Feierverbot

Ulm eine Stadt der Spießer? Feierverbote sollten eher noch strenger sein

Ulm / Lesedauer: 2 min

In Ulm gibt es genügend Möglichkeiten, zu feiern. So drastisch sind die Forderungen der Anwohner also gar nicht. Eher würden neue Einschränkungen Sinn machen, findet unser Redakteur Johannes Rauneker.
Veröffentlicht:30.06.2022, 15:00
Aktualisiert:30.06.2022, 15:52

Von:
Artikel teilen:

Ulm - eine „Wüste“ der Club-Kultur, eine Stadt, in der die Bürgersteige hochgeklappt werden, sobald es dunkel wird? Wer das behauptet, der ist womöglich noch nicht vollständig ausgenüchtert vom zurückliegenden Rausch – oder verkennt, dass Ulm nicht Berlin ist.

Klar, die Jugend (und nicht nur die!) lechzt nach den Corona-Einschränkungen nach feucht-fröhlichen Zusammenkünften. Die sind in Ulm aber ohne Weiteres möglich. Die Auswahl an Etablissements ist gewaltig.

Und die Einschränkungen in der Innenstadt sind überschaubar – wie aber auch nötig! Denn die Altstadt ist in erster Linie nicht zum Partymachen da, sondern lebt vor allem vom Handel und ihren Bewohnern. Und die haben ein Recht auf Nachtruhe. Schließlich müssen sie am nächsten Morgen wieder früh raus aus den Federn, die Arbeit oder die Schule rufen.

Wer am Tag nach der Diskonacht ausschlafen kann, dem gehen solche Zwänge womöglich ab. Dabei sollten die Nachtschwärmer in Ulm froh sein über die aktuellen Regelungen. Denn Feier-Verbote dürften künftig eher noch zunehmen.

Das liegt nicht daran, dass es Spaß macht, das Feiern zu verbieten, sondern am Wandel der Innenstädte und des Handels. Weil immer mehr Geschäfte leerstehen, Wohnraum aber dringend gebraucht wird, dürften auf absehbare Zeit wieder deutlich mehr Wohnungen in der Altstadt entstehen, in ehemaligen Büros oder Läden etwa.

Die Menschen zieht es wieder verstärkt zum Leben in die Kernstadt. Und das ist gut so! Denn nur so kann die City auf lange Sicht lebendig bleiben. In einer toten Innenstadt hingegen wird es irgendwann auch keine Gaststätten und Clubs mehr geben. Dann wäre die Party tatsächlich vorbei.