Nervenzehrender Kampf ums Krankenhaus und ein begeisterndes Kunstwerk Image 1

Bad Saulgauer Bürgermeisterin Schröter: Nervenzehrender Kampf ums Krankenhaus und ein begeisterndes Kunstwerk

  

Bürgermeisterin Doris Schröter, Michael Bachhofer von der Kinzelmann-Stiftung, Galerieleiter Andreas Ruess und und der Künstler Norbert Stockhus (v.l.) strahlen bei der Übergabe des zum Stadtjubiläum 2019 bestellten Stadt-Gemäldes in der städtischen Galerie Fähre. Das riesige Bild ist eine Mischung aus realer Stadtansicht und Fantasy-Teilen mit allen möglichen Figuren, die sich im Bild „herumtreiben“. FOTO: FISCHER

Der Kampf ums Bad Saulgauer Krankenhaus dieses Jahr war nicht nur für Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter nervenaufreibend. Da noch keine Entscheidung über die Schließung und, wenn dieser Fall eintritt, ein alternatives medizinisches Versorgungskonzept für die Region gefallen ist, wird sich das bis weit ins Jahr 2022 hinein weiterziehen. Es gab aber auch viel Positives. Die Bad Saulgauer helfen zusammen, wenn’s drauf ankommt, nicht nur bei der Hochwasserkatastrophe. Und: Das Stockhus-Gemälde zum Stadtjubiläum 2019, das dieses Jahr endlich eingetroffen ist, löst Begeisterungsstürme aus.

Was waren aus Ihrer Sicht die drei Highlights 2021 in Bad Saulgau?

Doris Schröter: Es mag vielleicht wie eine Wiederholung klingen: Wirklich beeindruckend war einmal mehr, wie sich die Bad Saulgauerinnen und Bad Saulgauer für ihre Stadt eingesetzt haben. Mir fallen da für 2021 spontan zwei Dinge ein: Die Hochwasserereignisse im Sommer und unser Krankenhausstandort. Unsere Bürgerinnen und Bürger stehen zusammen. Und dass die Bad Saulgauerinnen und Bad Saulgauer es trotz aller coronabedingten Widrigkeiten immer wieder schaffen, beispielsweise in der Fasnet oder beim Bächtle Akzente für unser gesellschaftliches Leben zu setzen, das hat sich in diesem Jahr ebenfalls erneut gezeigt.
 

Autohaus Osswald GmbH

Mir persönlich am Herzen liegt das Thema Nachhaltigkeit. Mich freut es sehr, dass wir in 2021 nochmals Fahrt aufgenommen haben. Wir sind nicht nur offiziell als Fair Trade Town zertifiziert, sondern vor allem als eine von zehn Kommunen Baden-Württembergs für das Projekt „Global Nachhaltige Kommune in Baden-Württemberg“ (GNK) ausgewählt worden. Dieses Modellprojekt ist für uns eine große Chance, weil wir unsere bisherigen Aktivitäten in eine ganzheitliche Strategie einbinden können, die sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der UN orientiert. Ohne die Hilfe, die wir dabei als Modellkommune erhalten, könnten wir das nicht in der Form leisten.

Vielleicht nicht das allerwichtigste Ereignis, aber für mich ein wirkliches Highlight: Unser neues Kunstwerk, das Gemälde von Norbert Stockhus. Wir hatten das Kunstwerk ja 2019 anlässlich des 1200-jährigen Stadtjubiläums in Auftrag gegeben. Jetzt ist es fertig. Und man kann da eigentlich nichts anderes sagen als: „Das Warten hat sich gelohnt“. Wer dieses Werk sieht, ist begeistert, beim ersten Mal, beim zweiten Mal, immer wieder. Jedes Mal gibt es neue, interessante Details zu entdecken. Selbst wenn man keinen Kunstverstand hat: Wer Bad Saulgau kennt, für den ist das Werk einfach unglaublich spannend.

Was wird aus Ihrer Sicht 2022 das wichtigste Ereignis in Bad Saulgau sein?

Gute Frage. Ein sehr wichtiges Projekt, für das 2022 der Startschuss fallen soll, ist der Brückenneubau über die Bahnlinie am südlichen Ortseingang. Vollgas geben müssen wir auch bei unserer neuen Kindertageseinrichtung und dem Neubau der Vierfeldhalle. Die wichtigste Entscheidung 2022 wird aber die über den Krankenhausstandort Bad Saulgau sein. Ich denke, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, dem Förderverein, aber auch der Bad Saulgauer Ärzteschaft haben wir in den vergangenen Monaten sehr deutlich gemacht, wie wichtig das Krankenhaus ist – und zwar nicht nur für Bad Saulgau, sondern für die Versorgung des gesamten Mittelbereichs. Der Kreistag hat deshalb bekanntlich ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse werden in Kürze vorliegen. Wir hoffen sehr, dass wir mit dem neuen Gutachten eine Grundlage dafür bekommen, den Erhalt des Krankenhausstandortes Bad Saulgau mit weiteren Argumenten zu unterfüttern.

Wir benötigen aber auch einen Plan B für den Fall, dass das Zweitgutachten ebenfalls nicht zu dem Ergebnis kommt, dass der Krankenhausstandort Bad Saulgau erhalten werden kann. Genau dieser völlige Mangel an Perspektiven und Alternativen war ja auch einer der Hauptkritikpunkte an dem ursprünglichen Gutachten. Es darf nicht sein, dass Bad Saulgau und die gesamte Raumschaft im „Dreilandkreiseck“ Sigmaringen-Ravensburg-Biberach von heute auf gestern ohne eine adäquate Gesundheitsinfrastruktur dasteht. Und adäquat bedeutet für mich mehr als nur eine Alibilösung. Wie ein solcher Plan B aussehen könnte, darüber werden wir uns mit unserer Bevölkerung, mit unserer Ärzteschaft, abstimmen – aber auch SRH und den Landkreis nicht nur mit ins Boot, sondern auch in die Pflicht nehmen.

Corona hat uns zum Jahresende erneut im Griff. Müssen wieder Weihnachts- und Neujahrsaktionen ausfallen? Oder kann mehr stattfinden als vergangenes Jahr?

So bitter das ist: In gewohntem Rahmen können diese Großveranstaltungen nicht stattfinden. Unser Weihnachtsdorf haben wir ja bereits abgesagt und zum Glück auch von vornherein kleiner geplant. Mit dem Alternativkonzept für die Adventswochenenden ist zumindest etwas „Weihnachten“ in der Innenstadt möglich. Den Neujahrsempfang haben wir auch bereits aus dem Veranstaltungskalender gestrichen. Dass wir hier angesichts der aktuellen Entwicklung auch nichts erzwingen werden, halte ich für selbstverständlich.

Was passiert nächstes Jahr mit der Fasnet, in welchem Umfang wird sie stattfinden können?

Ich befürchte, nicht im gewohnten Umfang. Was möglich sein wird und was nicht, ist sehr schwer zu sagen. Ich bin mir aber sicher, dass die Dorauszunft und die anderen Narrenvereinigungen Konzepte mit Augenmaß ausarbeiten, um die „Fünfte Jahreszeit“ coronakonform feiern zu können.