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Fassnacht Bauingenieure aus Bad Wurzach: „Wir planen nachhaltige Infrastruktur“

Die Freude ist groß: Karl-Josef und Julius Fassnacht (von links) blicken auf 75 Jahre Bestehen zurück. FOTOS: FASSNACHT INGENIEURE

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1946 in Arnach gegründet, blickt Fassnacht Ingenieure heuer auf 75 erfolgreiche Jahre zurück: In etlichen Projekten ist ihre Arbeit sichtbar. Unter anderem war die Firma bei der Erschließung des Center Parcs Allgäu maßgeblich beteiligt sowie bei damals wegweisenden Baugebieten mit dezentraler Regenwasserbewirtschaftung. So setzt das Ingenieurebüro in Sachen Technik immer wieder neue Maßstäbe.

BAD WURZACH - Auf eine angemessene Feier zum 75-Jahr-Jubiläum muss Firmeninhaber Karl-Josef Fassnacht im zweiten Pandemiejahr 2021 verzichten: „Wir hätten unsere Kunden und Geschäftspartner gerne feierlich empfangen und unsere Mitarbeiter zu einem zweitägigen Ausflug eingeladen, wie schon bei unserem 50-jährigen Bestehen“, sagt der Diplomingenieur, der das Büro in der Ziegeleistraße in Arnach bei Bad Wurzach bereits seit 32 Jahren führt.

Dennoch blickt das Unternehmen in diesen Tagen nicht ohne ein wenig Stolz zurück. Was ist das Rezept für 75 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte? „Kontinuierliches Wachstum, innovatives Denken und Handeln sowie das Annehmen von Herausforderungen. Vor allem aber gemeinschaftliches und entschlossenes Vorangehen aller im Unternehmen, aufbauend auf gegenseitigem Respekt, Vertrauen und Einsatzbereitschaft“, resümiert Karl-Josef Fassnacht, dessen Sohn Julius Fassnacht vor vier Jahren in das Familienunternehmen eingestiegen ist, womit dieses bereits in der dritten Generation angelangt ist.

Ein Schulterblick zurück

Die Geschichte des Ingenieurbüros begann, als Karl Fassnacht im Jahr 1946 sein „Ingenieurbüro Karl Fassnacht Wasser- und Wärmetechnische Anlagen“ in der damaligen Schloßstraße in Bad Wurzach gründete. „Mein Vater war vor allem mit der Instandsetzung des Gymnasiums ,Salvatorkolleg’ beschäftigt, war dann aber vorwiegend als beratender und planender Ingenieur für den Bau von Wasserversorgungen tätig“, blickt Fassnacht in die Vergangenheit zurück. „Im Jahr 1949 ist mein Vater in die damals noch eigenständige Gemeinde Arnach umgezogen und seit 1961 sind wir in der Arnacher Ziegeleistraße.“

Seither ist der Hauptsitz bereits mehrfach erweitert, umgebaut und modernisiert worden. „Mit der Gründung einer Niederlassung in Benningen im Landkreis Unterallgäu, welche seit 1963 im Markt Legau ansässig ist, konnten die Kontakte und Geschäftsbeziehungen zu den bayerischen Kommunen intensiviert werden“, führt Fassnacht aus, der im Jahr 1981 in die Firma seines Vaters eingetreten ist und diese 1989 als geschäftsführender Einzelgesellschafter übernommen hat. „Wir sind seither stets gewachsen“, betont der Firmenchef.

Bis heute stellt die Planung kommunaler Infrastruktur einen Schwerpunkt der unternehmerischen Tätigkeit dar insbesondere in den Bereichen Wasserversorgung und Abwasserentsorgung sowie im Straßenbau. Das Themenspektrum, welches das seit 2008 als GmbH geführte Büro mit heute circa 60 Mitarbeitern abdeckt, hat sich im Lauf der Jahrzehnte jedoch beständig erweitert.

Durch Kompetenz zum Erfolg

Der größte Bereich des Unternehmens ist mit der Planung und der Bauabwicklung von Infrastrukturmaßnahmen befasst. Neben der Neuplanung sind auch Maßnahmen an der bestehenden Infrastruktur wichtig, zum Beispiel in der güteschutzzertifizierten Abteilung Kanalsanierung. Solche Projekte erfolgen mittlerweile meist grabenlos mittels Robotertechnik und sogenanntem Schlauchlining. Aber auch Spezialtaucher können erforderlich werden, wie bei einer Sanierung einer Unterwasserleitung im Bodensee.

Zwei wichtige Innovationen im Bereich Infrastruktur wurden durch das Ingenieurbüro im süddeutschen Raum vorangetrieben: 1987/1988 wurde ein neuartiges Konzept zur Abwasserentsorgung mittels Pumpwerks mit Zerkleinerungspumpen und anschließender Schlauchdruckleitung für den Weiler Brugg in Bad Wurzach umgesetzt. Sowohl im Wohnbaugebiet „Reischberghöhe II“ (1995, Stadt Bad Wurzach) als auch beim Bau des „Interkommunalen Gewerbegebiets Geiselharz-Schauwies” (2008, Stadt Wangen und Gemeinde Amtzell) konnte das gesamte anfallende Niederschlagswasser im Baugebiet versickert werden. Hierdurch wird der Grundwasserhaushalt geringstmöglich beeinträchtigt. Das Baugebiet in Bad Wurzach wurde sogar als Modellprojekt in einen Leitfaden des Landes BadenWürttemberg aufgenommen.

Beim ausgezeichneten Projekt am Natura 2000-Schutzgebiet Benninger Ried (2009-2011), ein Kalkquellsumpf- und Kalkquellmoorgebiet, konnte der Schutz der Riednelke erfolgreich mit Verbesserungen in der Siedlungsentwässerung verbunden werden: durch eine Horizontalbohrung wurde das hochanstehende Grundwasser unter den gefährdeten Siedlungsbereichen hindurch zum Ried weggeleitet, um der Riednelke die benötigte Feuchtigkeit zuzuführen.

Neuere Projekte sind beispielsweise die Planung und Bauüberwachung der Infrastruktur sowie umfangreiche Vermessungsleistungen beim Center Parcs Allgäu und die unweit davon umgesetzten Rad- und Gehwegunterführungen bei Haselburg und Herlazhofen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Durch die innovative Bauweise mit Stahlbetonfertigteilen konnte die notwendige Dauer der Straßensperrungen deutlich verkürzt werden.

„Neben dem Bereich Planung, Bau und Sanierung von Infrastruktur, beschäftigen wir uns mit den Themen Umwelt- und Hochwasserschutz, Vermessung und Geoinformationssystemen (GIS)“, erklärt Fassnacht. „Etliche Maßnahmen wurden von uns in unserer Region wie auch zum Beispiel im Stuttgarter Raum erfolgreich abgewickelt.“ Aktuelle Innovationsfelder sind zum Beispiel die Simulation von Hangwasserrisiken (urbane Sturzfluten) und 3D-Visualisierung.

„Seit Jahren dienen unsere Vermessungsdaten als Grundlage für und zur Dokumentation von Bauprojekten“, sagt Fassnacht. „Auch die Datenerhebung mit Hilfe einer Vermessungsdrohne sowie einem 3D-Laserscanner der Wangener Firma Zoller+Fröhlich ist seit vielen Jahren Standard.“ Damit ist Fassnacht Ingenieure längst im Zeitalter der digitalen Technologien angekommen.

Bereit für die Zukunft

„Die Grundlage für unser Geschäftsfeld GIS wurde durch ein Pilotprojekt 2001 mit der Stadt Bad Wurzach gelegt“, erinnert sich der Firmenchef. „Dieses Projekt bestand in der Eigenentwicklung eines webbasierenden GIS zur digitalen Verwaltung kommunaler Bestandsdaten.“ Mittlerweile verwendet Fassnacht Ingenieure die GIS-Technik von RIWA aus Kempten zur Verwaltung vieler Themen von Kanalisation bis hin zu Friedhöfen oder Baumbeständen. Dabei kann seit Jahren auch auf mobile Apps zurückgegriffen werden. „So arbeiten wir ständig an neuen Lösungen“, sagt er. „Die Zukunft stellt unsere kommunalen und privaten Auftraggeber vor herausfordernde Aufgaben. Dem treten wir innovativ, nachhaltig, frisch und zukunftsorientiert entgegen.“