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Umstrittenes Unkrautvernichtungsmittel

Ulmer Studie zeigt: So schädlich ist Glyphosat tatsächlich

Ulm / Lesedauer: 2 min

Das Mittel ist umstritten, über eine Verlängerung der Zulassung wird derzeit auf EU–Ebene beraten. Was Forscher jetzt untersucht haben, ist alarmierend.
Veröffentlicht:13.06.2023, 09:10

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Glyphosat ist als Unkrautvernichter umstritten. Während auf EU–Ebene derzeit über eine mögliche Verlängerung der Zulassung für das Mittel beraten wird, zeigt eine aktuelle Ulmer Folgestudie, wie schädlich das Mittel ist — zumindest für Amphibien wie dem Krallenfrosch, an denen die Auswirkungen eines Kontakts mit dem Stoff erforscht wurden.

Die Ergebnisse einer aktuellen Ulmer Studie zu diesem Wirkstoff, der in vielen Unkrautvernichtern zur Anwendung kommt, haben mit Blick auf die aktuellen Gespräche eine gewisse Brisanz. Die Wissenschaftler der Universität Ulm haben untersucht, wie sich Glyphosat als Reinstoff auf die Entwicklung von Embryonen des Krallenfrosches auswirkt.

Missgebildete Hirnnerven nachgewiesen

Getestet wurden dabei Konzentrationen, wie sie in Natur nachweislich zu finden sind. Die Forschenden stießen dabei auf sichtbare Fehlbildungen an Leib, Herz und Hirn sowie auf messbare Verhaltensänderungen. Dazu gehören kürzere Körper, kleinere Augen, verkleinerte Herzen, missgebildete Hirnnerven sowie ein verändertes Schwimmverhalten. Überraschend: Einige Defekte traten bereits bei der niedrigsten Konzentration auf, die in der Studie getestet wurde.

Auf Grundlage der Studie kann deshalb klar gesagt werden, dass der Unkrautvernichter Embryonen von Amphibien schädigt.

Die aktuelle Studie ist bereits die zweite, die Ulmer Forscher zu den Auswirkungen von Glyphosat erstellt haben. Während in der ersten Studie von 2022 entwicklungsbiologische Effekte eines Glyphosat–basierten Herbizids untersucht wurden, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer neuen Arbeit die Wirkung von Glyphosat als Reinstoff analysiert und sind dabei auf vergleichbare Fehlbildungen an Herz und Gehirn gestoßen.

Hauptursache für weltweites Amphibiensterben

Die Ulmer Wissenschaftler gehen aufgrund ihrer Ergebnisse und der Befunde ähnlicher Untersuchungen davon aus, dass Herbizide wie Glyphosat zu den Hauptursachen des weltweiten Amphibiensterbens gehören könnten.

Dass Glyphosat beziehungsweise Glyphosat–basierte Herbizide auch toxisch auf andere Tierarten wie Fische, Krustentiere und Muscheln, aber auch auf Insekten und Säugetiere wirken, zeigen laut Ulmer Forscher zahlreiche empirische Belege aus anderen wissenschaftlichen Untersuchungen.

Zu den festgestellten Effekten gehören erhöhte Sterberaten, Wachstumsdefekte, Organschäden und Verhaltensstörungen. „All diese Evidenzen sprechen dafür, dass dieses Herbizid breite Auswirkungen auf die Tierwelt hat und für Lebewesen neu bewertet werden muss“, so die zuständige Professorin Susanne Kühl.