StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauUlmErst Mädchen missbraucht, dann abgehauen: Afghane kommt vor Gericht

Vom Radar der Behörden verschwunden

Erst Mädchen missbraucht, dann abgehauen: Afghane kommt vor Gericht

Ulm / Lesedauer: 4 min

Der Mann missbrauchte eine Minderjährige, saß im Knast und kam zurück in den Ort des Verbrechens. Nun wird ihm abermals der Prozess gemacht.
Veröffentlicht:03.05.2023, 15:30

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Der Mann, gegen den am Dienstag, 9. Mai, vor dem Ulmer Amtsgericht verhandelt wird (Beginn 11 Uhr), hat bereits für viele Schlagzeilen gesorgt, auch bundesweit.

Das erste Mal, weil er in der Halloween–Nacht 2019 an der Vergewaltigung einer damals 14–Jährigen beteiligt war. Er kam ins Gefängnis, verbüßte seine Strafe und wurde dann zurück in den Ort geschickt, an dem er das Verbrechen begangen hatte: nach Illerkirchberg.

Bevölkerung wurde im Dunkeln gelassen

Der Bevölkerung wurde diese Information lange vorenthalten. Dass der Afghane noch immer in Illerkirchberg lebt, kam erst heraus, nachdem das Dorf im Alb–Donau–Kreis nahe Ulm im vergangenen Dezember von einem neuen Verbrechen erschüttert wurde. Eine 14–Jährige war auf dem Weg zur Schule von einem Flüchtling aus Eritrea auf offener Straße erstochen worden.

Der Aufruhr in Illerkirchberg und das Unverständnis über die Entscheidung der Politik, den Sexualstraftäter nach seinem Knastaufenthalt wieder dorthin zurückzuschicken, waren groß. Unterstützung bekamen die Bürger unter anderem von Landesjustizministerin Marion Gentges (CDU). Sie forderte: Der Mann müsse so schnell wie möglich in sein Heimatland abgeschoben werden.

Auch Illerkirchbergs Bürgermeister Markus Häußler protestierte gegen die Entscheidung, die vom Regierungspräsidium ausgegangen war. Die Vorgabe lautete: Der Mann darf den Alb–Donau–Kreis nicht verlassen. Und eine andere Kommune wollte ihn nicht aufnehmen. Häußler: „Ich war entsetzt, dass unsere Gemeinde einen der verurteilten Vergewaltiger von 2019 wiederaufnehmen sollte.“

Deshalb wurde er nicht abgeschoben

Eine Abschiebung ist bis zum heutigen Tag jedoch nicht möglich. Denn die Bundesregierung hat Abschiebungen nach Afghanistan eine Absage erteilt. Die Zustände in dem Land seien zu unsicher, hieß es zur Begründung.

Derweil der verurteilte Afghane in Illerkirchberg weiter für Wirbel sorgte. Denn, wie Schwäbische.de im Januar exklusiv berichtete, schien sich der Mann plötzlich abgesetzt zu haben. Die Behörden hatten den Kontakt zu ihm verloren.

Nicht an Meldeauflagen gehalten

Dass der Straftäter verschwunden war, fiel auf, weil er sich nicht an Meldeauflagen gehalten hatte, die ihm für die Zeit nach seiner Haftstrafe auferlegt wurden.

Bei verurteilten Sexualstraftätern und anderen Tätern, denen nach ihrer Freilassung eine ungünstige Sozialprognose beschieden wird, sind solche Auflagen die Regel. Sie können bedeuten: Die Täter müssen sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei melden. So soll das Risiko gesenkt werden, dass sie weitere Verbrechen verüben.

Im Fall des Afghanen stellte sich jedoch alsbald heraus: Es war wohl gar nicht die Absicht des Mannes, tatsächlich unterzutauchen, sich den Behörden vollends zu entziehen. Er soll sich lediglich in einem benachbarten Landkreis aufgehalten haben.

Auf die Behörden, die für ihn in unterschiedlicher Form zuständig waren und sind, warf die ganze Sache jedoch kein gutes Licht. Denn es stellte sich heraus: Während Ausländeramt, Polizei, Landgericht, Staatsanwaltschaft und Regierungspräsidium rätselten, wo der Mann abgeblieben sein könnte, soll dieser die ganze Zeit mit seiner Bewährungshelferin in Kontakt gestanden haben.

Das wird ihm nun vorgeworfen

Wegen seiner „Flucht“ muss sich der Mann nun aber vor dem Ulmer Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: „Verstoß gegen Weisungen während der Führungsaufsicht“. Es drohen ihm im schlimmsten Fall drei Jahre Gefängnis. Zwei Zeugen sowie ein Dolmetscher sind geladen. Die Verhandlung ist öffentlich.

Eine unmittelbare Abschiebung muss der Mann nach wie vor nicht fürchten, zum Ärger unter anderem von Silke Knor–Fuchs und Daniela Scharpf. Die beiden hatten eine Petition gestartet mit dem Ziel, dass alle schwer straffällig gewordenen Flüchtlinge sofort abgeschoben werden. Adressatin der Petition: Innenministerin Nancy Faeser (SPD).

So viele haben bis jetzt unterschrieben

Bis jetzt haben fast 8000 Unterstützer unterzeichnet, nötig wären allerdings 50 000 Unterschriften. Die Sammlung läuft noch vier Wochen.

Fazit der Initiatorinnen der Petition: „Nach vielen Gesprächen, Email–Kontakten und Beobachtungen ist klar, dass sehr viele Menschen die Migrationspolitik in Deutschland sehr negativ bewerten und eine kontrollierte und begrenzte Zuwanderung fordern.“

Die meisten Unterstützer der Petition stammen aus dem Raum Ulm, viele auch aus dem gesamten Bundesgebiet. Aus Illerkirchberg selbst haben nur ein paar Hundert Bürger unterschrieben, was Silke Knor–Fuchs und Daniela Scharpf nicht nachvollziehen können: „Die fehlende Unterstützung“ aus dem eigenen Ort sei für sie „eine große Enttäuschung“.