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Wer wird Oberbürgermeister?

Vor der OB-Wahl in Ulm: So schätzen die Kandidaten ihre Chancen ein

Ulm / Lesedauer: 4 min

Neben Amtsinhaber Gunter Czisch sind vier weitere Kandidaten im Rennen. Schwäbische.de stellt sie vor.
Veröffentlicht:29.11.2023, 05:00

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Umringt von Glühweinduft und Weihnachtsklängen mag es dem einen oder anderen Passanten auf seiner Shoppingtour durch Ulm derzeit vielleicht gar nicht auffallen. Ein Blick auf Werbetafeln und in Veranstaltungsprogramme aber macht deutlich: In der Donaustadt tobt der Wahlkampf. Fünf Kandidaten stehen für die anstehende Oberbürgermeisterwahl am 3. Dezember zur Wahl. Obwohl einer von ihnen als Favorit gilt, wird auf die genaue Stimmverteilung trotzdem gleich aus mehreren Gründen gespannt gewartet.

Neben Amtsinhaber Gunter Czisch (CDU) kandidieren die 31-jährige Grünen-Stadträtin Lena Christin Schwelling, SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Ansbacher sowie Comicladen-Besitzer Thomas Treutler und Kommunikationsberater Daniel Langhans, beide parteilos.

53 Prozent für Czisch vor acht Jahren

Für viele gilt OB Czisch, der 2015 mit 53 Prozent der Stimmen zum Ulmer OB gewählt wurde, als klarer Favorit. Der 60-Jährige trat den zahlreichen Krisen in den vergangenen Jahren - wie etwa der Corona-Pandemie oder steigenden Energiepreisen als Folge des Ukraine-Krieges - nach außen souverän und entschlossen entgegen. Seine klaren Worte, die bestimmt und versöhnlich zugleich wirken, schätzen die Ulmer Bürger.

Bei jenen Wählern, die sich um das Klima oder die Sicherheit sorgen, wollen die Stadträte Lena Schwelling sowie der 49-jährige Martin Ansbacher punkten. Fahrradstraßen, mehr Photovoltaik auf Ulmer Dächern und ein weiterer Ausbau des ÖPNV sind etwa Lena Schwellings große Themen, während Martin Ansbacher, selbst aktiver Vereinsmann in der Stadt, auf Themen wie Sicherheit, Sauberkeit und einen ticketfreien Samstag im ÖPNV setzt.

Schwelling sieht Wahl mit offenem Ausgang

Beide Stadträte geben sich zuversichtlich in Sachen Wahl: „Fürs Plätzchenbacken habe ich mir erstmal keine Zeit eingeplant, sondern gehe davon aus, dass wir eine spannende Stichwahl erleben werden, in der ich nochmal alles geben kann, um Ulms erste Oberbürgermeisterin zu werden“, sagt etwa Lena Schwelling, die auch baden-württembergische Landesvorsitzende der Grünen ist. „Es ist eine Wahl mit bis zuletzt offenem Ausgang“, sagt etwa Martin Ansbacher. Er sei angetreten, um zu gewinnen. „Ich spiele nicht auf Platz, sondern auf Sieg.“

Zentrales Thema in Thomas Treutlers Wahlkampf: Der Ärger um Baustellen in der Innenstadt. Bei Wahlkampfveranstaltungen tritt der 52-Jährige ungekünstelt und direkt auf. Wirkliche Chancen bei der Wahl verspricht sich der Comic-Händler aber nicht einmal selbst, zumal er lange Zeit unschlüssig war, ob er bei der Wahl nun antreten wollte oder nicht: Zunächst hatte er die Kandidatur verkündet, dann überraschend zurückgezogen, dann sich erneut als Kandidat präsentiert. Wer Treutler wählt, wählt also wohl eher aus purem Protest.

Langhans eckt bei Podiumsdiskussionen an

Gleiches mag bei Kandidat Daniel Langhans der Fall sein. Der 65-Jährige trat des Öfteren als Redner auf Querdenker-Demonstrationen auf, erhielt aufgrund einer dort getätigten Aussage bereits eine Geldstrafe. Kritiker bezeichnen Langhans aufgrund von ihm getätigter Aussagen sogar als Verschwörungstheoretiker. Bei Podiumsdiskussionen eckt Langhans an, Zwischenrufe und Pfiffe sind da noch harmlosere Beispiele von Reaktionen aus dem Publikum. Etwa, wenn es um „positive Eigenschaften von CO2“ geht.

Dass Langhans die für die Wahlzulassung erforderlichen 1500 Unterschriften erhielt, zeigt aber, dass der 65-Jährige durchaus Unterstützer hinter sich hat. Langhans selbst jedenfalls ist zuversichtlich: „Weil sich die Stimmen ja auf fünf Bewerber verteilen, wird es wohl eine knappe Kiste. Das erhöht die Chancen für den, der in die Lokalpolitik frisch einsteigt. Die Bürger erkennen intuitiv, dass da jemand ist, der - wirklich - ihre Interessen vertritt.“

Treutler sieht bereits „viel erreicht“

Doch auch die anderen Kandidaten sehen sich kurz vor der Wahl in einer guten Position. „Es werden einige meiner Themen durch die anderen Kandidierenden aufgenommen. Somit habe ich bereits sehr viel erreicht“, sagt etwa Thomas Treutler. „Die vielen Begegnungen und der wohltuende Zuspruch“ stimmen Amtsinhaber Gunter Czisch zuversichtlich.

Sorgen bereite ihm jedoch der Trend zu einer immer niedrigeren Wahlbeteiligung. „Mit Blick auf andere Länder ist es ein Privileg, frei und im offenen Diskurs wählen zu dürfen. Am Ende kommt es auf die abgegebenen Stimmen am Wahlabend an. Deshalb werbe ich um jede Stimme und um eine hohe Wahlbeteiligung“, so Czisch.

Auch wenn der Wahlausgang für viele Ulmer also absehbar zu sein scheint, die prozentuale Verteilung der Stimmen ist es bei weitem nicht - und lässt das Wahlergebnis am Sonntag mit Spannung erwarten.