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Hochbetrieb in der Gastro-Branche: Aber wer bewirtet die Gäste?

Viele Hotels und Gaststätten finden aktuell kein Personal – weil während der Lockdowns ein großer Teil der Beschäftigten die Branche verlassen hat. FOTO: NGG

Landgasthaus Blume

Supermarktkasse statt Biertheke: Im Zuge der Corona-Pandemie verzeichnen die Hotels und Gaststätten im Kreis Tuttlingen eine dramatische Abwanderung von Fachkräften. Innerhalb von zwölf Monaten haben zwölf Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen.

LANDKREIS - Innerhalb des vergangenen Jahres haben im Landkreis rund 200 Köche, Servicekräfte und Hotelangestellte dem Gastgewerbe den Rücken gekehrt – das ist jeder achte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf jüngste Zahlen der Arbeitsagentur mitteilt.

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„Viele Menschen schätzen es, nach langen Entbehrungen endlich wieder essen zu gehen oder zu reisen. Aber ausgerechnet in der Sommersaison fehlt einem Großteil der Betriebe schlicht das Personal, um die Gäste bewirten zu können“, sagt Claus-Peter Wolf, Geschäftsführer der NGG-Region Baden-Württemberg-Süd. Für die Lage macht der Gewerkschafter insbesondere die Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit und Lockdowns während der Corona-Krise verantwortlich. Sie hätten die Hotel- und Gastro-Beschäftigten dazu gezwungen, sich beruflich umzuorientieren.



Ausgerechnet in der Sommersaison fehlt das Personal.



Nach monatelanger Krise dürfen Gastronomiebetriebe nun endlich wieder öffnen. Mit der Aufhebung der strengen Lockdowns und den sinkenden Inzidenzen ist im Sommer 2021 nun endlich wieder (nahezu) Normalbetrieb möglich. Wirte und Hoteliers haben nun die Chance, die Branche neu aufzustellen. Doch dafür brauchen sie Personal.

Zwar seien viele Firmen nach wie vor schwer durch die Pandemie getroffen, weiß Claus-Peter Wolf. Dank umfassender Finanzhilfen des Staates für angeschlagene Betriebe können sich Hotels und Gaststätten im Rahmen der Überbrückungshilfen in diesem Monat bis zu 60 Prozent der Personalkosten bezuschussen lassen, wenn sie Angestellte aus der Kurzarbeit zurückholen (Restart-Prämie). „Klar ist: Köchinnen, Kellner & Co. freuen sich darauf, endlich wieder Gäste empfangen zu können. Viele arbeiten mit großer Leidenschaft im Service.“

Nicht vergessen, im Gastgewerbe lockt das Trinkgeld. „Viele Gäste sind durchaus bereit, ein paar Cent mehr für die Tasse Kaffee zu bezahlen – gerade jetzt, wo den Menschen bewusst geworden ist, dass der Besuch im Stammlokal ein entscheidendes Stück Lebensqualität ist“, so Claus-Peter Wolf. NGG/SCH

Gut zu wissen

Guter Service ist wichtig. FOTO: CB
Guter Service ist wichtig. FOTO: CB


Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beschäftigte das Hotel- und Gaststättengewerbe im Landkreis Tuttlingen zum Jahreswechsel 1.283 Menschen. Genau ein Jahr zuvor – vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie – waren es noch 1.465. Damit haben innerhalb von zwölf Monaten zwölf Prozent der Beschäftigten die Branche verlassen. Das ist jeder achte Beschäftigte der Branche, wie die Gewerkschaft Nahrung-GenussGaststätten (NGG) mitteilt. NGG