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Flutopfer Berichte: Wangener verliert bei Epplingser Flut sein Zuhause

Binnen Minuten läuft die Souterrainwohnung von Florian Schneider mit Wasser voll – Warum er Hilfe braucht   

Diese Souterrainwohnung in der Straße Am Epplingser Bach wurde bei dem Hochwasser am Abend des 15. Juli zerstört. FOTO: PRIVAT/M. PANCHERZ

WANGEN - Starkregen, Überflutungen, vollgelaufene Keller: Das Hochwasser des Epplingser Bachs hat in der vergangenen Woche teils große Schäden in der umliegenden Siedlung angerichtet – vor allem in den Kellern, aber nicht nur. Besonders hart getroffen hat es Florian Schneider. Der 38-Jährige ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag obdachlos geworden und hat einen Großteil seines Hab und Guts verloren, nachdem seine Wohnung geflutet wurde. Dass er in der Souterrainwohnung nicht selbst von den Wasser- und Schlammmassen überrascht wurde, hat er seiner Freundin zu verdanken.

Auch Tage nach den Fluten stehen Anlieger des Epplingser Bachs noch immer fassungslos an der Stelle, wo bis vor gut einer Woche noch ein Steg über das nun im warmen Sonnenlicht wieder beschaulich fließende, scheinbar harmlose Bächlein führte. Die kleine Brücke wurde von den Fluten weggerissen, und nun liegen dort hinter den weiß-roten Absperrbarken nur noch ein paar größere Betonteile, die mit einem Bagger aus dem Bachbett geholt wurden. Das ist gefüllt von jeder Menge abgelagertem Kies und losem Gestein, das vom Berg her mitgeschwemmt wurde.

Rund 100 Meter entfernt, in der Straße Am Epplingser Bach führt eine Einfahrt leicht ansteigend zu einem Wohnhaus hin. Am Haus vorbei führen Treppen hinunter in die kleine Einliegerwohnung. Dort steht Mieter Florian Schneider in penetrant muffigem Geruch in dem leeren Raum, der bis vor wenigen Tagen sein Wohn- und Schlafzimmer war. Er bemüht sich, Worte zu finden für das, was geschehen ist, während das Trocknungsgerät hörbar arbeitet. Der Schock steht ihm noch ins Gesicht geschrieben.

Der Anruf vom Vermieter kam um kurz nach neun Uhr abends. Da saßen er und seine Freundin Manuela Pancherz in deren Wohnung und verfolgten im Fernsehen die Bilder aus den Überflutungsgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Sie hatte ihn überredet, nach der Arbeit zu ihr zu kommen. Eigentlich habe er zu sich fahren wollen, sagt Schneider. „Niemand weiß, was passiert wäre, wenn ich zuhause gewesen wäre und hier im Bett gelegen hätte.“

Die Wassermassen liefen binnen Minuten die Treppe hinab und auch hinter dem Haus entlang. Die stabil wirkende Holzhaustüre zu Schneiders Souterrainwohnung hielt nicht stand, das Wasser drückte in dem Halbkeller-Stockwerk eine weitere Türe auf. Man habe ihr erzählt, das Wasser sei zeitweise bis unter die Decke gestanden, erzählt Pancherz und zeigt auf die schmale Linie, die sich kurz oberhalb des Lichtschalters an der Wand entlang zieht: So hoch stand das Wasser dann letztlich, bis die Feuerwehr es abpumpte.

Das Paar versuchte noch am Abend zur Wohnung zu gelangen, wurde aber zunächst von der Feuerwehr aufgehalten. Die Sorge galt in diesem Moment vor allem auch Schneiders Kater, von dem sie nicht wussten, wo er geblieben war. Am nächsten Tag, dem Freitagmorgen bot sich den beiden ein Bild der Zerstörung in der Wohnung. Das Wasser hatte die Einrichtung durcheinander gewirbelt und im Schlamm zurück gelassen. „Wir haben dann gleich am Morgen alles raus getragen“, berichten sie. Mit Schaufeln brachten sie den Schlamm nach draußen. „Fast alle Nachbarn haben geholfen, das war top“, berichten sie über die Solidarität an diesem Tag, etwa auch von Essen, das vorbeigebracht wurde.

Zu retten war allerdings kaum etwas. Sechs Stühle, drei Wäschekörbe, ein Schrubber, das Plastikkatzenklo, zwei Kartons mit etwas Geschirr. Aber Möbel, Fernseher, Kleidung und persönliche Unterlagen fielen größtenteils den Fluten zum Opfer. Sie hätten versucht, die Kleider zu waschen. „Am Ende haben wir sie doch weggeworfen. Den muffigen Geruch bekommt man nicht raus“, schildert Pancherz. Jetzt versuchen sie, herauszufinden, wo es Unterstützung geben kann, denn eine Versicherung, die einspringt, gibt es nicht. „Was alles weg ist, realisiert man wohl erst später“, sagt Schneider.

Der Verlust des Zuhauses lässt ihn fassungslos zurück. Sie hätten noch nach Hochwasserproblemen gefragt, als er vor einem halben Jahr einzog. Doch so weit oben in der Siedlung und vom Bach entfernt wähnte sich auch Vermieter Klaus Ohmayer sicher, den in der Woche nach dem Hochwasser allerlei Versicherungsfragen zum Haus beschäftigen. Auch seine Eltern Ernst und Centa Ohmayer ein Haus weiter bestätigen, so etwas hätten sie, die sie seit 1954 dort lebten, hier noch nie erlebt. „Wie schnell das gegangen ist“, wundert sich Klaus Ohmayer immer noch.

Das Wasser aus dem nach den heftigen Regenfällen stark angeschwollenen Bach sei von oberhalb die Straße herabgekommen, nachdem sich ein Stück bachaufwärts eine kleine Brücke mit angeschwemmtem Treibgut zugesetzt habe. Der Keller samt Wohnung sei binnen weniger Minuten voll gelaufen. „Der ganze Spuk hat 20 Minuten gedauert, dann war’s rum.“

Florian Schneider ist fürs Erste bei seiner Freundin untergekommen. Wie lange er auf ein neues eigenes Zuhause warten muss, ist derzeit völlig offen. Ohmayers haben angeboten, dass er wieder einziehen kann, wenn die Wohnung grundlegend saniert ist. Ob Schneider so lange warten kann, ist unklar. Denn wie lange die Sanierung dauert, ist heute noch nicht absehbar. Die nächsten Wochen muss zuerst einmal das Mauerwerk trocknen.

Immerhin eine gute Nachricht gab es seit der Hochwassernacht dann aber auch: Schneiders Kater ist nach zwei Tagen wieder aufgetaucht. Paulina Stumm und Bernd Treffler

Der Bericht erschien erstmals am 24. Juli. Wie es Florian Schneider heute geht und wie ihm geholfen werden konnte, lesen Sie in der Heiligabend-Ausgabe.