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Kißlegger Radverkehrskonzept: Auf dem Weg zum Fahrradland

Kißlegg will sich mehr auf Radreisende einstellen. Vier der 13 zertifizierten Routen beginnen hier. FOTO: ALEXANDER SAVARINO

Kißlegg ist ein beliebter Zuzugsort mit guter Infrastruktur. Seit einigen Jahren spielt der Tourismus eine zunehmende Rolle - und das Thema Zweirad.

KISSLEGG - Zwei Schlösser, mehrere Seen und Weiher, die Alpen im Blick, so würde ein Kißlegger wohl seinen „Flecken“ beschreiben, wenn er darum gebeten wird. Und der „Flecken“ wächst: 9.000 Menschen leben derzeit in dem Luftkurort; Anfang der 1960er Jahre waren es nur rund 5.800 Einwohner.

Vor allem junge Familien zieht es hierher. Da stellt sich die Frage: Was macht Kißlegg eigentlich so attraktiv? „Ganz einfach, die Mischung macht es“, sagt Dieter Krattenmacher, Bürgermeister der Gemeinde. Während in vielen Städten explodierende Mietpreise den Alltag dominieren, können Grundstücke in Kißlegg vergleichsweise günstig erworben werden. „Mit der Nähe zu den Allgäuer Bergen und dem Bodensee ist Kißlegg aber auch einfach schön“, meint das Gemeindeoberhaupt. „Es gibt viele Weiher und Seen, die im Frühling und Sommer zum Verweilen einladen. Im Winter bietet die Region schöne Winterwanderrouten und Ski-Langlauf-Loipen. Deshalb wird auch das Thema Tourismus und Naherholung in Kißlegg immer wichtiger und gewichtiger.“ So gibt es in der Gemeinde eine breite Palette an Hotels, ob Seminar- oder Tagungshotel, Gasthöfe oder Pensionen. Auch private Ferienwohnung und lokale Gastgeber laden zum Urlaub ein.

Denn zu Erleben gibt es einiges, ob ein Besuch im Neuen Schloss im Zentrum von Kißlegg, im Strandbad, auf dem Familien-Freizeit-Gelände oder an den Mooren entlang wandernd.

Ausbau der Radstrecken

Einen besonderen Fokus legt die Gemeinde aktuell auf das Zweirad. Zum einen steht es in Kißlegg derzeit zur Debatte, die Radsituation mithilfe eines neuen Radverkehrskonzepts sicherer zu gestalten, indem Radwege ausgebaut und besser miteinander verknüpft werden sollen. Zum anderen arbeitet die Kommunen gemeinsam mit dem Zweckverband Tourismus Württembergisches Allgäu daran, besondere Radwege zu etablieren, die zudem ADFC-Zertifiziert werden sollen. Radfahrer können sich auf ein circa 1000 Kilometer umfassendes und digitalisiertes Radwegenetz im gesamten Württembergischen Allgäu freuen: 13 Rundtouren führen durch die Region und bieten endlose Möglichkeiten, in die Pedale zu treten.

Ob gemütliche Rundstrecke oder längere Etappen von Nord nach Süd, in der „RadReiseRegion Naturschatzkammern“ ist vieles möglich. Klangvolle Namen, wie Fürstliche Seen, Bauernland, Schwarzes Gold oder Himmelswiesen geben bereits einen kleinen Vorgeschmack, was auf der jeweiligen Rundtour zu entdecken sein wird. Die mit ansprechenden Piktogrammen auf den Hinweisschildern versehenen Touren, variieren von 30 bis 60 Kilometer Streckenlänge. Kißleggs zentrale Lage im Herzen der „RadReiseRegion“ macht es möglich, gleich vier der 13 Rundtouren in Kißlegg zu beginnen.

Der ADFC stellt in seiner Radreiseanalyse fest: Vor allem Rad-Kurzreisen verzeichnen klare Zuwächse; der Urlaub auf dem Rad differenziert sich deutlich aus und zieht neue Zielgruppen an. „Das Bild der Radtouristen hat sich gewaltig verändert“, sagt ADFC-Tourismusexpertin Louise Böhler. Während vor zehn Jahren vor allem technisch topausgestattete Männer im mittleren Alter auf langen Strecken mit dem Rad unterwegs waren, ist das Bild heute deutlich diverser und auch die Arten der Radreisen sind vielfältiger.

„Es gibt den mehrwöchigen Urlaub auf dem Rad, aber auch Wellness-Reisen mit Fahrrad-Ausflügen, spontane Rad-Kurztrips mit Städtebesuch, Sterntouren mit einer festen Unterkunft oder auch die aktive Auszeit in der Nähe vom Wohnort“, sagt sie. Solche Radtouristen könnten künftig die Kißlegger Gästebranche weiter beleben – und damit den „Flecken“. (MEB)