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„Finanzieren Sie mal 1,5 bis 2 Mio. Euro aus eigenen Mitteln ...“

FV-Vorstand und Sponsor Helmut Locher spricht über das geplante Vereinsheim, Konkurrenten, Flutlicht - und blickt neidisch auf Villingen

FV-Vorstand Helmut Locher (M.) begrüßt bekannte Personlichkeiten im VIP-Zelt - hier Ex-Sportchef und Bauunternehmer Peter Mörth (l.) sowie den Lindauer Schönheitschirurg Prof. Werner Mang (r.). Locher ist mit seinem Unternehmen Cteam selbst einer der großen Sponsoren beim FV. Der Neubau des Vereinsheims hat für ihn die höchste Priorität. Foto: Robin Halle

Was kaum jemand weiß: FV-Vorstand Helmut Locher verrät im Südfinder-Interview, dass das Ravensburger Stadion weitere drei Jahre nach seinem Unternehmen „Cteam“ benannt wird. „Wir haben das Namenssponsoring gerade verlängert“, sagt Locher. Warum der Ummendorfer Unternehmer von der ersten Mannschaft „mehr Leidenschaft“ fordert und warum er Oberliga-Konkurrent FC 08 Villingen beneidet, lesen Sie hier.

■ Herr Locher, auf welchem Platz sehen Sie die erste Mannschaft des FV Ravensburg am Ende der Saison?

Es wird eine Übergangssaison. Realistisch ist Platz 5 bis 10.

■ Welche Vereine erwarten Sie ganz oben?

Freiberg hat sehr viel Geld in die erste Mannschaft investiert. Nach unseren Informationen bekommt dort ein einzelner Spieler mehr Geld im Monat als bei uns die ganze Mannschaft. Freiberg dürfte um Platz 1 mitspielen. Genauso die Stuttgarter Kickers, Göppingen, Villingen, Bissingen und Nöttingen.

■ Das sind alles Mannschaften, die Ravensburg an guten Tagen schon besiegt hat.

Richtig. Aber bei einigen Vereinen haben sich die Rahmenbedingungen deutlich verbessert. Villingen zum Beispiel. Wir waren lange Zeit auf Augenhöhen mit Villingen. Beide Vereine haben ca. 120 Sponsoren. Jetzt hat die Stadt Villingen ca. 2,5 Millionen Euro in die Infrastruktur auf dem Sportgelände investiert. Der Verein FC 08 Villingen konnte seine finanziellen Eigenmittel nutzen, um die sportliche Qualität weiter zu verbessern. Das macht es nicht leichter für uns ...

■ Der FV Ravensburg will ca. 1,5 bis 2 Mio. Euro Eigenmittel in die Hand nehmen, um im Herbst ein neues Vereinsheim inkl. Jugendleistungszentrum zu bauen. Ein finanzieller Zuschuss der Stadt Ravensburgs hat diesbezüglich eher symbolischen Charakter. Kann man sagen, dass der Bau des Vereinsheims in dieser Saison einen Aufstiegsplatz kostet?

Nein. Niemand verbindet die erste Mannschaft mit sogenannten „Kohle-Kickern“. Für uns war Nachhaltigkeit schon immer wichtiger als der schnelle, sportliche Erfolg. In dem neuen Vereinsheim finden die Jugendmannschaften eine neue Heimat. Es wird sechs Kabinen geben, zwei Umkleiden für Schiedsrichter, Besprechungszimmer, Räumlichkeiten für Eltern der Jugendspieler, Betreuer, VIPs und vieles mehr. Wir sind fest davon überzeugt, dass uns dieses Vereinsheim dauerhaft nach vorne bringt. Deshalb haben wir uns bei den Planungen in den vergangenen Jahren auch nicht entmutigen lassen.

■ Was waren die größten Probleme?

(lacht) Finanzieren Sie mal 1,5 bis 2 Millionen Euro aus privaten Mitteln… Letztlich werden ca. 85 Prozent der Investitionssumme von Sponsoren übernommen. Vielleicht 15 Prozent vom Verband bzw. der Stadt. Es waren unzählige Gespräche nötig, um unsere Sponsoren von der Bedeutung des Projekts zu überzeugen. Größe und Ausstattung des Neubaus mussten mehrfach den finanziellen Möglichkeiten angepasst werden. In den vergangenen Monaten ging es um Artenschutz, Brandschutz, Fluchtwege-Konzept und den Nachweis von Parkplätzen. Jetzt müssen wir uns bei der Bauausschreibung darauf einstellen, dass die Rohstoffpreise deutlich gestiegen sind. Da warten erneut Gespräche in den Abendstunden. Das alles im Ehrenamt zu leisten, erfordert schon viel Engagement und Leidenschaft für den FV Ravensburg.

■ Wenn die erste Mannschaft im August dreimal verliert, ist die ganze Euphorie bezüglich des Neubaus verflogen …

Abwarten! Ja, zum Start erwartet uns gleich ein ganz schweres Programm. Wenn es schlecht läuft, sind wir nach vier bis fünf Spielen hinten dran. Andererseits haben wir eine starke Vorbereitung gespielt. Ich war auch im Trainingslager dabei. Die Stimmung und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft sind hervorragend. Ich glaube, dass wir immer Kontakt zu Platz 5 behalten. Allerdings muss sich eine Sache verbessern.

■ Was denn?

Die Mannschaft muss noch mehr Leidenschaft zeigen. Das sagt auch unser Trainer Steffen Wohlfarth. Sportlich, fußballerisch, athletisch und taktisch passt alles soweit. Aber wir brauchen mehr Leidenschaft auf dem Platz. Unsere Fans sollen nach jedem Spiel bilanzieren, dass sich die Mannschaft zerrissen hat. Dann verzeiht man auch Niederlagen.

■ Es war mal angedacht, die Heimspiele am Freitag unter Flutlicht auszutragen. Jetzt spielt ihr meistens Samstags um 14 Uhr. Wieso haben die Flutlichtspiele nicht geklappt?

Das war lange Zeit ein großes Thema. Bei Flutlichtspielen sind ca. 500 Lux vorgeschrieben. Um diese Zahl zu erreichen, hätten wir in die bestehende Flutlichtanlage ca. 100 000 Euro investieren müssen, um die Leuchtmittel auszutauschen. Geraten wurde uns zum Neubau einer Flutlichtanlage für ca. 300 000 Euro. Diese Investition können wir nicht parallel zum Bau des Vereinsheims stemmen. Jetzt schauen wir neidisch auf Villingen, wo 5 bis 6 Abendspiele möglich sind, weil die Stadt eine Flutlichtanlage bezahlt hat. Dort kommen wahrscheinlich mehr Zuschauer und Villingen hat einen weiteren Wettbewerbsvorteil.

■ Sie sind seit zwei Jahren mit Ihrem Unternehmen Cteam der Namenssponsor für das Ravensburger Stadion. Was hat dieses Sponsoring aus Sicht des Unternehmens gebracht?

Unsere Bekanntheit ist im Großraum Ravensburg deutlich gestiegen. Überregional natürlich auch, wenn Vereine aus Stuttgart, dem Schwarzwald oder sogar der FC Bayern nach Ravensburg kommen. Die Partnerschaft mit dem FV ist eine win-win-Situation. Deshalb haben wir das Namenssponsoring gerade bis zur Saison 2023/24 verlängert. Robin Halle