Landkreis

Unwetter richtet Millionen-Schäden an

Ulm / Lesedauer: 3 min

Murmelgroße Hagelkörner – 300 Einsätze am Sonntagabend – Autos bleiben stecken – Wasser im Linienbus
Veröffentlicht:29.05.2016, 22:47
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

Von:
Artikel teilen:

Unwetter mit Hagel und sintflutartigem Regen haben am Wochenende in Ulm, NeuUlm und den benachbarten Landkreisen große Schäden angerichtet. Straßen verwandelten sich in Flüsse, hunderte Keller liefen voll. Feuerwehr und Polizei befanden sich in der ganzen Region am SonntagAbend in einem Großeinsatz. Von Verletzten war aber zunächst nichts bekannt.

Mehr als 300 Einsätze meldete am Abend allein die Ulmer Feuerwehr-Leitstelle. „Wir sind im Vollalarm, das heißt, dass alle Feuerwehrabteilungen an insgesamt 250 Stellen im Einsatz sind, 150 im Ulmer Stadtgebiet und 100 im Alb-Donau-Kreis“, sagte der stellvertretende Ulmer Feuerwehrkommandant Reiner Schlumberger am Sonntag um 20Uhr.

Für Senden und die umliegenden Ortschaften war bis zum Redaktionsschluss noch keine Zahl zu erfahren.

Nachdem am Spätnachmittag von Südwesten her Regen auf die Region zukam, meldeten aus einer Ortschaft nach der anderen Bewohner ihre überfluteten Keller bei der Feuerwehr.

Schwerpunkte waren Ulm , Neu-Ulm, Senden, Erbach und Blaustein.

In der Unterführung am Ehinger Tor, die gesperrt wurde, stand das Wasser so hoch, dass es in einen Linienbus lief. Die Fahrgäste stiegen auf Erhöhungen im Bus, um trockene Füße zu behalten. „Nein, ich fahr grad nicht mit nem Boot aufm Kanal, das ist ein Bus, mit Bugwelle“, schrieb ein Fahrgast auf Twitter.

In Ulm blieben drei Autos in der überfluteten Unterführung der Neuen Straße stecken, in der Starkfeld-Unterführung ebenfalls zwei Autos. Hier stand das Wasser schlagartig kniehoch. Die Autoinsassen blieben alle unverletzt, wurden aber pitschnass, als sie ihre Autos aus dem Wasser schoben. Mit Eimern und Schalen schöpften sie das Wasser aus dem Innenraum, bevor das defekte Auto mit dem Abschleppwagen geborgen wurde.

Mehrere Tiefgaragen wurden ebenfalls überflutet. In Neu-Ulm musste das Krankenhaus die Notaufnahme schließen. Eine Schadenhöhe konnte die Polizei am Abend noch nicht ermitteln.

Überdies wurde die Bahnstrecke zwischen Thalfingen und Ulm ab 17.45 Uhr wegen Gleisunterspülungen gesperrt.

Dramatisch war die Lage noch gegen 21 Uhr in Einsingen: Der Rötelbach aus Richtung Eggingen war übergelaufen. Einsingen stand teilweise auf einer Breite von 50 Metern unter Wasser,

Dem Unwetter vom Sonntagabend war am Freitagabend ein erstes Unwetter vorausgegangen.Hagelkörner so groß wie Murmeln und heftiger Regen verunsicherten einige Bewohner. Doch ganz so schlimm wie befürchtet, traf es die Region offenbar nicht – so zumindest die Bilanz der Feuerwehren.

Zu kleineren Einsätzen aufgrund des Hagels musste auch die Ulmer Feuerwehr ausrücken. Laut Thomas Schiller, der am Freitag selbst im Dienst war, wurden vollgelaufene Keller gemeldet – beispielsweise in der Platzgasse oder der Karlstraße.

Weil der Wetterdienst zuvor Unwetter auf der dritten Warnstufe von vier gemeldet hatte, „haben wir uns entsprechend darauf eingestellt, unter anderem Material zum Wasserabsaugen bereitgestellt und das Personal erhöht“, sagt Schiller. „Doch im Ulmer Bereich war das Wochenende eher harmlos.“

Nach Angaben der Polizei ist es auf der A7 jedoch aufgrund des Hagels zu einem Unfall gekommen. Am Samstagabend wurde ein 72-jähriger Autofahrer kurz vor dem Dreieck Hittistetten vom plötzlich auftretenden Hagelschauer überrascht: Sein Wagen geriet ins Schleudern und krachte gegen einen vor ihm fahrenden Transporter. Verletzt wurde niemand.