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Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern: Geschäftsmann, Jazzmusiker, Pilot

Familienfoto um 1967 (v. r.): Fürst Friedrich Wilhelm, Fürstin Margarita, Erbprinz Karl Friedrich, Prinz Albrecht und Prinz Ferdinand FOTOS: FÜRSTENHAUS HOHENZOLLERN

Karls Hotel

Das Fürstenhaus verleiht Sigmaringen Strahlkraft, das Hohenzollernschloss und die auf die Fürstenzeit zurückgehenden Residenzgebäude heben die Stadt in den Fürstenstand. Der Chef des Adelshauses, Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern, feiert am Mittwoch, 20. April, seinen 70. Geburtstag.

SIGMARINGEN - Die starke Bindung zwischen Sigmaringen und dem Fürstenhaus ist zuletzt häufiger sichtbar geworden: Jahrelang diskutierte die Stadt über ein Hotel, um den Tourismus anzukurbeln. Als Bootshaus-Betreiber Soufyen Charni seine Hotelpläne an der Donaubühne bekanntmachte, stieg der Fürst kurzerhand ein und baute das 4-Sterne-Haus mit Charni zusammen. Im Marstall machen die beiden Geschäftsmänner ebenfalls gemeinsame Sache und richten derzeit mit der Brauerei Zoller-Hof ein Erlebnislokal samt Zündapp-Museum ein.

Apropos Karlsplatz: Die Idee des Stadtbaumeisters Thomas Exler, die Fürst-Wilhelm-Straße um den Karlsplatz herumzuführen, stieß im Schloss auf offene Ohren. Stadt und Fürstenhaus entwickelten die neue Mitte Sigmaringens gemeinsam und werden in diesem Jahr, wenn der Platz durch die Außengastronomie weiter belebt wird, die Früchte ihrer Arbeit ernten.

 

Zollern

Das Fürstenhaus und Sigmaringen sind unzertrennbar miteinander verbunden. Obwohl Karl Friedrich zu seiner Stadt eine gewisse Distanz hält, gibt es im Jahreslauf Ereignisse, die ihn und Sigmaringen zusammenführen. Wenn am 11. November im Café Seelos die Semerenger Fasnet eröffnet wird, sitzt der Fürst dem Zunftmeister gegenüber und trägt seine Reime zum Stadtgeschehen vor.

Auch wegen der Verbundenheit zum Patron Hohenzollerns ist das Fidelisfest ein weiterer Anker im Jahreslauf. Vor Ausbruch der Pandemie sah man den Fürsten bei der Prozession regelmäßig hinter der Fidelisrelique gehen.

Karl Friedrich von Hohenzollern ist in Sigmaringen aufgewachsen. Bis zur Mittleren Reife ging er ans Staatliche Gymnasium an der Hedinger Straße (heutige Realschule) und absolvierte sein Abitur an einem Schweizer Internat. Nach seiner Bundeswehrzeit an der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen machte der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm von Hohenzollern eine betriebswirtschaftliche Ausbildung, studierte und arbeitete beinahe drei Jahre in den USA. Einige seiner vier Kinder kamen in den USA zur Welt.

1985 kehrte Karl Friedrich zurück nach Sigmaringen und wurde Generalbevollmächtigter in der Fürstlichen Hofkammer. In dieser Zeit musste die in Schwierigkeiten geratene Firma Zollern stabilisiert werden. Das Fürstenhaus hält an dem Unternehmen, das mit rund 2000 Mitarbeitern im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz zwischen 350 und 380 Millionen Euro erwirtschaftete, die Hälfte der Anteile. Der Fürst steht dem Beirat vor.

Die fürstliche Hofkammer, in der die Unternehmen gebündelt sind, verschlankte er. „Ohne diese Umstrukturierungen wären wir nicht mehr überlebensfähig“, sagt das Familienoberhaupt und bezieht sich hauptsächlich auf den Forstbetrieb mit rund 15 000 Hektar Waldfläche, der rund die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet.

Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2010 übernahm er den Fürstentitel und damit die Führung des Adelshauses. Nach den Unterschieden gefragt, sagte er in einem Interview mit der „Schwäbischen Zeitung“: „Ich habe seither eine andere Rolle, ich bin der Eigentümer und ich trage die Verantwortung.“

Der Adelsmann ist ein leidenschaftlicher Jazzmusiker, er hat vor wenigen Jahren zusammen mit seiner zweiten Frau, Fürstin Katharina, den Flugschein für Helikopter erworben, und er schreibt derzeit an seiner Biografie, die im Laufe des Jahres veröffentlicht werden soll.

Wenn an seinem 70. Geburtstag auf Schloss Sigmaringen beide Hohenzollern-Fahnen wehen, wird es keine ausgelassenen Feierlichkeiten geben. „Für ein großes Fest sind die Zeiten momentan nicht die richtigen“, sagt von Hohenzollern. Am Vormittag gibt es einen Empfang, am Abend trifft sich der Fürst mit Familie und Freunden zu einem Essen. Michael Hescheler