StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauWesterheimWesterheims Musiker präsentieren sich als mutiges und verrücktes gallisches Dorf

Westerheim

Westerheims Musiker präsentieren sich als mutiges und verrücktes gallisches Dorf

Westerheim / Lesedauer: 7 min

- Alle Jahre wieder wartet das Westerheimer Narrenvolk gespannt auf den Aufmarsch der Musiker zur Maskenprämierung. Denn bei dem Einzug wird gelüftet, in welchem Outfit und zu welchem Thema sie ihre traditionelle Fasnetsveranstaltung abhalten.
Veröffentlicht:12.02.2024, 19:47

Artikel teilen:

- Alle Jahre wieder wartet das Westerheimer Narrenvolk gespannt auf den Aufmarsch der Musiker zur Maskenprämierung. Denn bei dem Einzug wird gelüftet, in welchem Outfit und zu welchem Thema sie ihre traditionelle Fasnetsveranstaltung abhalten. Am Montag folgte der traditionelle Rosenmontagsumzug durch Westerheim mit insgesamt 91 Gruppen aus der ganzen Region.

Es war die 66. Auflage in diesem Jahr und bei den Freunden der fünften Jahreszeit quasi eine Jubiläumsausgabe. Diese war eine großartige und ideenreiche Show, die Aktiven der Musikapelle legten sich richtig ins Zeug, was die Kleidung, die Musik und das unterhaltsame Showprogramm anging. Als wagemutige und schräge, aber auch als gut gelaunte und nette Gallier marschierten die Musikerinnen und Musiker am Sonntagabend in der Albhalle auf, angeführt natürlich von Majestix, Asterix und Obelix sowie von Miraculix und Troubadix in der Person ihres zu Ostern scheidenden Kapellmeisters Uli Allgaier.

Schon bei der Eröffnung kam Stimmung auf, als die Musikkapelle zum Lied „Let me entertain you“ das Narrenvolk unterhielt. Der Vereinsvorsitzende Markus Kneer als Majestix und sein Bruder Martin Kneer als Obelix präsentierten das Motto des Abends „Asterix und Obelix und das verrückte schwäbische Dorf“: Sie unterstrichen, dass in Zeiten von Trübsal und tristem Homeoffice-Alltag ein Dorf auf der rauen Alb lebt, das singt und lacht und viel Musik macht.

Zum Song „Fürstenfeld“ kochte Miraculix alias Patrick Unsöld seinen Zaubertrank und so wurde nach dem Verzehr nur einiger Tropfen aus dem kleinen Obelix Martin Kneer der große und kräftige Obelix Bruno Kneer. Zu „Küss die Hand gnädige Frau“ hießen die reiselustigen Gallier die ägyptische Königin Cleopatra auf der Bühne in der Person der stellvertretenden Bürgermeisterin Wilma Rauschmaier willkommen.

In der Folge ging es Schlag auf Schlag bei einem klasse Showprogramm weiter, und das mit dem Herzstück der Maskenprämierung.Die zwei Durchgänge unterbrachen eine Schunkelrunde und ein lustiger Sketch der Jungmusiker. Die Qual der Wahl bei der Bewertung von sieben schönen, originellen und aktuellen Masken hatte das hohe Preisgericht wie das Narrenvolk in der vollbesetzen Albhalle bei der 66. Maskenprämierung der Musikkapelle Westerheim. Die fünfköpfige Jury bildeten einmal mehr Margit Ramminger (Chorgemeinschaft), Daniela Faller (Musikkapelle), Hubert Rauschmaier (SVW), Oliver Slavik (IGF) und Elmar Tritschler (FFW). „Knapp fiel das Ergebnis aus, sehr knapp“, wie Markus Kneer vermeldete. Er sprach von einer „schwierigen Entscheidung“ verbunden mit dem Dank an die zahlreichen Teilnehmer. Bei der diesjährigen Maskenprämierung machten die Anziehpuppen das Rennen, die eine Modenschau der besonderen Art präsentierten. Niki Schweizer in der Rolle des früheren Modeschöpfers Karl Lagerfeld und die Puppen Karin Barth, Andrea Margull, Monika Nille und Katja Bek eroberten die Herzen der Jury und des Publikums, aber auch die anderen netten Masken. „Früher als man noch bescheiden und arm, da hatten die Anziehpuppen noch ihren Charme. Die Puppen und die Kleidung bestanden aus Papier, was ich Euch nun demonstrier“, meinte Karl Lagerfeld und stellte seine Modelle mit einem Stoff-Basisgewand, einer schicken Frisur und auswechselbaren Papierteilen vor, passend für jeden Anlass: ein adrettes Negligé als Designerstück, dann die auch für Bauerndemos optimale Küchenschürze, einen die Figur betonenden Bikini und ferner noch eine die Männer nervös machende Abendrobe. „Nachhaltig und klimaneutral sind die Kleider, die zudem noch die Ressourcen und das Portemonnaie schonen und in jeder Größe vom Kopf bis Zeh passen“, meinten die Damen und stellten noch eine besondere Kreation vor: den exklusiv entworfenen Dirigenten für die Musikkapelle.

Auf Rang zwei bei der Maskenprämierung landeten die Kopf- und Planlosen, dargestellt von der Familie von Manfred Saur. Sie nahmen die Politiker der rot-gelb-grünen Bundesregierung auf die Schippe, die ihr wichtigstes Körperteil verloren haben und das Volk im Regen stehen lassen. Dritter Sieger wurde der musizierende Joachim „Jojo“ Maier, der bei der Dirigentenwahl der Musikkapelle nur eine Favoritin sieht: „Sonja B. soll es sein, Sonja B. muss es sein.“ Auf den weiteren Plätzen kamen die Skifahrer der Familie Peter Staudenmayer, die von der CMT kommend Freude und Spaß beim Skifahren in Westerheim am Lift Halde ausstrahlen, zumal man sich im Luftkurort so richtig wohlfühlen kann. Nochmals wurde in einer Maskengruppe ein passender Dirigent für Westerheim gesucht mit dem Hinweis, dass auch die Trachtenkapelle Ennabeuren und der Musikverein Sontheim vor Dirigentenwechsel stehen. So wie häufig in der Fußballwelt schlugen die Darsteller aus Westerheim und Sontheim einen Transfer vor: den Uli nach Sontheim und den Volker nach Westerheim schicken. Eine schöne Einlage als Fußballerin bot zudem Ida Kneer aus Heroldstatt, die den Frauenfußball pries und versprach, bei der anstehenden Europameisterschaft den EM-Pokal nach Westerheim zu holen und um die 100 Tore zu schießen, sollte sie als Kickerin für Deutschland nominiert werden. Ein Loblied auf „Schwäbische Spezialitäten“ und besonders auf die Maultaschen erlebten die begeisterten Zuschauer, ferner einen coolen Koch mit besonderen Öffnungszeiten in seiner Küche. Einige der Maskengruppen waren nicht nur am Sonntagabend bei der Maskenprämierung zu erleben. Sie durften traditionsgemäß auch beim großen Rosenmontagsumzug der IGF durch die Straßen Westerheims mitmarschieren.

Im Anschluss an den traditionellen Gardetanz der IGF-Garde und der Preisverleihung an die sieben Masken stieg Martin Rehm mit einem „Helau, Alaaf und Stelza hoi“ und einem „Gegrüßt sei mir mei Westerhoi“ in die Bütt und beleuchte das kommunalpolitische Geschehen durch die Narrenbrille mit dem Fazit „Die Gemeinde wohl auf der Stelle steht, scheinbar hod sich nix bewegt“. Der Musikant zog in seiner köstlichen und brillanten Büttenrede her über Albhalle, Hallenwirt, „Gmoidsblatt“ und vor allem über den „Westerheimer Gmoidrat“, der sich in seiner schönen Pracht aufzulösen scheint. Abschließend zollte Rehm Dirigent Uli Allgaier noch „a riesa Dank“, der zwölf Jahre die Musikkapelle Westerheim leitete.

Ein buntes Medley aus beliebten Fasnets-Hits mit den „Roten Lederhosen“ und mit Markus Kneer und Bernhard Ascher als Gesangsduo an der Spitze steigerte nochmals die Stimmung im Saal. Den Westerheimer Wertstoffhof mit „besten Öffnungszeiten“ besang Mike Baumeister zu den Klängen der jungen, bunt gekleideten Männer mit dem Refrain „I fahr zum Wertstoffhof und werd mein Wertstoff los“. Amüsant war der Beitrag „Ich bin mein bester Freund“ der drei Musiker Vitus Kneer, Martin Kneer und Ulrich Hainz, in dem Schultes Hartmut Walz mit den Ratsmitgliedern Hermann W. Tappe und Pius Kneer seinen Geburtstag in gemütlicher Runde feiert.

Neues von der „Westerheimer Stimme“ mit den unbestechlichen Chefredakteuren Dietmar Ramminger und Gerhard Rehm war dann zu hören, die zunächst den Knüller des Tages verkündeten: den Einweihungstermin für die neue Aussegnungshalle im Jahr 2030. Mit KI sei in Westerheim die „Kirchplatz-Intelligenz“ mit Pfarrer und Schultes, aber auch einem Gerhard Rehm gemeint. „Wer länger arbeitet ist weniger arm“, meinten Ramminger und Rehm, die im Gebäude von „Mafia-Boss“ Hans Moser ihr Redaktionsbüro eingerichtet hatten, wie einem Film zu entnehmen war. Ihnen zur Seite sind dort „Flieger“ Karlheinz Baumeister als fundierter Kenner der Sportszene und Matthias Rehm als Politik-Redakteur anzutreffen, der feststellen muss: „Die Regierung macht mir Sorgen. Die Ampel hat einen Knick“. Als Fremdenverkehrsbeauftragter fungiert Hans Moser.

Super war der Tanz der MKW-Boys, die als rote Drachen über die Bühne der Albhalle flogen und tanzten und turnten was das Zeug hielt. Die jungen Tänzer in tollen Kostümen, genäht von Amalie Baumeister, kamen um eine Zugabe nicht herum und ihre beiden Trainerinnen Carina und Ines Gutbrod dürfen auf die Leistung ihrer Schützlinge stolz sein. Nicht fehlen durften die Rekruten der Gemeinde. Dieses Jahr war der Jahrgang 03/04 an der Reihe, die mit Ansager Philipp Baumann eine sehenswerte Einlage auf die Bühne zauberten: Jannik Füller und Anastasia Volsidou als Peter Pan und Tinkerbell hatten zu entscheiden, wer mit ihnen nach Nimmerland reisen darf.

Einen krönenden Schlusspunkt setzten die IGF-Gardemädchen, die zum Thema „Eiscreme gibt’s auch im Kino“ einen sehenswerten Showtanz präsentierten. Schließlich fanden sich die Musiker und alle Aktiven des Abends zum großen Finale auf der Bühne ein und verabschiedeten sich zum Stück „Delfin“ und zu Italo-Pop-Classic-Melodien unter dem souveränen Dirigat ihres Troubadix Uli Allgaier. Viel Szenenapplaus den ganzen Abend über wie ein kräftiger Schlussapplaus war der Dank des begeisterten Publikums für einen gelungen und schönen Fasnetsabend, mit der Musikkapelle Westerheim.


Bilder