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„Wir sind bei der Aufgabenerfüllung extrem weit fortgeschritten“


Weil die Gemeinde Ummendorf über gute Rücklagen verfügt, soll aktuell weiter investiert werden. FOTOS: THOMAS STEIB/OH

Die Gemeinde Ummendorf liegt mit ihren mehr als 4 400 Einwohnern in unmittelbarer Nähe zur großen Kreisstadt Biberach. Neben vielen Ausflugszielen wie Schloss, Badesee oder dem abwechslungsreichen gastronomischen Angebot haben Ummendorf und Fischbach auch wirtschaftsstarke Unternehmen und Händler zu bieten. Im Interview erklärt Bürgermeister Klaus B. Reichert, wie seine Gemeinde bisher durch die Pandemie gekommen ist, wie er sich für die Menschen im Hinblick auf Leben, Wohnen und Arbeiten in Zukunft einsetzen will und welche Schäden das Unwetter Anfang des Monats rund um Ummendorf angerichtet hat.

Können Sie schon eine Bilanz der Schäden ziehen, die das Unwetter Anfang Juni rund um Ummendorf angerichtet hat?

Nach Aussage der Freiwilligen Feuerwehr gehen wir von einem Schaden in Höhe von ca. 250 000 Euro aus, aber der Betrag ist geschätzt. Zum Glück wurde, soweit mir bekannt ist, niemand verletzt oder getötet. Für mich sind ohnehin die Überschwemmungen und die damit verbundene Angst der Menschen, dass so etwas wieder passieren könnte, viel wichtiger einzustufen. Es gilt jetzt in aller Offenheit das Thema aufzuarbeiten und in Ruhe Revue passieren zu lassen, wieso nicht früher Maßnahmen ergriffen wurden, um die betroffenen Gebäude zu schützen.

Der Lebensraum vor der eigenen Haustür hat während der Pandemie wieder mehr Bedeutung gewonnen. Welchen Beitrag leistet die Gemeinde Ummendorf, dass dieser Raum im Hinblick auf Leben, Wohnen und Arbeiten attraktiv bleibt?

Die Pandemie hat den Lebensraum vieler Menschen erheblich eingeschränkt. Wir halten uns selbstverständlich komplett an die Vorgaben der Landesregierung und des Gesundheitsamtes. Über die sozialen Medien haben wir unsere Bürgerinnen und Bürger stets über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. Natürlich war für viele Personen eine enorme Einschränkung ihrer Lebensqualität mit den Lockdowns verbunden, die wir nicht ausgleichen konnten. Die Arbeit im Rathaus lief völlig normal weiter, allerdings war der Zutritt nur mit einem Termin möglich. Ansonsten waren wir für alle Belange ansprechbar und der Betrieb lief relativ ungehindert weiter. Zudem haben wir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einem Heimarbeitsplatz ausgestattet. Natürlich gab es Betriebe, die Einschränkungen erfahren haben, aber es obliegt nicht der Gemeinde, hier entgegenzusteuern.

Mitte September soll Baubeginn für das neue Gewerbegebiet Espach IV sein. Können Sie schon sagen, welche Firmen sich dort ansiedeln?

Wie bereits mehrfach berichtet, haben wir im Laufe der Jahre eine Liste mit Interessenten für die Flächen angelegt, die sich zurzeit noch erweitert, ohne dass wir aktiv Werbung betreiben. Im Gemeinderat gibt es hierzu einen klaren Fahrplan. Ich werde im September mit allen Interessenten Kontakt aufnehmen, ob das Interesse noch besteht und den Bedarf nochmals exakt abstimmen. Anschließend werde ich dem Gemeinderat im Oktober die aktualisierte Liste zukommen lassen. Wann der Gemeinderat letztendlich entscheidet, welche Firma zum Zuge kommt, obliegt dem Gremium als Hauptorgan der Gemeinde. Auch werden wir sicher noch die Frage erörtern, ob wir die Flächen überregional ausschreiben.

Zum Kreisimpfzentrum hat Ummendorfs Bürgermeister Klaus B. Reichert bisher nur positive Rückmeldungen bekommen.
Zum Kreisimpfzentrum hat Ummendorfs Bürgermeister Klaus B. Reichert bisher nur positive Rückmeldungen bekommen.

Wie nehmen Sie die aktuelle Stimmung unter Gastronomen, Händlern und Firmen in Ummendorf und Fischbach wahr?

Mein Eindruck ist, dass es für viele Firmen sehr schwer war, über diese Zeit zu kommen. Vor allem den Handel und die Gastronomie hat es hart getroffen, und in Gesprächen wurde immer wieder über die mangelnde staatliche Unterstützung geklagt. Die für unsere Gemeinde zuständigen Bundes- und Landespolitiker haben sich sehr für die Firmen eingesetzt und auch im ein oder anderen Fall Hilfe direkt vermitteln können. Meine Einschätzung ist, dass wir die Auswirkungen der Pandemie, die ja noch keinesfalls überwunden ist, erst zeitversetzt spüren werden.

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf den Haushalt der Gemeinde? Gibt es Projekte, die dadurch vorerst nicht möglich sind?

Natürlich gehen wir davon aus, dass die Pandemie erhebliche Auswirkungen auf die Gemeinde hat. Ich denke dabei weniger an die Gewerbesteuer, sondern eher an unsere Haupteinnahmequelle, die Einkommenssteuer. Wenn weniger Geld im Topf des Landes ist, gibt es auch weniger zu verteilen. Die immensen Ausgaben in Bund und Land zur Bekämpfung der Pandemie wird uns noch sehr lange fordern. Aktuell versuchen wir noch zu investieren, da wir über einen guten Rücklagenbestand verfügen, um uns antizyklisch zu verhalten, sprich jetzt Geld in den Markt zu pumpen, um Aufträge zu generieren. Mit großer Sorge verfolge ich allerdings die Rohstoffknappheit und die daraus resultierende Explosion der Preise auf dem Bausektor. Auch hier ist wieder der Gemeinderat entscheidungsbefugt, Projekte zu schieben oder zu streichen. Das muss man sehr langfristig betrachten. Allerdings und ich wiederhole mich immer wieder: Die Gemeinde Ummendorf ist in der Aufgabenerfüllung extrem weit fortgeschritten. Das heißt natürlich nicht, dass die Arbeit ausgehen wird, aber die großen Investitionen sind momentan getätigt.

Welche Veränderungen hat der Status als Kreisimpfzentrum für Ummendorf mit sich gebracht?

Nun, die Halle stand vorerst für die Vereine nicht zur Verfügung, was aufgrund der Pandemie ohnehin keine Auswirkungen hatte. Wir bekommen immer noch täglich Anrufe von Personen, die einen Impftermin bei uns vereinbaren wollen. Träger des Impfzentrums ist jedoch der Landkreis. Wir sind nur Vermieter. Ansonsten habe ich bislang nur sehr positive Rückmeldungen über das Impfzentrum erhalten und bin dankbar, dass der Gemeinderat sehr schnell reagiert und der Belegung durch den Landkreis zugestimmt hat, wo andere eher verhalten reagiert haben. In so einer Situation, wie wir sie erlebt haben gilt es, solidarisch zusammenzustehen und sich nicht abzuschotten. Wir haben uns auch über viele Besucherinnen und Besucher aus anderen Landkreisen gefreut, die Ummendorf dadurch kennengelernt haben. (mf)