Medizinische Versorgung

Ulmer Ansage an die süddeutsche Klinik-Konkurrenz

Ulm / Lesedauer: 3 min

Das BWK und die Uniklinik wollen für Patienten „verschmelzen“. Die Häuser auf dem Eselsberg senden ein Signal nach Stuttgart und München.
Veröffentlicht:24.01.2023, 17:00

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Mehr medizinische Kompetenz auf engem Raum geht nicht, sie ist deutschlandweit sogar einzigartig. Sie versammelt sich auf dem Oberen Ulmer Eselsberg, von dem aus es sich bei entsprechender Witterung bis hinter den Bodensee in die Alpen blicken lässt. Zwar gibt es zwischen Schwäbischer Alb und Friedrichshafen einige Krankenhäuser, die in der Branche und bei Patienten einen ausgezeichneten Ruf genießen. Die Ulmer Uniklinik sowie das nur einen Steinwurf entfernte Bundeswehrkrankenhaus (BWK) sind jedoch die einzigen Kliniken in Oberschwaben mit einem Angebot der Maximalversorgung. Das höchste Level in Deutschland.

Dementsprechend sind die beiden Häuser – medizinisch betrachtet – die ersten Adressen in der Region. Und diesen Status wollen die Einrichtungen nun sogar ausbauen: indem sie noch enger kooperieren.

Das bedeutet die Zusammenarbeit für die Patienten

Am Dienstag haben Professor Dr. Udo X. Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik (Ulms größter Arbeitgeber mit rund 6400 Mitarbeitern), sowie Dr. Ulrich Baumgärtner, der Inspekteur des Sanitätsdiensts der Bundeswehr (für das BWK), eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Und eine „Erklärung zur strategischen Entwicklung des Medizin Campus Ulm“ abgegeben. Oberstes gemeinsames Ziel: die Schaffung eines „deutlich leistungsfähigeren“ Medizin-Campus am Oberen Eselsberg für die Bereiche Lehre, Forschung und – natürlich – die medizinische Versorgung.

Was das für die Patienten bedeutet, erläuterte Professor Florian Gebhard, Udo Kaisers Stellvertreter. Es gehe darum, „Hightech-Medizin auf dem bestmöglichen Standard“ anzubieten. Er sprach von einem schon jetzt „einmaligen medizinischen Angebot“ durch die beiden Häuser und verwies darauf, dass es in Deutschland keinen zweiten Standort gebe mit einem Bundeswehrkrankenhaus und einer Uniklinik vor Ort. Die beide in Ulm nun gewissermaßen verschmelzen sollen. Jedoch nur aus Sicht der Patienten. Auf dem Papier blieben die beiden Kliniken getrennte Häuser, „jedes behält sein individuelles Gesicht“, so Gebhard.

Gemeinsame Teams pro Fachrichtung

Für Patienten, so das Ziel, soll es in bestimmten Bereichen aber bald keinen Unterschied mehr machen, ob sie nun an der in etwas drei Mal so großen Uniklinik oder am BWK behandelt werden. Gebhard zeichnete das Bild einer „gemeinsamen Dozententüre“; sprich: Ärzte beider Häuser sollen je nach Fachrichtung in Teams zusammenarbeiten. Bei welcher Klinik welcher Arzt angestellt ist, trete in den Hintergrund. Gebhard nannte beispielsweise eine gemeinsame „Schultersprechstunde“. Geplant sei die neue „strategische Zusammenarbeit“ vor allem bei der Diagnose.

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Uniklinik und BWK erhoffen sich einen „neuen Ansatz“, der natürlich auch den Medizin-Standort Ulm als solchen stärken soll, so Florian Gebhard. Als Kampfansage an andere Hochleistungskliniken im Süden – in Augsburg, Heidelberg, München oder Mannheim – will er die neue Kooperation nicht verstanden wissen. Hinter den Kulissen dürfte dieser Gedanke jedoch eine Rolle gespielt haben. Bei Verantwortungsträgern in Ulm, nicht zuletzt im medizinischen Bereich, grassiert immer wieder die Sorge, zerrieben zu werden; vor allem zwischen den Ballungsräumen München und Stuttgart hinten runter zu fallen, in erster Linie bei der Finanzierung.

Kritik an der Landesregierung

Deshalb lobte auch der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Rivoir die neue Zusammenarbeit von BWK und Uniklinik, aber nicht ohne eine Spitze abzusetzen ins baden-württembergische Wissenschaftsministerium, zuständig für die Universitätsklinika im Land. Er sprach von einem „klaren Signal“ an den Standort Ulm in einer Zeit, in der die Landesregierung andere Klinikstandorte „wie Mannheim und Heidelberg“ mit Milliardenbeträgen fördere. Er hoffe, so Rivoir, dass das Land nun auch das neue Ulmer Projekt „massiv“ unterstützt.

Zusätzliches Personal ist vorerst aber nicht vorgesehen. Jedoch sollen schon in diesem Jahr erste gemeinsame Projekte anlaufen. Zuständig ist ein Lenkungskreis mit jeweils fünf Vertretern von BWK und Uniklinik.