Langzeitstudie

Uni startet „Ulmer Spatz-Gesundheitsstudie“

Ulm / Lesedauer: 2 min

Wissenschaftler wollen in einer Langzeitstudie 1200 Neugeborene und ihre Eltern mit Blick auf chronische Erkrankungen unter die Lupe nehmen
Veröffentlicht:10.04.2012, 20:05
Aktualisiert:25.10.2019, 10:00

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An der Universität Ulm beginnt am Montag, 16. April, eine bundesweit einmalige medizinische Studie, mit der verschiedene Einflussfaktoren während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder erforscht werden sollen.

Die beteiligten Wissenschaftler, Professor Dietrich Rothenbacher und Dr. Jon Genuneit vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie sowie Dr. Frank Reister, Leiter der Sektion Geburtshilfe der Universitätsfrauenklinik, werben bereits intensiv für eine Teilnahme an der so genannten „Ulmer Spatz-Gesundheitsstudie“ - und zwar bei Eltern, deren Kinder von diesem Tag an in der Unifrauenklinik das Licht der Welt erblicken.

„Wir wollen mit dieser Langzeitstudie die Ursachen von chronischen Erkrankungen bei Kindern besser verstehen, Allergien und Übergewicht zum Beispiel, aber auch von Asthma“, sagt Genuneit, der Leiter des Forschungsvorhabens. Dessen Ziel sei es, über die Ermittlung der Ursachen frühzeitig Möglichkeiten der Krankheitsvorbeugung zu entwickeln.

Aus seiner Sicht ist das der richtige Ansatz: „Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Umweltfaktoren und andere Einflüsse Auswirkungen auf das sich entwickelnde Kind haben können. Zu diesen Faktoren gehört das Stillen, die Zusammensetzung der Muttermilch, bestimmte Lebensgewohnheiten wie die Ernährung oder elterlicher Stress.“

Diese Faktoren könnten schon frühzeitig die Weichen für die spätere Gesundheit im Kindes- und Erwachsenenalter stellen, inklusive des Risikos für chronische Erkrankungen wie Asthma, Allergien oder Übergewicht. „Gerade diese Erkrankungen nehmen derzeit besorgniserregend zu“, berichtet Genuneit, der in Ulm und London studiert und bereits an mehreren internationalen Studien mitgewirkt hat.

Rund 1200 Neugeborene und ihre Eltern wollen die Wissenschaftler innerhalb eines Jahres in die neue Studie einbeziehen. Zunächst soll die Entwicklung der Kinder in den ersten fünf Lebensjahren beobachtet werden. Aus gutem Grund. „Während Neurodermitis beispielsweise bereits im Säuglingsalter auftritt, kann Asthma oft erst im Vorschulalter verlässlich diagnostiziert werden und Heuschnupfen entwickelt sich häufig erst im Kindesalter, obwohl die Ursachen bis in die vorgeburtliche Zeit zurückreichen können“, erklärt Jon Genuneit.

Zur Studie gehören ein erster Fragebogen mit Angaben zur Person, zu Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten, zudem so genannte Biomaterialien wie Blut, Muttermilch, Urin oder Haarproben und später auch Ergebnisse pädiatrischer Vorsorgeuntersuchungen. Natürlich ist die Teilnahme freiwillig. „Die Proben werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet und die Ergebnisse werden nur in anonymisierter Form veröffentlicht“, versichert der Studienleiter und betont: „Alle Teilnehmer helfen kommenden Generationen, gesund zu leben.“