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Sigmaringer Fidelisjahr: Festwoche beginnt mit einem Vortrag von Ministerpräsident Kretschmann

(v. l.) Landrätin Stefanie Bürkle, Ehrenamtskoordinatorin Christine Brückner sowie die evangelischen Pfarrer Matthias Ströhle und Dorothee Sauer begrüßen den Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain. FOTOS: HESCHELER / WEISSBROD (1)

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Die enge Verzahnung mit der Partnerstadt Feldkirch ist eine Besonderheit des Programms zum Sigmaringer Fidelisjahr 2022. Pater Fidelis, der mit bürgerlichem Namen Markus Roy heißt, wurde als feuriger Prediger der Gegenreformation am 24. April 1622 in Seewis/Graubünden von Calvinisten erschlagen. Papst Benedikt XIV. sprach ihn 1746 heilig. Der 400. Jahrestag seines Märtyrertodes ist der Anlass für die Feierlichkeiten. Geboren und aufgewachsen ist Markus Roy in Sigmaringen, weshalb der Heilige auch Fidelis von Sigmaringen genannt wird.

Ein Leuchter der Versöhnung: Der Sigmaringer Pfarrer Ekkehard Baumgartner (l.) und Andreas Anderfuhren von der reformierten Gemeinde Seewis gehen aufeinander zu. 
Ein Leuchter der Versöhnung: Der Sigmaringer Pfarrer Ekkehard Baumgartner (l.) und Andreas Anderfuhren von der reformierten Gemeinde Seewis gehen aufeinander zu. 

Bei der Ausarbeitung des Programms haben der Sigmaringer Pfarrer Ekkehard Baumgartner und Pastoralreferent Hermann Brodmann darauf geachtet, neben der Feldkircher Partnerstadt die Gemeinde Seewis in Graubünden einzubinden. Den Weg der Versöhnung von Feldkirch nach Seewis sind Vertreter der drei Gemeinden in der Karwoche bereits gegangen. Von einer „wichtigen Geste“ spricht Pastoralreferent Hermann Brodmann, denn Fidelis wollte den Menschen den katholischen Glauben aufzwingen, weshalb sie ihn töteten.

In Sigmaringen selbst hat das Fidelisjahr mit einer Ausstellung im Staatsarchiv, in der Kirche St. Johann und im Fidelishaus begonnen. Verglichen mit der großen Fidelisausstellung vor 25 Jahren, fällt die Neuauflage bewusst kleiner aus. Hier lässt Sigmaringen Feldkirch den Vortritt, die Fidelisstadt in Vorarlberg hat am 21. April eine größere Ausstellung eröffnet. Fidelis war Vorsteher des Feldkircher Kapuzinerklosters, von wo er im April 1622 zusammen mit habsburgischen Truppen nach Graubünden aufbrach.

Die Sigmaringer Ausstellung ist bis zum 29. Mai dienstags bis sonntags, jeweils 10 bis 16.30 Uhr im Gebäude Karlstraße 3 des Staatsarchivs zu sehen. Parallel zur Ausstellung im Staatsarchiv ist das Fidelishaus mit der Fideliskapelle im ersten Stock samstags und sonntags sowie an Feiertagen zu den gleichen Zeiten wie die Ausstellung im Staatsarchiv geöffnet. Die Fidelswiege wird in der Pfarrkirche gezeigt. Der Eintritt zu allen genannten Ausstellungsorten ist frei.

Zu der Ausstellung ist ein Begleitbuch mit Katalog erschienen. Das 139-seitige Werk ist zum Preis von 14 Euro in der Ausstellung erhältlich. Der Vortrag Hermann Brodmanns „Fidelis, Ehre Dir?“ ist in dem Buch zusammengefasst. Zudem schreibt der Historiker Andreas Zekorn über die Jugendzeit Markus Roys in Sigmaringen und der frühere Archivar Otto H. Becker beschreibt die Fidelisverehrung in Hohenzollern.

Das eigentliche Fidelisfest am 24. April wird auf eine ganze Woche ausgedehnt. Die Fidelis-Akademie beschäftigt sich mit dem Beinamen Roys „Anwalt der Armen“. Ministerpräsident Winfried Kretschmann spannt bereits am Samstag, 23. April, ab 17 Uhr, in der Stadthalle Sigmaringen bei freiem Eintritt, mit dem Vortrag „Fidelis: Anwalt der Armen – und heute?“ den Bogen in die heutige Zeit.

Der Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, wird zum Auftakt am Sonntag, 24. April, in der Kirche St. Fidelis predigen, der Feldkircher Bischof Benno Elbs eine Woche später die Fidelisrelique bei der Prozession durch Sigmaringen tragen. Die Verbindung nach Vorarlberg und Graubünden wird auch hier sichtbar. Nach dem Festgottesdienst in St. Johann und der Prozession wird es ein Begegnungsfest auf dem Marktplatz und einen Empfang in der Portugiesischen Galerie des Schlosses geben.

Eine Nacht der Lichter für Jugendliche gibt es am 28. April in St. Fidelis. Pfarrgemeinderatsvorsitzende Anja Sauter sagt: „Wir wollen gute Gastgeber sein und Begegnungen ermöglichen.“ Mehr als 100 Helfer aus allen Gemeinden beteiligen sich. So werden zum Beispiel für die Ausstellung im Staatsarchiv viele Menschen gebraucht. Die Ausstellung ist bis Ende Mai an den Wochenenden komplett ehrenamtlich abgedeckt. Ein Zeichen der Gemeinschaft ist der rote Schal mit einem gestickten Bild des Heiligen Fidelis.

Ein zweitägiges Fidelis-Symposium gibt es in Feldkirch am 22. und 23. September. Digital schaltet sich Sigmaringen zu. Mit diesem Symposium endet das Fidelisjahr. MICHAEL HESCHELER