Ausbildung als Grundstein zur Karriere

Auch das Baugewerbe ist auf der Suche nach motivierten Auszubildenden. FOTO: PICASA
Eine duale Ausbildung ist ein guter Start für eine Karriere und eine solide Basis für mehr. 

LAUPHEIM/BIBERACH - Wer eine Ausbildung erfolgreich abschließt, hat den ersten Schritt für die berufliche Karriere gemacht. Die Ausbildung besteht aus einem Mix praktischer Phasen im Ausbildungsbetrieb und theoretischer Phasen in der Berufsschule. Es ist also Abwechslung angesagt, und am Ende winkt ein Abschluss, der die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigert.

Damit ist die Karriereleiter aber noch lange nicht zu Ende. Nach dem Abschluss und ersten berufspraktischen Erfahrungen kann man sich weiterbilden und höhere Qualifikationsstufen erreichen.

Durch die große Auswahl an unterschiedlichen Ausbildungsberufen haben angehende Azubis die Qual der Wahl. Oftmals kennen sie nur eine Handvoll Ausbildungsberufe und wählen aus diesen aus. Doch wer sich eingehend informiert, entdeckt vielleicht auch einen Traumberuf, der vorher nicht auf der Wunschliste stand.

Junge Menschen sollten sich zunächst fragen: Welcher Bereich interessiert mich? Wie schaut es nach der Ausbildung mit einer Weiterbildung aus? In Industrie, Handel und Gewerbe bieten beispielsweise die Industrie- und Handelskammern (IHK) entsprechende Weiterbildungen an. Und auch im Handwerk gibt es gute Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln.

Jugendliche hätten derzeit sehr gute Chancen auf eine Lehrstelle im Handwerk, sagt Fabian Bacher, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Biberach. „Wer jetzt sucht, der findet auch. Selten waren die Chancen auf einen Ausbildungsvertrag so gut wie jetzt, und bei über 130 verschiedenen Ausbildungsberufen sollte für alle etwas dabei sein“, sagt er. „Unsere Innungs-Fachbetriebe engagieren sich besonders in der Ausbildung. Sie sind voll ausgelastet, und Fachkräfte sind rar.“ Bis Ende September 2019 haben sich 447 junge Menschen im Landkreis Biberach für eine Ausbildung im Handwerk entschieden. Das bedeutet ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr und im sechsten Jahr nacheinander einen Zuwachs.

Dennoch bleiben laut Bacher etliche Lehrstellen unbesetzt. Insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Elektroniker, Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung und Klima, Schreiner, Metallbauer und Feinwerker werde gesucht.

Auch in den Bauberufen, zum Beispiel bei Stuckateuren, Zimmerleuten, Malern oder Raumausstattern, gibt es noch offene Stellen. Ausbildungen zum Kfz-Mechatroniker und zur Friseurin stehen laut Bacher hoch im Kurs.

Fleischer und Bäcker seien in einer besonderen Situation. „Die Mitarbeiter müssen oft zeitig ran, ähnlich wie bei einer Frühschicht in der Industrie.“ Wer sich damit anfreunde, habe aber auch einen Vorteil: „Der Nachmittag ist frei, während andere noch arbeiten.“

Falsch eingeschätzt werde oft der Beruf des Metzgers, so Bacher. „Neben qualitativ hohen Standards bei der Herstellung ist hier auch Kreativität gefragt: Denn Catering oder die Präsentation der Waren werden immer wichtiger.“

Die richtige Zeit, nach einem Ausbildungsplatz zu suchen, ist jetzt: „Die meisten Betriebe haben bereits ihre Fühler ausgestreckt und suchen Auszubildende für das kommende Ausbildungsjahr", erklärt Fabian Bacher. Denn wie in den Vorjahren setze sich der Trend zum frühzeitigen Abschluss von Ausbildungsverträgen fort. Klassischerweise kommen Haupt- und Realschüler, doch inzwischen hätten auch über zwölf Prozent der Azubis ein Gymnasium besucht.

Das Handwerk bilde im Durchschnitt etwa dreimal mehr junge Menschen aus als die sonstige Wirtschaft. „Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hin will“, betont Fabian Bacher. Ob Hauptschule oder Gymnasium, ob gute oder schlechtere Noten, ob in Deutschland geboren oder zugezogen: Es lohne sich, im Handwerk zu schauen.

„Wichtig ist, Motivation und Leistungsbereitschaft zu zeigen. Damit kann man auch schwächere Noten wettmachen!“, so Bacher weiter.

Die Kreishandwerkerschaft setze sich dafür ein, dass auch Jugendliche mit Migrationshintergrund oder mit schwächeren Schulabschlüssen eine Chance erhalten. „Dabei hat sich die Einstiegsqualifizierung besonders bewährt und führt in mehr als zwei Drittel der Maßnahmen direkt zum Abschluss eines Ausbildungsvertrages.“ Schön an einem handwerklichen Beruf findet er: „Abends siehst Du, was Du den Tag über geschafft hast.“

Als weitere gute Gründe für eine Ausbildung im Handwerk nennt Fabian Bacher:

- „Abwechslungsreiche Inhalte, schnell Eigenverantwortung und gestiegene Ausbildungsvergütungen.“
- „Aufstiegsfortbildungen wie Meisterbrief, Techniker oder Betriebswirt sind anerkannte Qualitätssiegel.“
- „Selbstständigkeit oder eine akademische Laufbahn sind möglich.“
- Das Handwerk bietet als wichtige Säule der Wirtschaft sichere Arbeitsplätze.“ son
  

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Abwechslungsreich und praxisnah

Beim Feinwerkmechaniker sind ein gutes Auge und Präzision gefragt. FOTO: HANDWERKSKAMMER ULM
Beim Feinwerkmechaniker sind ein gutes Auge und Präzision gefragt. FOTO: HANDWERKSKAMMER ULM
Auch die Handwerkskammer Ulm beobachtet in den vergangenen Jahren, dass Betriebe deutlich in ihre Attraktivität als Ausbildungsort und Arbeitgeber investieren.

LAUPHEIM/ULM - „Mit Unterstützung der Handwerkskammer haben sich viele Handwerksbetriebe so stärker auf die Belange der Arbeitnehmer und Azubis ausgerichtet und sind offensiv durch Bildungspartnerschaften oder Ausbildungsbotschafter auf den Ausbildungsmarkt gegangen“, sagt Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer bei der Handwerkskammer Ulm.

Diese Anstrengung lohne sich und zahle sich jetzt aus. „Das macht diese Betriebe jetzt wettbewerbsfähiger im Kampf um Fachkräfte und um junge Leute als Auszubildende.“

Tobias Mehlich sieht darin auch den Grund für die erfolgreichere Azubi-Suche vieler Betriebe. „Die Zahlen zeigen: Wer sich bei dem Thema engagiert und investiert, kann erfolgreich sein auf dem Markt der jungen Leute.“

Trotzdem seien weiterhin 943 Ausbildungsplätze in beinahe allen Gewerken noch unbesetzt.

Auch wer kurzentschlossen ist, habe noch gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Insbesondere in der Bau-und Ausbaubranche, der Metall- und Elektrobranche oder im Lebensmittelhandwerk sind in den Betrieben der Regionen noch Lehrstellen offen.

„Für Jugendliche ist das die Chance, doch noch einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, sagt Mehlich. „Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ulm vermitteln gerne. Eine andere Möglichkeit ist, einfach direkt bei einem Handwerksbetrieb nachfragen, ob noch eine Lehrstelle frei ist.“

Die Berufe Zimmerer, Kfz-Mechatroniker, Klempner, Anlagenmechaniker, Elektroniker und Schreiner standen in den vergangenen Jahren hoch im Kurs, weiß Mehlich.

Und warum ist das Handwerk als „krisensichere Branche“ bekannt? „Handwerker sichern unseren Wohlstand: ob Bäcker oder Metzger, die Brille beim Optiker oder der Heizungstechniker, der für das warme Wohnzimmer sorgt“, meint Mehlich. „Beruflich gebildete Fachkräfte sind gesucht. Die Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten sind oft schon besser als bei Akademikern.“

Und er ist überzeugt: „Im Handwerk kann man seine Interessen und Talente zum Beruf machen. Man kann sein eigenes Profil entwickeln, ist nicht nur Arbeitskraft, sondern wird Teil des Betriebs. Wer möchte, kann Führungskraft werden.“

Vom „Technik-Freak" bis hin zum kunsthandwerklich Interessierten finde jeder das Passende.

Die duale Ausbildung findet im Betrieb und in der Berufsschule statt. Das sieht Mehlich als großen Vorteil: „Die Ausbildung ist abwechslungsreich und praxisnah. Man verdient schon während der Ausbildung sein eigenes Geld.“

Zudem gäbe es nach einer abgeschlossenen Berufsaufbildung etliche Weiterbildungsmöglichkeiten.

„Eine duale Ausbildung im Handwerk endet mit dem Gesellenbrief. Mit dem Meisterbrief kann man fachlich noch eine Schippe drauflegen. Egal, ob man später eine leitende Position im Betrieb übernimmt oder junge Menschen ausbilden möchte. Wer sich selbständig machen möchte, muss nicht unbedingt neu gründen. Er kann auch einen laufenden Betrieb übernehmen – und dessen Kunden.“

Wer sich für eine Ausbildung im Handwerk interessiert, sollte Geschicklichkeit und Köpfchen mitbringen, so Mehlich. „Dafür bietet es einen sicheren Arbeitsplatz, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.“

Zudem biete sich eine Chance, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, und die Möglichkeit sein eigener Chef zu werden, ist der Experte von der Handwerkskammer überzeugt.

„Außerdem hört man nie auf zu lernen, und somit wird es auch nie langweilig.“ son

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