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Neuwahlen in Weingarten: Oberbürgermeister Ewald tritt zurück

Das Stadtoberhaupt legt sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder

Weingartens Oberbürgermeister Markus Ewald tritt aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurück. FOTO: DPA/KÄSTLE

WEINGARTEN - Für die größte Überraschung in Weingarten im vergangenen Jahr 2021 sorgte Oberbürgermeister Markus Ewald persönlich. Mitte September kündigte er in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderates seinen Rücktritt an. Sichtlich bewegt, mit brüchiger Stimme und mit den Tränen kämpfend, erklärte der 57-Jährige eine der schwersten Entscheidungen seines bisherigen Lebens. Die gesundheitlichen Folgen seines lebensbedrohlichen Autounfalls aus dem Dezember 2018 sind einfach zu groß. Es geht nicht mehr.

„Ich kann Ihnen heute versichern, dass ich alles getan habe, um meine Leistungsfähigkeit so gut es unter den gegebenen Umständen möglich war, nach meinem schweren Verkehrsunfall im Dezember 2018 zurückzuerlangen. Allerdings muss ich heute eingestehen, dass es in den vergangenen Monaten immer wieder Momente gab, die mir klar vor Augen geführt haben, dass – wenn ich mich weiter über die Warnsignale meines Körpers hinwegsetze – mein Gesundheitszustand weiter erheblichen Schaden nehmen wird“, sagte Ewald. „Auf dringendem Anraten meiner Ärzte musste ich nun die schwere Entscheidung treffen, Ende Januar 2022 mein Amt als Oberbürgermeister niederzulegen.“

Ewald hatte das Amt im Jahr 2008 von Gerd Gerber übernommen, der nicht mehr kandidiert hatte. Der Diplombetriebswirt erhielt 54,9 Prozent der Stimmen. Im Jahr 2016 wurde er mit 73,5 Prozent der abgegeben Stimmen wiedergewählt. Mitte Dezember 2018 wurde er bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße B30 zwischen Biberach und Ulm lebensbedrohlich verletzt. Drei Wochen später gab es dann die erlösende Nachricht: Markus Ewald befindet sich außer Lebensgefahr. Nach einer langwierigen Reha in Ulm kehrte er im November 2019 in sein Amt zurück. Allerdings sitzt Ewald seit seinem Unfall um Rollstuhl. Auch hatte er seitdem mehr Verantwortung an seinen Stellvertreter Alexander Geiger und seine Fachbereichsleiter abgegeben und weniger Termine als früher wahrgenommen.

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Doch verlangten die vergangenen beiden Jahre der Corona-Pandemie Ewald sehr viel ab – obwohl sie ihm auch die Reduzierung des normalerweise schier erdrückenden Pensum ermöglichten. Perspektivisch könne er das nicht mehr leisten, erklärte er kurz nach der Rücktrittsankündigung im SZ-Interview. Er habe unterschätzt, was ein Rollstuhl mit sich bringe, gerade auch weil es noch weitere körperliche Beeinträchtigungen gibt, die manchmal sehr schmerzhaft sein können. „Ich habe in meinem Leben immer Entscheidungen getroffen, die ich selbst steuern konnte. Da war ich mir bewusst, was auf mich zukommt und konnte selbst bestimmen. Jetzt hat mein Körper für mich entschieden“, sagte der scheidende OB.

Eigentlich wäre seine Amtszeit noch bis Ende des Jahres 2024 gegangen. Wie es nun weitergeht, ist aktuell noch nicht endgültig geklärt. Den offensichtlich ist der formelle und bürokratische Weg offensichtlich deutlich länger, als es Ewald gedacht hatte. Monatelang tauschten sich die Weingartener Stadtverwaltung und das zuständige Regierungspräsidium Tübingen (RP) über diesen doch recht ungewöhnlichen Fall aus und arbeiteten an einer Lösung. Ohne entsprechende Bescheide des RP kann die Verwaltung nicht die nächsten Schritte gehen.

Allerdings arbeitet sie an einem Beschlussvorschlag zur Neuausschreibung der Stelle. Dieser muss dann dem Gemeinderat vorgelegt und von diesem angenommen werden. Darin enthalten: mögliche Wahltermine und denkbare Termine für eine etwaige Kandidatenvorstellung sowie der Wortlaut der Stellenausschreibung. Solange das noch nicht offiziell entschieden ist, steht auch noch nicht fest, wann Weingarten ein neues Stadtoberhaupt bekommt. Aktuell plant die Verwaltung mit der Wahl im April. Da Ewald aber bereits Ende Januar aus dem Amt ausscheiden will, wird Bürgermeister Alexander Geiger in der Interimszeit übernehmen. Oliver Linsenmaier


Ein Totschlag und ein Kopfschuss


WEINGARTEN - Ein 17-Jähriger ersticht im Januar einen 37-Jährigen im Streit in einem Weingartener Studentenwohnheim. Im August schießt eine Frau ihrem Ehemann mit einer Druckluftwaffe in den Kopf. Zwei Taten die Weingarten 2021 erschütterten.

Der Prozess gegen den damals 17- Jährigen fand wegen seiner Minderjährigkeit zum Tatzeitpunkt unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Landgericht verurteilte den Mann wegen Totschlags in Tateinheit mit bewaffneten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge sowie wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Jugendstrafe von acht Jahren. Außerdem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine 52- jährige Frau, weil sie mutmaßlich ihrem Ehemann mit einer Druckluftwaffe in den Kopf geschossen hat. Der Ehemann überlebte die Tat. (rep)


Regenbogenstreifen werden zerstört


WEINGARTEN - Sie sollten als Zeichen für Vielfalt und Toleranz und gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten stehen: Regenbogenstreifen, die im Mai auf dem Boden des Weingartener Stadtgartens angebracht wurden. Doch nur wenige Stunden später zerstörten unbekannte Täter das Symbol einer offenen Gesellschaft. Während die Polizei die Täter nicht ausmachen konnte, löste die Tat eine breite Debatte in der Gesellschaft aus. (olli)