Wir wollen nie die Branche wechseln

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Ralf Nickel
Ralf Nickel
Wirtschaftsredakteur

Angetrieben von sehr viel Idealismus bewirbt sich die Solarwerkstatt GmbH in Tettnang um den „Gründerpreis der Schwäbischen“. Seit 2006 hat das Unternehmen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von sechs Megawattpeak aufgestellt – das entspricht in etwa sechs Millionen Waschmaschinenladungen.

„Es war alles andere als eine Schnapsidee“, erzählt Ralf Nickel, Mitgründer und Geschäftsführer der Solarwerkstatt GmbH in Tettnang. „Wir haben uns beim Stammtisch des Solarenergie Fördervereins in Ravensburg getroffen – einer sehr idealistischen Runde.“ Mit „wir“ meint Nickel, damals freier Energieberater für Meckenbeuren und Tettnang, Andreas Ziegler, damals Gas- und Wasserinstallateur in einer Flaschnerei, sowie Marc Ostermann, damals Elektromeister im eigenen Betrieb. Neben ihrer Hauptbeschäftigung nahmen die drei ab 1999 Aufträge für die Installation von Photovoltaikanlagen an – und „die Aufträge wurden mehr“, erinnert sich Nickel. Ab 2004 versuchten sie sich in einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) bevor sie 2006 den Schritt zur GmbH machten. 2009 lag der Jahresumsatzumsatz bereits bei 3,7 Millionen Euro.

„Es ist die Leidenschaft“, begründet Nickel seinen Antrieb, „ich wollte schon in der zwölften Klasse etwas mit erneuerbaren Energien machen.“ Jetzt ist er Diplomphysiker und Geschäftsführer. Sei Partner Andreas Ziegler wurde belächelt und als grüner Spinner abgetan, als er seine erste selbst gelötete Solarwärmeanlage aufs Dach der Schwiegereltern montierte. Doch mit seiner idealistischen Grundüberzeugung hat er Freunde und Partner gefunden. Heute ist er ebenfalls Geschäftsführer der Solarwerkstatt mit zehn Vollzeitbeschäftigten, zwei Teilzeitkräften, einem Lehrling und vier Subunternehmern.

Zwar erwartet Nickel für die zweite Hälfte des laufenden Jahres einen Einbruch, aber „in der ersten Jahreshälfte hatten wir so viele Aufträge wie im gesamten letzten Jahr“. Deshalb soll auch der Umsatz mindestens konstant bleiben. Weiter wachsen wird der Betrieb aber nicht unbedingt – „da sind uns unsere Familien wichtiger“.

Trotzdem gibt es neben Photovoltaik und Solarwärme ein Geschäftsfeld, das Wachstum verspricht: die Elektromobilität. Die Solarwerkstatt vertreibt Elektrofahrzeuge, die dort kostenlos aufgeladen werden können. Dass es serienreife Elektro-Motoräder gebe, die 100 Kilometer die Stunde fahren, wüssten laut Nickel die wenigsten. Seine Leidenschat ist unüberhörbar. Er selbst wohnt in einem Haus mit Photovoltaik, Solarwärme und Pelletheizung. Auch der Firmensitz ist dementsprechend ausgerüstet und die Firmenfahrzeuge funktionieren entweder mit Strom oder Pflanzenöl. „Wir haben auch eine Pflanzenöltankstelle“, erklärt der gebürtige Ravensburger, der sich nicht vorstellen kann, dass er oder seine Partner jemals die Branche wechseln.

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