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Ein Ort des „Lernens in Gemeinschaft“

In der neu installierten „Blackbox“ können Präsentationen durchgeführt werden. Auch sind hier kleine Ausstellungen und Veranstaltungen wie Filmvorführungen möglich. FOTOS: LAURA EGGER

Das kann sich sehen lassen: Die Hochschule Biberach hat einen neuen Zeichensaal. Studenten der Studiengänge Architektur, Bachelor und Master, haben gemeinsam mit Professoren der Hochschule und den verantwortlichen Bauherren des Projektes ein einzigartiges Konzept erarbeitet.

BIBERACH - Im C-Bau des Erweiterungsgebäudes der Hochschule Biberach (HBC) findet man im Obergeschoss einen zweigeschossigen gläsernen Saal: den Zeichensaal der Bachelor- und Master- Studiengänge für Architektur. Das Gebäude ist dank seiner nachhaltigen und einfachen Bauweise positiv gealtert, beschreibt Professor Maximilian Rimmel die Situation. Zweischalige Backsteinwände, aussteifende Kerne und Wände aus Beton, Stahl, Glas und Holz sind die raumbestimmenden Materialien.   

Hochschule Biberach University

Ein modernes Lernumfeld

Die räumliche Struktur impliziert bereits baulich die primäre Idee des Studiengangs: der direkte und persönliche Austausch von Studierenden im Dialog untereinander und mit den Dozierenden – beflügelt durch einen großen Raum. Doch im Laufe der letzten 30 Jahre hat sich ein Aspekt wesentlich geändert: die Arbeitsweise hat sich zunehmend digitalisiert. Die Erstausstattung war in die Jahre gekommen und damit auch zeitgemäße Möglichkeiten für Besprechung und Präsentation in analoger und digitaler Weise. Der kreative Werkstattcharakter des Raumes soll erhalten bleiben und zugleich eine neue Prägung bekommen. Dies geschieht durch wenige subtile Eingriffe. Der Saal gliedert sich in zwei Ebenen, der unteren Bachelorebene und der darüber liegenden eingestellten Galerie – der Masterebene.

Die Bachelorebene ist zentral geprägt von einer neu eingestellten „Blackbox“, einem Präsentationskubus der „analoge“ und „digitale“ Präsentationen zulässt. Der intime räumliche Studiocharakter steht für den direkten Dialog und Diskurs in kleinen Gruppen, akustisch abgeschirmt vom großen Saal und gleichzeitig komfortabel mit ausreichend Sitzgelegenheiten. Der Cube kann zusätzlich genutzt werden für zum Beispiel kleine Ausstellungen und Veranstaltungen wie etwa Filmvorführungen oder Installationen.

Die Masterebene ist ebenfalls durch ein neues bauliches Element geprägt – einer langen mittigen Präsentationswand. Hier ist eine permanente visuelle Präsenz des aktuellen Arbeitsstandes gegeben, ähnlich wie in der Praxis von Architekturbüros.

Zeichensaal wird zum Kernstück der beiden Studiengänge

Beide Ebenen sind mit großen Arbeitstischen besetzt, die den gemeinsamen Dialog auch innerhalb der Arbeitsgruppen unterstützen. Dieser Austausch wird auch durch die Festlegung von Semesterzonen gestärkt, die nach jedem Studienabschnitt wechseln. Studienanfänger sehen so beispielsweise sehr früh, welche Fähigkeiten in höheren Semestern erlangt werden kann.

Alle Raumbereiche sind mit weiteren Besprechungstischen für Tischkritiken und Einzelgespräche ausgestattet. Modellstelen in verschiedenen Höhen und Montagetische für den Modellbau sind ergänzend vorhanden. Die Modellwerkstatt befindet sich in unmittelbarer Nähe im Erdgeschoss. Neu sind separate Schließfächer und eine kleine Teeküche mit Wasserspender. Die Hochschule stellt den Studierenden kostenlos Mineralwasser zur Verfügung, verbunden mit dem Wunsch auf den zukünftigen Verzicht von PET-Flaschen.

Mit diesen Facetten bildet der Zeichensaal das Kernstück der Architektur-Studiengänge, ein Raum des permanenten Austausches und Dialogs, gerüstet für die nächsten Jahre – ein idealer Ort des „Lernens in Gemeinschaft“. Der Studiengang freut sich die Studierenden bald im Zeichensaal begrüßen zu können. Denn aufgrund der aktuellen Pandemie kann der Zeichensaal derzeit nur begrenzt genutzt werden. (Red/lile)

Statements

Thomas Schwäble, Kanzler der Hochschule Biberach:

„Das Rektorat der Hochschule Biberach betrachtet die Entwicklung der Campus-Standorte als strategisches Thema.

Es strebt ein Nutzungskonzept für nachhaltiges Lernen, Forschen und Leben an, das unter anderem neue Wohnformen berücksichtigt, ökologisch ausgerichtet ist und die Weiterentwicklung der offenen Hochschule über eine enge Verzahnung mit den Netzwerken von Stadt und Landkreis Biberach einbezieht, so dass die Campusse integraler Bestandteil des städtischen Lebens werden.

Die Weiterentwicklung des Zeichensaals bildet die zukünftige inhaltliche Ausrichtung der Architektur-Studiengänge räumlich ab; zudem wurden die Dekanatsräume neugestaltet – Zeichensaal und Büroräume stehen für moderne Arbeitswelten für Lehrende, Mitarbeitende und Studierende.

Die Hochschule beförderte diesen Entwicklungsschritt, der gemeinsam mit den Nutzergruppen erarbeitet wurde, mit Investitionsmitteln in Höhe von 300 000 Euro für Ausstattung und IT.“

Wilmuth Lindenthal, Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ulm:

„Der Landesbetrieb Vermögen und Bau BW ist bei der Hochschule Biberach für alle baulichen und liegenschaftlichen Maßnahmen zuständig. Es war deshalb für uns eine besondere Aufgabe, gemeinsam mit Studierenden und Professoren der Hochschule deren Büroräume und den Zeichensaal mit zu gestalten und dann baulich zu realisieren. Gerade die Auseinandersetzungen mit den Professoren und den Studierenden aus dem Architekturbereich waren für uns eine besondere Situation, der wir uns sehr gerne gestellt haben.

Die bauliche Umsetzung geschah auf herkömmliche Art und Weise durch Ausschreibung, Bauleitung und Baufirmen. Die Projektverantwortung lag bei Vermögen und Bau Amt Ulm.

Die Gesamtkosten betrugen circa 1,4 Millionen Euro.“