quadratmeter
• Rauminhalt 41.427 Kubikmeter
• 330 Arbeitsplätze
• Von 10.225 Quadratmetern Baugrundfläche auf 9.429 Quadratmeter Baugrundfläche im Entwurfsprozess verkleinert

Material
• 8.500 Meter Leerrohre Betonbau
• 150.000 Meter Kabel, Leitungen
• 1.250 Beleuchtungskörper
• 3.000 Meter Leuchtenprofile