Hier ist der Kunde trotz Coronakrise König

Im Hofladen der Familie Hefele in Unlingen können sich die Kunden mit Lebensmitteln versorgen. Foto: Archiv
Nach der Änderung der Corona-Verordnung dürfen seit Montag Einzelhandelsgeschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern wieder geöffnet sein. Außerdem Kfz-Betriebe und Fahrradgeschäfte unabhängig von ihrer Größe. Die Erleichterung seitens der Geschäftsinhaber ist groß. Ab dem 27. April gilt in Baden-Württemberg beim Einkufen die Maskenpflicht. Die Gastronomiebetriebe dürfen weiterhin nicht in ihren Räumlichkeiten bewirten. Damit ihre Gäste in Zeiten von Corona jedoch nicht auf Köstlichkeiten aus der Restaurantküche verzichten müssen, haben manche Wirte einen Abholservice eingerichtet.

RAUM RIEDLINGEN - Die Riedlinger Gärtnerei Masetti ist werktags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. „Wir haben eine Vielzahl an Gemüsesetzlingen sowie Beetund Balkonpflanzen in großer Auswahl und bienenfreundliche Blumen“, sagt Inhaber Christian Masetti. Das Lädle in der Donaustraße 11 ist dienstags bis samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr geöffnet, dienstags und donnerstags außerdem von 15 bis 18 Uhr. „Wir bieten eigenes, regionales Gemüse an und liefern auch gerne zu den Kunden nach Hause“, sagt Bianca Masetti.
  
Die Familie Hefele, die in Unlingen einen Hofladen betreibt, betont: „Der Frühling lässt sich auch von Corona nicht aufhalten, und das ist sehr gut so. Es ist jetzt wirklich an der Zeit sich zu besinnen warum wir auf der Erde sein dürfen und ob alles nach dem wir streben auch erstrebenswert ist, ob manchmal etwas weniger nicht doch viel mehr sein könnte?“ Die Familie Hefele ist auch in Zeiten von Corona weiter für die Kunden im Hofladen und versorgt sie mit Lebensmitteln und Dingen, die man für das tägliche Lebens benötigt.

Auch der Laden am Biolandhof der Familie Bauschatz in Grüningen ist geöffnet. Familie Bauschatz betont: „Um Ihnen auch in Zeiten von Corona höchstmögliche Hygienestandards zu bieten, werden wir weiterhin unseren Verkaufsvorgang im Laden an die Richtlinien des RKI-Instituts anpassen und auch darüber hinaus weitere Vorkehrungen treffen –unter anderem können deshalb nur zwei Personen gleichzeitig den Hofladen betreten“, erläutert Elisabeth Bauschatz. „Wir tun unser Bestes, jeden Kunden so schnell wie möglich zu bedienen.“ Falls es doch einmal zu einer kleineren Wartezeit kommen sollte, dürfen die Kunden sich gerne auf dem Hof bei den Tieren umschauen.

Wer selbst mal keine Lust oder Zeit zum Kochen hat, kann die Abholservices der heimischen Restaurants nutzen, die derzeit ihren regulären Betrieb mit Verzehr in der Gaststube und im Biergarten noch nicht wieder aufnehmen dürfen. Sergio Treppete von der Pizzeria L'Aragosta in Riedlingen bietet einen Abholservice an. Die Gäste dürfen am Donnerstag von 11.30 bis 13.30 Uhr, am Freitag von 17.30 bis 21 Uhr, am Samstag von 17.30 bis 21 Uhr und am Sonntag von 11.30 bis 13.30 Uhr sowie von 17.30 bis 21 Uhr Speisen zum Abholen bei ihm bestellen. Die Pizzeria nimmt die Bestellungen unter der Telefonnummer 07371/2008 entgegen.

Hildegard Maria Ritter gibt in ihrem Riedlinger KlangWerkRaum auch in Zeiten von Corona Gesangsunterricht. Und zwar Online, per Skype oder Zoom. „Bringen Sie Ihre Stimme in Schwung“, fordert sie alle auf, die gerne singen lernen wollen. „Jetzt 20 Minuten lang kostenlos ausprobieren. Sie erreichen mich unter der Telefonnummer 0177/8895115.“ Per E-Mail ist Hildegard Maria Ritter über das Kontaktformular auf ihrer Webseite unter www.klangwerkraum.de erreichbar.

Miehle Werkzeuge in Riedlingen hat montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags von 8 bis 13 Uhr.

Brigitte und Markus Wahl vom Ertinger Männermodehaus Wahl freuen sich, dass ihr Fachgeschäft seit Montag wieder geöffnet sein darf und sie ihre Kunden in Modefragen persönlich beraten können. Um die Sicherheit ihrer Kunden und Mitarbeiter zu gewährleisten, bitten Wahls für den Besuch des Geschäftes unbedingt einen Termin zu vereinbaren. Kunden können das Ehepaar Wahl unter der Telefonnummer Telefon 07371/95200 oder per WhatsApp an die Nummer 07371/95200 kontaktieren. Kristina Schmidl

IHK-Chef Deinhard: „Die Wirtschaft muss wieder wirtschaften dürfen“

Max-Martin Deinhard, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, wünscht sich, dass die Gastronomie bald wieder öffnen darf. Foto: Schneider
Max-Martin Deinhard, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm, wünscht sich, dass die Gastronomie bald wieder öffnen darf. Foto: Schneider
Max-Martin Deinhard, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm, übt Kritik an der Änderung der Corona-Verordnung. Er sieht dadurch den Wettbewerb verzerrt. Von der Politik fordert er schrittweise Lockerungen und eine Perspektive mit klaren Comeback-Strategien für Wirtschaftsbetriebe.

Herr Deinhard, wie sind Sie mit der Änderung der Corona-Verordnung zufrieden?

Die aktualisierte Corona-Verordnung ist eine bittere Entscheidung für einen großen Teil der Wirtschaft. Nach dem Bekanntwerden der neuen baden- württembergischen Corona-Verordnung am Wochenende ist klar: Für viele Unternehmen des Mittelstands, insbesondere das Gastgewerbe und den großflächigen Einzelhandel, bleibt die Situation in der Pandemie existenzbedrohend und ohne klare Perspektive. Sie alle haben bis auf Weiteres keine Chance, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Ist es sinnvoll, dass kleine Geschäfte und Kfz- bzw- Fahrradgeschäfte wieder geöffnet haben dürfen?

Ja, ich freue mich für jeden Betrieb, der wieder öffnen und wirtschaften darf. Leider kann gemäß der aktuellen Bestimmungen lediglich der Einzelhandel mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmetern öffnen. Zu den Ausnahmen derjenigen, die ebenfalls öffnen dürfen, gehören der Buchhandel und die von Ihnen genannten Kfz-Händler und Fahrradgeschäfte. Unternehmen mit größerer Verkaufsfläche müssen nach wie vor geschlossen bleiben. Wir halten die aktuellen Entscheidungen der Politik für nicht zu Ende gedacht. So entsteht ein Flickenteppich der uneinheitlichen Lösungen. Das schafft Bevorteilte und Benachteiligte und somit Wettbewerbsverzerrungen. Aus Sicht der IHK Ulm wäre es fairer gewesen, die Entscheidung für eine Öffnung nicht an der Verkaufsfläche, sondern über den Faktor Person zu Quadratmeter zu lösen. Unternehmen mit größerer Verkaufsfläche und der komplette Dienstleistungssektor müssen umgehend wieder öffnen dürfen, wenn die Betreiber die nötigen Schutz- und Hygienebedingungen erfüllen.

Die Gastronomie darf einstweilen noch nicht wieder öffnen - bis auf Lieferservices. Wie beurteilen Sie diese Regelung? Bedeutet das das Aus für viele Gastronomen?

Das könnte durchaus bedeuten, dass einige Betriebe diese herausfordernden Zeiten nicht überleben werden. Nach der bereits wochenlang andauernden staatlich verordneten Schließung sind viele Branchen von Insolvenzen bedroht. Insbesondere unsere Gastronomie und Hotellerie benötigt umgehend die Möglichkeit, öffnen zu dürfen. Deshalb fordern wir von der Politik weiter schrittweise Lockerungen und eine Perspektive mit klaren Comeback-Strategien unter Beachtung von Gesundheits- und Hygienemaßnahmen. Intelligente Lösungen zur verantwortungsvollen Umsetzung sukzessiver Öffnungen stehen zur Verfügung wie z. B. Verzicht auf Buffet-Angebote, ausreichend Tischabstände, Gästezahlbegrenzungen, Zugangskontrolle über Online-Ticket-Verkauf und viele weitere Maßnahmen. Auch steuerliche Entlastungen für die gastgewerbliche Branche ab Wiedereröffnung sind dringend geboten. Die Wirtschaft muss wieder wirtschaften dürfen.

Wie viele Anträge auf Sofort-Hilfe sind bei der IHK Ulm bislang eingegangen?

Bis zur Stunde wurden knapp 14.000 Anträge auf Plausibilität geprüft und weitergeleitet.

Was meinen Sie, wie viel Prozent der Betriebe ist durch Corona in ihrer Existenz bedroht?

Die Ausbreitung des Corona-virus stellt Gesellschaft, Wirtschaft und Politik vor neue und in diesem Ausmaß nicht gekannte Herausforderungen. Viele Unternehmen kommen an ihre Belastungsgrenze. Prognosen sind aus heutiger Sicht aufgrund vieler Unwägbarkeiten nicht möglich. Wie hart uns die Krise trifft, hängt auch davon ab, wie jetzt die weiteren Lockerungen aussehen, wie wir die weitere Ausbreitung des Virus in den Griff bekommen und auch, wie sich die europäische und weltweite Gesamtsituation darstellt.

Wie wird sich die Coronakrise auf den Arbeitsmarkt auswirken?

Betroffen sind abhängig Beschäftigte wie Selbstständige: Sowohl die Lohnsumme als auch die Einkommen aus selbstständiger Arbeit und Vermögen dürften in Folge der Krise im laufenden Jahr zurückgehen. Die Zahl der Arbeitslosen und die Zahl der Kurzarbeiter wird sich vermutlich erhöhen. Die Folgen von steigender Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit dürften jedoch durch eingeleitete staatliche Zahlungen gedämpft werden.

Wann wird das Gröbste überstanden sein?

Da sind die Einschätzungen unterschiedlich. Eine Prognose abzugeben ist kaum möglich. Die Kurzarbeit wird dann enden, wenn die Wirtschaft eine klare Perspektive hat und wieder durchstarten kann.

Welche Spätfolgen wird die Krise in der Region haben?

Inwieweit und in welchem Ausmaß sich Spätfolgen ergeben, hängt davon ab, wie sich die wirtschaftliche Situation lokal, national, aber auch im internationalen Kontext weiterentwickelt. Kristina Schmidl

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