Elektrobus

Warum Daimler auch in Zukunft auf Neu-Ulm setzen will

Ulm / Lesedauer: 4 min

Elektroautos sollen die Zukunft sein, werden am Evobus-Standort in Neu-Ulm aber nicht produziert: Der Evobus-Spartenchef sieht den Standort aber trotzdem gefestigt.
Veröffentlicht:27.02.2019, 18:33
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Auch wenn in Neu-Ulm keine Elektrobusse produziert werden: Till Oberwörder, der Chef der Daimler-Bussparte, sieht den Evobus-Standort sehr gut gewappnet für kommende Aufgaben. Wie Oberwörder bei der Jahrespressekonferenz im Stuttgarter Hauptquartier betonte, habe Neu-Ulm gerade durch die Konzentration auf die Entwicklung von Sicherheitstechnologien und Assistenzsystemen eine herausgehobene Bedeutung für den gesamten Konzern. So würden etwa Laster und Vans aus dem Hause Daimler die Bänder mit Neu-Ulmer Entwicklungen an Bord verlassen.

„Es ist uns sehr wichtig, in Deutschland zu produzieren“, sagte Oberwörder . Daimler könnte mit seinen zwei deutschen Werken in Mannheim und Neu-Ulm sich aber nur gegen Konkurrenz behaupten, wenn „quasi jeden Tag“ in höhere Effizienz investiert werde. Vor diesem Hintergrund würden bis 2020 rund 140 Millionen Euro in diese zwei Produktionsstandorte und rund 200 Millionen Euro in neue Technologien investiert. Details, wie sich diese Summe auf Neu-Ulm und Mannheim verteilt, wollte Oberwörder nicht verraten.

Auf absehbare Zeit sehen wir keinen Elektroantrieb auf der Langstrecke.

Till Oberwörder, Chef der Daimler-Bussparte

Klar machte Oberwörder jedoch, dass ein großer Fokus der Bussparte auf dem Elektronantrieb liege, der seit vergangenen Dezember in Serie produziert wird. Neu-Ulm ist hier außen vor. Und bleibt es: „Auf absehbare Zeit sehen wir keinen Elektroantrieb auf der Langstrecke“, sagte der Bus-Chef. Für Reisebusse, etwa von der Neu-Ulmer Marke Setra , seien „hocheffiziente Dieselmotoren“ nach wie vor unschlagbar.

Problem ist die geringe Reichweite

Das Problem: Die ersten batterieelektrisch angetriebenen E-Citaro Stadtbusse von Daimler fahren seit einigen Wochen zwar im öffentlichen Verkehr in Hamburg und Heidelberg regulär. Doch bei 170 Kilometern unter ungünstigsten äußeren Bedingungen sei Schluss. Zu wenig für einen Setra-Reisebus, den die meisten Busunternehmer und Fernbusbetreiber kaufen um ihre Kunden viele hundert Kilometer quer durch Europa zu kutschieren.

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Die Reichweite steigt zwar: Ab 2020 erfolgt der Einsatz von Festkörperbatterien, dann die nächste Generation unserer Lithium-Ionen Batterien. Und ab 2022 kommt eine Brennstoffzelle zur Stromerzeugung als Reichweitenverlängerer zum Einsatz. Doch das alles genüge nicht, um einen elektrisch angetriebenen Bus mit vertretbarem von Neu-Ulm nach Rom oder sonstwo zu fahren.

Wenn sich zeigt, dass die Nachfrage da ist, sind wir dabei.

Till Oberwörder, Chef der Daimler-Bussparte

Dass der Konkurrent Hyundai vorgibt mit Brennstoffzellen-Technologie Laster antreibt, die 400 Kilometer weit kommen und im großen Stil in der Schweiz testet, kann Oberwörder nicht beeindrucken. Daimler arbeite an allen Technologien. Auch an der Brennstoffzelle. „Wenn sich zeigt, dass die Nachfrage da ist, sind wir dabei.“ Doch Schnellschüsse gebe es nicht.

Entwickelte Technik feiert Weltpremiere

Eine in Neu-Ulm entwickelte Technik feierte im vergangenen Jahr in einem Setra-Bus Weltpremiere: Der Notbremsassistent „Active Brake Assist 4“ mit Personenerkennung per Radar-Technologie. Er warnt den Fahrer als weltweit erstes System seiner Art vor einer Kollision mit sich bewegenden Fußgängern und leitet zusätzlich gleichzeitig automatisch eine Teilbremsung ein. Längst hat die Digitalisierung bei Setra-Einzug gehalten: Mit „Omniplus Uptime“ werden Werkstattaufenthalte der Busse optimiert und Ausfälle vermieden. Und „Omniplus On monitor“ liefert dem Flottenmanager Echtzeit-Daten zu Fahrzeug und Fahrer.

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„Mit dem Geschäftsjahr 2018 sind wir bei Daimler Buses zufrieden. Unseren weltweiten Absatz haben wir deutlich gesteigert“, sagte Oberwörder. Wie berichtet, schlug sich dies auch in der Ergebnisbeteiligung nieder. Mit dem April-Gehalt werden an die 3857 Beschäftigten der Stammbelegschaft 2300 Euro extra ausgezahlt, mehr als in den vergangenen Jahren. Die Auslastung in Neu-Ulm seit nach wie vor gut. In Sachen ausgelieferter Busse und Fahrgestelle unterscheidet die Bussparte in ihrer Statistik nicht nach Produktionsstandort. Weltweit 30 900 (im Vorjahr 28 700) Busse und Fahrgestelle verkauft, was zu einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro führte. Für das laufende Jahr rechnet der Bus-Chef im einer „deutlichen Absatzsteigerung“.

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