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Tödlicher Messerangriff am Ravensburger Bahnhof: Brutale Tat ohne Zeugen

Raubmord erschütterte zu Jahresbeginn die Region

Blumen und Kerzen vor dem Ravensburger Bahnhof drückten die Trauer um die ermordete Frau aus. FOTO: LENA MÜSSIGMANN

RAVENSBURG - Die Tat war in ihrer Kaltblütigkeit für Ravensburg einmalig und hat Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus schockiert und betroffen gemacht: Eine Frau ist am Ravensburger Bahnhof mit einem Küchenmesser erstochen worden, als sie auf dem Heimweg von der Arbeit war. Als mutmaßliche Täterin gilt ein bei der Tat am 9. Februar 15-jähriges Mädchen. Die Jugendliche war bereits wegen Raubes vorbestraft. Und obwohl ihr Anwalt später von ihrer Reue berichtete, wurde sie vom Gericht als nachhaltig gefährlich eingeschätzt. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig (Stand: 6. Dezember).

Die mutmaßliche Täterin hatte ihr Opfer noch nie gesehen, als sie auf ihrem Raubzug mit dem Messer zustach, um an den Inhalt der Handtasche der Frau zu kommen. Die 62-Jährige starb noch am Tatort.

Für die Kriminalpolizei war die Konstellation denkbar schlecht: Das Land lag im Corona-Lockdown mit nächtlicher Ausgangssperre, für die Tat gab es keine Zeugen. Eine private Überwachungskamera im Bahnhofsumfeld zeigte jedoch, wie ein Mädchen vor und nach der Tat dort zu sehen war. Ein Polizist, der schon einmal mit der Jugendlichen zu tun hatte, die nur drei Wochen zuvor aus der Haft entlassen worden war, hatte wohl das richtige Gespür, als er den Verdacht auf sie lenkte. Einen Tag später wurde sie festgenommen.

Der Prozess gegen die Jugendliche fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Urteil spricht aber Bände: Die Richter verurteilten das inzwischen 16-jährige Mädchen zu neun Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt – mit möglicher anschließender Sicherungsverwahrung, was für die Einschätzung der Richter spricht, dass von ihr auch langfristig eine Gefahr ausgehen könnte.

Nach der Tat kam zum wiederholten Mal die Diskussion auf, ob der Bahnhofsvorplatz nicht videoüberwacht werden könne. Doch getan hat sich nichts – Ravensburg gilt nicht als Schwerpunkt für Kriminalität, was Voraussetzung für die Überwachung wäre. Die Polizei aber verstärkte ihre Präsenz am Bahnhof und stellte bei Kontrollen von 5000 Personen und 1400 Fahrzeugen bis zum Herbst 34 Straftaten fest.

Zu Jahresbeginn geschahen noch zwei weitere tödliche Messerangriffe in der Region. In Weingarten soll Ende Januar ein damals 17-Jähriger einen 37-Jährigen im Streit erstochen haben. Auch in diesem Fall ist das Urteil (acht Jahre Haft) noch nicht rechtskräftig. In der Ravensburger Ortschaft Bavendorf starb im Februar ein 52-jähriger Mann, der von seinem Mitbewohner und Kollegen angegriffen worden war. Der Täter wurde wegen Totschlags zu einer Haftstrafe von von neun Jahren und sechs Monaten verurteilt. Lena Müssigmann

Gelbe Tonne löst Sondermodell ab


RAVENSBURG - Die Haushalte im Kreis haben Ende des Jahres die Gelbe Tonne bekommen. Damit endet die seit 1993 geltende Sonderregelung, wonach jeder selbst seinen Verpackungsmüll zu den Sammelstellen bringen musste. Ab Januar holt die Müllabfuhr das Verpackungsmaterial direkt vor der Haustüre ab. Dafür hat sich der Kreistag im März entscheiden. Zuvor war engagiert über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme diskutiert worden, ein Drittel der Kreisräte stimmte dagegen. Die Gegner befürchten, dass in der Tonne auch Müll entsorgt wird, der eigentlich gar nicht hineingehört. (len)


Gespinstmarkt ist jetzt autofrei


RAVENSBURG - Im Oktober war der neue, nun autofreie Gespinstmarkt im Herzen der Ravensburger Altstadt endlich fertig. 1,8 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Doch die Begeisterung der Bürger hielt sich in Grenzen: Viele monierten die niedrigen Bänke um die wenigen Bäume. Auch für die Handvoll am offengelegten Stadtbach platzierten Stahlhocker hagelte es Kritik: Sie seien zu kühl und zu unbequem, hieß es immer wieder. Die Stadtverwaltung, die mit der Umgestaltung eigentlich für mehr Aufenthaltsqualität sorgen wollte, hat versprochen, auf dem 2000 Quadratmeter großen Platz nachzubessern – und will für etwas mehr Grün und gemütlichere Sitzgelegenheiten sorgen. (rut)