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Friedrichshafen: Mit neuem Schwung in die Innenstadtentwicklung

Feste und Attraktionen bringen Leben in die Innenstadt – wie hier beim Straßenzauberer-Festival mit verkaufsoffenem Sonntag. FOTO: STADTMARKETING FN

Ein guter Branchenmix, eine hohe Aufenthaltsqualität, mehr Grün in der Innenstadt für eine bessere Anpassung an den Klimawandel, eine gute Erreichbarkeit und die Entwicklung hin zu Erlebnis-Innenstadt – wenn es um die Zukunftssicherung für die Innenstädte geht, dann werden diese Aufgabenfelder immer zuerst genannt.

Und genau hier setzen wir in Friedrichshafen mit zahlreichen Maßnahmen an – erst recht aufgrund der Corona-Pandemie und ihre Folgen für Einzelhandel und Gastronomie“, betont Oberbürgermeister Andreas Brand – auch mit Blick auf die im April in Ausschuss und Gemeinderat anstehende Beratung zur Friedrichstraße.

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Mit vielfältigen Maßnahmen setzt die Stadt zudem wichtige Empfehlungen aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept ISEK um, die im fünften Handlungsfeldleitziel von ISEK, „Friedrichshafen – dynamischer Wirtschaftsstandort und Einkaufsstadt am Bodensee mit Flair“ festgelegt worden sind. Den Anfang bei der konkreten Umsetzung der Maßnahmen für mehr Aufenthaltsqualität macht die Aufwertung des Adenauerplatzes.

Hier geht es noch diesen Sommer los: In der Mitte des Platzes wird eine zentrale, grüne Insel mit einem Hain aus Klimabäumen entstehen – barrierefrei und Schatten spendend. Die Umgestaltung des Adenauerplatzes wurde im Gemeinderat am 4. Oktober 2021 beschlossen, inzwischen liegt eine Förderzusage des Bundes über bis zu 657.000 Euro vor.

Weitere Grünmaßnahmen im innerstädtischen Bereich werden folgen und sollen – wie auch der Hain auf dem Adenauerplatz – ein Beitrag zur Aufenthaltsqualität wie auch zur besseren Klimaanpassung sein. „Wir werden Zug um Zug an den geeigneten Standorten in der Innenstadt fürs Mikroklima neue Bäume pflanzen, aber natürlich auch darauf achten, dass der Bestand gut gepflegt wird“, sagt Erster Bürgermeister Fabian Müller, in dessen Dezernat die Verantwortung für das Grün in der Stadt liegt: Im innerstädtischen Bereich wurden nahe dem Zeppelin-Spielobjekt beim Zeppelin Museum, bei der Unterführung am Romanshorner Platz und in der Dammstraße zuletzt insgesamt sieben virusresistente Ulmen gepflanzt.

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Drei weitere Neupflanzungen an zwei verschiedenen Standorten sind aktuell in Planung. Mittelfristig sollen die im Jahr 1995 gepflanzten Magnolien aufgrund ihres schlechten Wuchses durch klimaresistente Zierkirschen ersetzt werden. Außerdem hat das Stadtbauamt in den letzten Jahren laufend die vorhandenen Baumstandorte saniert, um den Bäumen bessere Wuchsbedingungen zu gewährleisten.

Aber nicht nur Grün trägt zur Aufenthaltsqualität bei: Mit dem neuen Gestaltungskonzept für die Innenstadt, das aktuell in der politischen Diskussion ist und nach der Beurteilung durch den Gestaltungsbeirat in den Gemeinderat eingebracht wird, sind nach dem Adenauerplatz auch die weiteren Plätze und deren Gestaltung im Blick.

Weitere Investitionen wie die bereits begonnene Sanierung des Stadtbahnhofes, an der sich die Stadt mit rund 2,85 Millionen Euro beteiligt, sollen ebenfalls der Innenstadt und ihrer Attraktivität, aber auch der Barrierefreiheit und dem Komfort für alle Reisenden zugutekommen: „Der Stadtbahnhof ist wichtiger Stadteingang und Ankunftspunkt für Besucherinnen und Besucher aus nah und fern“, ist sich OB Brand sicher. „Das Bild, das wir hier als Stadt geben, prägt sich ein. Die Sanierung des Stadtbahnhofs ist für uns deshalb eine wichtige und auch lohnenswerte Investition für die positive Entwicklung unserer Stadt.“

Auf der Tagesordnung des Gemeinderats steht im April auch wieder die Friedrichstraße: Die Friedrichstraße war und ist eine der prägenden Straßen im innerstädtischen Verkehr – noch ist sie als Bundesstraße ausgewiesen, eine Umwidmung ist aber vom Regierungspräsidium Tübingen bereits vorgesehen. Der Gemeinderat hatte die Verwaltung im Juni 2021 mit einer temporären Umgestaltung der Friedrichstraße beauftragt, die Planungen werden im April im Ausschuss und im Gemeinderat vorgestellt. Damit werden die Voraussetzungen geschaffen, dass es in der Friedrichstraße weitergeht mit dem Umbau der bisherigen Durchgangsstraße zur Geschäftsstraße mit einem deutlichen Plus an Aufenthaltsqualität. Insbesondere Radfahrer und Fußgänger sollen von der Umgestaltung profitieren, aber auch die Erreichbarkeit der Innenstadt für Autofahrer wurde berücksichtigt. Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat vor, für die Umgestaltung Haushaltsmittel in Höhe von 600.000 Euro für das Haushaltsjahr 2023 einzuplanen.

Für Thomas Goldschmidt, Geschäftsführer der Stadtmarketing Friedrichshafen GmbH ist das Thema Erreichbarkeit eine Daueraufgabe: „Aufgrund der Lage am See wird der Verkehr in Friedrichshafen oft zum Thema, allerdings darf nicht übersehen werden, dass kaum eine Innenstadt in der Region von so vielen Verkehrsmitteln erreicht werden kann: Ob vom See mit Fähre, Schiff und Katamaran, auf der Schiene von Stadt- und Hafenbahnhof aus, mit Stadt- und Regionalbussen – die Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr ist auf vielfältige Art und Weise gesichert.“

Mit der „Grünen Karte“ bietet das Stadtwerk am See zudem zahlreiche Vorteile bei der Mobilität in und nach Friedrichshafen. Außerdem haben Einzelhändler die Möglichkeit, beim Stadtmarketing vergünstigte Gutscheine zu beziehen, die beim Bezahlen der Parkgebühren 50 Cent wert sind. Und auch die dauerhafte Etablierung von Sharing-Angeboten mit E-Scootern oder Pedelecs soll geprüft werden – hierzu ist ein Gemeinderatsbeschluss im Frühjahr in Vorbereitung.

Wenn von Handel und Gastronomie die Rede ist, dauert es meist nicht lange, bis das Wort Leerstand fällt: „Die Frage nach Leerständen wird gerade jetzt oft gestellt und regelmäßig überbetont“, weiß Goldschmidt. „In Friedrichshafen liegt der Leerstand in der Innenstadt derzeit sogar etwas niedriger als noch vor Corona: Im sogenannten zentralen Versorgungsbereich Innenstadt beträgt die Leerstandsquote fünf Prozent, darunter sind aber auch Geschäftsflächen, die durch anstehende Um- und Neubauten momentan gar nicht vermietet werden können.“

Als „normal“ gelten – auch vor Corona – Leerstandsquoten bei Handelsimmobilien bis zu zehn Prozent, da es immer wieder einen Wechsel und Übergangzeiten gibt. Aktuell entsteht als wichtige und architektonische markante private Investition das neue Lukullum an der Kreuzung Friedrichstraße / Olgastraße, das dieses Frühjahr mit Hotel, Gastronomie und Bar eröffnen wird.

Eine wichtige innerstädtische Entwicklungsfläche ist zudem das Zoll-Areal, also der Bereich des ehemaligen Zollgebäudes in der Schanzstraße, das derzeit von der Stadtverwaltung und den Fraktionen genutzt wird. Nachdem der Gemeinderat den Startschuss für das Projekt gegeben hat, ist derzeit ein Architektenwettbewerb in Vorbereitung.

Neben den Planungen und Investitionen gehören aber natürlich auch Veranstaltungen und Events zu einer lebendigen Innenstadt. Hier hat Corona in den vergangenen beiden Jahren alle sogenannten Innenstadt-Erlebnisse stark ausgebremst – jetzt stehen die Veranstalter, zu denen die Stadtverwaltung und das Stadtmarketing selbst auch gehören – in den Startlöchern und haben auch schon mit den Planungen begonnen: Neben den beliebten Klassikern wie Seehasenfest, Interkulturelles Stadtfest, Kulturufer oder Bodensee-Weihnacht sollen auch viele kleine Erlebnisse für eine Belebung der Innenstadt sorgen.

„Natürlich haben wir hier die Entwicklungen in der Ukraine im Blick und können entsprechend reagieren, wenn es notwendig sein sollte. Auch an Spendenaktionen und die Teilhabe von geflüchteten Menschen an den Festen denken wir bereits“, sagt OB Brand.