Schwabenfeder

Schwabenfedern: Vier Ulmer FechterInnen im Nationalkader

Ulm / Lesedauer: 3 min

Sie stellen so viele Nationalkader wie kein anderer Verein. Vier Ulmer Schwabenfedern vertreten ihr Land international.
Veröffentlicht:13.03.2021, 12:19
Aktualisiert:13.03.2021, 12:21

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Vier Langschwertkämpfer des SSV Ulm 1846 sind in den Nationalkader des Deutschen Dachverbands für historisches Fechten (DDHF) berufen worden und haben so die Chance, auf internationalen Wettbewerben anzutreten. Die Sportler gehören zu den Ulmer Schwabenfedern, den historischen Fechtern des SSV Ulm 1846.

Diese vier Schwabenfedern werden den SSV Ulm 1846 im insgesamt 18-köpfigen Nationalkader Langes Schwert vertreten: die Studentin Saskia Eisenbach (24), der Mediziner Lukas Mästle-Goer (28), der Physiker Michael Hein (35) sowie der Chemiker Harald Zikeli (35).

Fechten mit einem Stahlschwert

Mästle-Goer, Hein und Zikeli sind erfahrene Wettkampfveteranen, während Eisenbach noch recht jung in dieser Sportart ist. Mästle-Goer ist zudem nicht nur ein Trainer der Schwabenfedern, er ist auch einer der erfolgreichsten deutschen Schwertkämpfer und wurde 2019 der erste Deutsche Meister im Langen Schwert.

Historische Fechter tragen gepolsterte und gepanzerte Schutzkleidung, denn ihr Sportgerät ist das in der Regel beidhändig geführte, um die 1,30 Meter lange, stumpfe und flexible Stahlschwert, das Fechtfeder genannt wird.

Historische europäische Kampfkünste

Das Fechten nach historischen europäischen Quellen die bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen wird seit einigen Jahren auch in Deutschland zunehmend beliebter, die Zahl der privaten und in Vereinen organisierten Fechtschulen wächst.

International wird der Kampfsport als Hema bezeichnet, was für „Historical European Martial Arts“, also „Historische europäische Kampfkünste“ steht. Hema umfasst neben dem Umgang mit dem Langen Schwert oder dem Rapier weitere Kampfkünste die über die Jahrhunderte aus der Mode gerieten und nun unter Einbeziehung historischer Quellen sportlich wiederentdeckt und aufgearbeitet werden.

Schwabenfedern stellen vier der Kader

Vor diesem Hintergrund hat sich der Deutsche Dachverband für historisches Fechten (DDHF) gegründet. Nach eigenen Angaben gehörten ihm Stand Ende 2018 insgesamt 53 Mitgliedsgruppen mit zusammen rund 2000 Fechterinnen und Fechtern in dreizehn Bundesländern an. Eine dieser Gruppen sind die Ulmer Schwabenfedern, die historischen Fechter der Fechtabteilung des SSV Ulm 1846.

Der vom DDHF einberufene Nationalkader besteht aus zehn Herren und acht Damen. Die Schwabenfedern stellen für die Saison 2021 drei der zehn Kaderathleten im Langen Schwert Herren sowie eine der acht Kaderathletinnen im Langen Schwert Damen. Der Hintergrund: Im Oktober soll in Deutschland der IFHema-Cup, die Weltmeisterschaft im Hema, ausgetragen werden. Die International Federation for Historical European Martial Arts (IFHema) versteht sich als Dachorganisation der nationalen Hema-Verbände.

Wettbewerb im eigenen Land

Damit das deutsche historische Fechten bei dem Wettbewerb im eigenen Land auch entsprechend vertreten wird, hat der DDHF die Kader für die Disziplin Langes Schwert Männer und Damen berufen. Aus diesen Kadern wird dann ein Wettkampfteam ausgewählt, welches beim IFHema-Cup antreten wird.

Die übrigen Kaderathleten trainieren quer über Deutschland verteilt von Hamburg über Münster bis nach Berlin. Auffällig ist beim Blick auf die Kaderliste, dass nur die Schwabenfedern mehr als zwei Fechter und Fechterinnen auf einmal entsenden.

Fechter versuchen, sich mit Online-Training fit zu halten

Ob die Hema-Weltmeisterschaften im Oktober in diesem Jahr stattfinden können und ob es 2021 überhaupt eine geregelte Wettkampfsaison geben wird steht aktuell durch Corona noch in den Sternen. Da die Sportart Hema kein Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund ist, profitieren die historischen Fechterinnen und Fechter nicht von Corona-Ausnahmeregeln für Kaderathleten. Somit konnten die Ulmer Athleten seit Oktober nicht mehr gemeinsam trainieren.

Schwabenfedern-Trainer Alexander Fürgut sagt: „Wir versuchen, mit auf historisches Fechten zugeschnittenem Online-Fitnesstraining körperlich aktiv zu bleiben und es haben sich auch private Kleinst-Trainingsgruppen gebildet, um das fechterische Level coronakonform einigermaßen aufrecht zu erhalten. Das ist natürlich alles kein Ersatz für richtiges Training.“ Man hoffe einfach darauf, dass sich die Pandemielage zum Jahresende hin entspannt.