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Kreis Ravensburg: Im Würgegriff des Coronavirus im zweiten Pandemie-Jahr

Das zweite Pandemie-Jahr endet so traurig, wie es angefangen hat

Das Coronavirus hat Ravensburg weiter fest im Griff. FOTO: DPA

AVENSBURG - Das zweite Jahr der Corona-Pandemie in Ravensburg endet so traurig, wie es begonnen hat. Mit vielen Toten. Und Kollateralschäden durch den Lockdown beziehungsweise die Vorsicht vieler Menschen, die sich angesichts großer Ansteckungsgefahr nicht mehr recht in Handel und Gastronomie trauen.

Anfang Januar ist die Lage besonders schlimm. Die Krankenhäuser der Oberschwabenklinik (OSK) verzeichnen vor allem in Wangen und Ravensburg Höchstzahlen an Patienten. Mehr als 100 Covid-Kranke müssen um Dreikönig herum gleichzeitig versorgt werden. Die meisten sterben aber nicht auf den Intensivstationen der OSK, sondern in einigen Alters- und Pflegeheimen, in denen das Virus wütet. Kaum eine Stadt oder größere Gemeinde bleibt verschont. Im zweiten Pandemiejahr sterben im Kreis Ravensburg mehr als doppelt so viele Menschen an Covid-19 wie 2020, ein Ende ist leider noch nicht in Sicht.

Bauhaus

Bis Mai ruht das öffentliche Leben weitestgehend. Keine Fasnet, keine Volksfeste, keine Konzerte, Theateraufführungen, Kunstausstellungen – viele Geschäfte müssen ebenfalls geschlossen bleiben, die Gastronomie mit am längsten. Im Frühjahr dann vorsichtige Entspannung und Modellversuche. Etwa die Öffnung von zwei Ravensburger Diskotheken für Geimpfte, Genesene und Getestete. Zunächst ist die Freude groß, dass dabei nichts passiert. Doch kurz nach Ende der Modellphase kommt es dann doch zu einem Ausbruch in einem der Clubs, woraufhin mehr als 300 junge Menschen in Quarantäne müssen. Das Virus lässt sich am Ende nicht austricksen von ein paar Hygienemaßnahmen.

Obschon dann mit der besseren Verfügbarkeit an Impfstoffen, die Anfang des Jahres noch rar waren und Verteilungskämpfe auslösten, die Hoffnung auf eine rasche Rückkehr in die Normalität genährt wird. Im Kreisimpfzentrum an der Oberschwabenhalle und vor allem in zahlreichen Hausarztpraxen holen sich die Menschen den erlösenden Piks. Nach der zweiten Impfung wähnen sich viele in Sicherheit, legen teilweise sogar in Innenräumen die Masken ab. Dabei warnen schon im Sommer Experten davor, dass der Schutz nicht so perfekt ist wie erhofft. Zwar sei die Gefahr schwerer Erkrankungen weiterhin stark verringert, vor Infektion schützen die Impfstoffe aber nur unzulänglich, sodass sich das Virus wieder stärker ausbreitet, auch unter Geimpften.

Und von denen gibt es weniger als gedacht. Oberschwaben als Hochburg von selbsternannten Querdenkern, Reichsbürgern und Esoterikern liegt oft vorn im unrühmlichen Ranking der landesweiten Sieben-TagesInzidenz. Ab November werden verschärfte Regeln eingeführt: 2G erst in Gastronomie, dann im Einzelhandel. Das wiederum bedeutet ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft einen herben Schlag für Geschäftsinhaber und Wirte. Weihnachtsfeiern von Betrieben werden reihenweise abgesagt, der Christkindlesmarkt ebenfalls. Und während die Clubs wieder landesweit schließen, erleiden viele ein alptraumhaftes Déjavu. Die Booster-Impfung, die jetzt als Rettung vor dem Impfdurchbruch schützen soll, ist nämlich gar nicht so leicht zu bekommen. Termine bei Hausärzten sind teils auf zwei oder drei Monate ausgebucht, vor hektisch eingerichteten neuen Impfstellen bilden sich lange Schlangen. Das Jahr endet so traurig, wie es begonnen hat. Annette Vincenz

Krise kann der Stadtkasse nichts anhaben


RAVENSBURG - Positive Überraschung im zweiten Pandemie-Jahr: Die wegen der Corona-Krise befürchtete Ebbe in der Ravensburger Stadtkasse ist ausgeblieben. Der erwartete Rückgang der Gewerbesteuer trat nicht ein. Weil die Unternehmen in der Stadt zum Teil aus Vor-Corona-Zeit Nachzahlungen zu leisten hatten und die Pandemie nicht überall negative Auswirkungen aufs Geschäft hatte, nahm die Stadt 50 Millionen Euro ein. Das waren sogar zwei Millionen mehr als die Stadt ohne Pandemie erwartet hätte. Die beschlossene Kürzungen, zum Beispiel bei der Vereinsförderung, hat der Gemeinderat daher wieder zurückgenommen. Auch die Aussichten sind nicht schlecht: Für 2021 rechnet die Stadt einer Gewerbesteuer von über 70 Millionen Euro. (len)


Aktivisten fordern mehr Klimaschutz


RAVENSBURG - Das neue Jahr begann, wie das alte endete: mit einer Baumbesetzung. Kurz nachdem die Polizei das Lager von Klimaaktivisten in der Ravensburger Schussenstraße geräumt hatte, besetzten sie eine Baumkrone in der Karlstraße. Mit diesen Protestaktion sollte darauf hingewiesen werden, dass nach Ansicht der Aktivisten weder die Stadt noch der Landkreis Ravensburg ihren Verpflichtungen nachkommen, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, um die Erderwärmung zu stoppen. (bua)


In Taldorf steht ein Holzphallus


RAVENSBURG - Plötzlich stand er da wie eine Eins: Zwischen Taldorf und Hütten, an einem Wanderweg, tauchte im April eine Skulptur aus Holz auf, die einem Phallus verdächtig ähnlich sah. Zwischendurch war der Penis weg, dann wurde er an demselben Platz wieder errichtet. Wer die Sehenswürdigkeit besichtigen will, kann ins Google-Suchfenster „Holzphallus Taldorf“ eingeben und schon wird der Standort angezeigt. Nach wie vor ist vieles im Zusammenhang mit dieser Aktion ungeklärt: Welcher Holzkünstler fabrizierte den rund zwei Meter hohen Penis, warum stellte er ihn auf, warum gerade da, weshalb verschwand die Skulptur nach einer Woche, warum war sie plötzlich wieder vor Ort? (bua)


Kultur lief nur auf Sparflamme


RAVENSBURG - Für die Kultur war’s ein hartes Jahr: In der Oberschwabenhalle ging nichts, dort war das Kreisimpfzentrum untergebracht. Doch auch in Konzerthaus, Zehntscheuer oder Theater gab es coronabedingt Pausen: So nahm die Ravensburger Spielzeit erst im Herbst 2021 wieder ihren Betrieb auf, unter reduzierter Auslastung. Die Zehntscheuer war bis Juni dicht – und hat wegen mauer Ticketverkäufe bis Jahresende alle Veranstaltungen abgesagt. Museen und Stadtbücherei durften ab 8. März wieder öffnen, ab 14. Mai zunächst mit 3G, später mit 2G beziehungsweise 2G+. Die Musikschüler konnten ab 14. Juni wieder in den Präsenzunterricht. (rut)