Blumen als lebendige Erinnerung

Ein Friedhofsgärtner berät aus erster Hand zum Thema Grabbepflanzung und Grabgestaltung. Dabei gibt es mehr zu bedenken als man zunächst ahnt. FOTO: GESELLSCHAFT DEUTSCHER FRIEDHOFSGÄRTNER MBH/ CAROLINE SEIDEL
Grabstellen in Familienbesitz werden oft über Jahrzehnte liebevoll gepflegt. Tipps für die Erstbepflanzung

KREIS TUTTLINGEN - Die erste intensive Trauerphase ist vorbei, die wichtigsten Angelegenheiten des Nachlasses sind erledigt. Und die Kränze und Schalen auf dem Grab verblühen langsam. Jetzt gilt es, die Grabstelle erstmals zu bepflanzen. Nur wie geht das am besten? Antworten einer Expertin auf die wichtigsten Fragen.

Wann kann ich ein frisches Grab bepflanzen?

Urnengräber natürlich sofort. Bei Sarg-Bestattungen muss sich erst noch die Erde setzen. Daher empfiehlt Anja Qayyum-Kocks vom Bund Deutscher Friedhofsgärtner sechs Wochen auf jeden Fall zu warten. „Wenn die Kränze und Blumen verwelkt sind, ebnen wir das Grab erst mal ein und geben Pinien-Dekorrinde darauf.“ Der Mulch sieht besser aus als die bloße Erde, alternativ nimmt man schwarze Graberde. „Und dann braucht es einen Starkregen“, sagt Qayyum-Kocks.

Allerdings rät die Expertin, das Grab auch danach noch nicht endgültig anzupflanzen. Alles, was dauerhaft sein soll, müsse zum Grabstein passen. „Und der kommt erst um einiges später auf das Grab“, erklärt sie. Erst dann lässt sich die Blattfarbe der Rahmenbepflanzung oder Bodendecker gut mit der Steinfarbe abstimmen. „Ich finde auch, es ist nicht nötig, das Grab direkt zu bepflanzen. In der Trauer sollte man sich Zeit lassen und Zeit nehmen“, betont die Friedhofsgärtnerin. Während des Winters macht die Bepflanzung ohnehin keinen Sinn, hier lässt sich das Grab mit Reisig und einem Gesteck bedecken.

„In der Trauer sollte man sich Zeit lassen und Zeit nehmen“

Gibt es Vorschriften bei der Grabbepflanzung?

Ja, die Angehörigen müssen in die jeweilige Friedhofsordnung oder -satzung schauen. Darin kann auch stehen, nach welcher Zeit das Grab schon bepflanzt sein muss. „Das ist tatsächlich von Friedhof zu Friedhof unterschiedlich“, sagt Qayyum-Kocks. Außerdem kann die Art der Bepflanzung vorgegeben sein, zum Beispiel dass es eine Hecke als Rahmen geben muss.

Muss ich die Erde aufbereiten?

Das ist von Ort zu Ort verschieden - wie beim Gartenboden auch. Ist der Boden sehr sandig, muss er mit Blumenerde angereichert werden, die das Wasser besser hält. Lehmboden hingegen sollte mit Sand oder Splitt versetzt werden, damit er besser Wasser hindurchlässt, erklärt Qayyum-Kocks. Sie rät bei Unsicherheit, beim ansässigen Friedhofsgärtner nach den Bedingungen vor Ort zu fragen.

Wichtig ist natürlich auch, die Pflanzen entsprechend dem Boden auszuwählen. Ein Beispiel: Ein beliebter Rhododendron braucht einen Boden mit möglichst saurem pH-Wert zwischen 4,5 und 5,5. Die Erde muss dafür oft mit Spezialsubstrat und -dünger aufbereitet werden.

Im Garten lässt sich diese Bodenstruktur auch nur in einer kleinen Ecke nachahmen, die andere Bepflanzung steht woanders. Auf einer kleinen Grabfläche ist das aber nur schwer machbar. Folglich muss hier dann die komplette Bepflanzung auf den Rhododendron und seine Bedürfnisse abgestimmt werden, erklärt die Friedhofsgärtnerin.

Wie kann ich das Grab pflegeleicht halten?

Indem die Fläche zu großen Anteilen mit Bodendeckern bedeckt wird. Sie verhindern, dass Unkraut wächst. Gut sind grundsätzlich Stauden auf dem Grab, diese sind meist mehrjährig - man muss sie folglich nicht ständig austauschen. Oder man bedeckt die offenen Bodenstellen mit Rindenmulch oder Kies. Natürlich verringern auch Liegesteine oder abdeckende Steinplatten den Aufwand des Gärtners. Sie sind aber nicht auf jedem Friedhof erlaubt, weil Teile des Friedhofs auf diese Weise versiegelt werden und Regenwasser schlechter versickern kann, erklärt die Aeternitas. Auch das steht in der örtlichen Friedhofssatzung.
   

Programm

Der „Tag des Friedhofs“ findet in diesem Jahr am Wochenende 21./22. September statt. 2019 steht der bundesweit stattfindende Tag unter dem Motto „Der Friedhof: Leben-Lachen-Freude".

Alle Informationen auf www.bund-deutscher-friedhofsgaertner.de oder www.tag-des-friedhofs.de

Die Stadt Tuttlingen beteiligt sich am Tag des Friedhofs mit zwei Führungen. Sie finden allerdings erst am Samstag, 28. September, statt.

Die erste Führung (9.30 bis etwa 10.30 Uhr) stellt das seit 2014 zertifizierte Krematorium mit seiner modernen Technik vor. Treffpunkt: Aussegnungshalle, Albert-Schweitzer-Str. 4.

Die zweite Führung findet ab 10.30 Uhr auf dem Friedhofsgelände statt (Treffpunkt: ebenfalls an der Aussegnungshalle, Dauer ca. zwei Stunden). Dabei geht es um die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten und Grab-Arten, aber auch um den „Garten der Erinnerung“. Die Mitarbeiter schildern aber auch, welche Formalitäten eine Grabstätte mit sich bringt.

Keine Teilnahmegebühr; um Anmeldung wird gebeten im Büro der städtischen Friedhofsverwaltung, Tel. 07461 / 12 460. Eine Teilnahme an beiden Führungen ist natürlich möglich.
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