Marihuana

Marihuana für Sex: Überraschendes Geständnis sichert Bewährungsstrafe

Ulm / Lesedauer: 3 min

Verheirateter Ulmer gibt zu, seiner langjährigen Affäre 15 Mal Marihuana mitgebracht zu haben
Veröffentlicht:30.10.2018, 20:44
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Hat ein verheirateter Ulmer seiner jahrelangen Affäre Marihuana gegeben und sie dazu genötigt, dieses vor dem Sex zu rauchen? In den vergangenen zwei Verhandlungstagen war diese Frage nicht abschließend geklärt worden. Eigentlich hätten am Dienstag mehrere Zeugen Licht ins Dunkel bringen und vor allem zur besseren Einschätzung der Glaubwürdigkeit der Frau beitragen sollen. Doch der dritte Prozesstermin am Neu-Ulmer Amtsgericht begann mit einer Überraschung.

Die Zeugen waren auf Bitte des Verteidigers Alfred Nübling abgeladen worden. Stattdessen kam es zu einer sogenannten verfahrensbeendenden Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung – und einem Teilgeständnis des Angeklagten. Das sicherte ihm schließlich auch eine Bewährungsstrafe.

Die Beziehung bestand eigentlich nur noch aus Sex“

Wie berichtet, hatten sich der 35-jährige Ulmer und die heute 28-Jährige aus dem südlichen Landkreis vor mittlerweile zehn Jahren zufällig an einer Bushaltestelle kennengelernt. Am Anfang sei die Beziehung toll gewesen, hatte die 28-Jährige, die als Zeugin vor Gericht aussagte, erzählt. „Er war in der Familie aufgenommen, hat auch bei mir übernachtet.“ Dass nach etwa einem Jahr die Ehefrau des Mannes – mit einem Baby auf dem Arm – vor ihrer Tür stand, verpasste der Beziehung nur einen kleinen Dämpfer. Denn der 35-Jährige habe ihr türkische Scheidungspapiere vorlegt und behauptet, in Deutschland laufe ebenfalls die Scheidung. Die junge Frau glaubte ihm.

Das Verhältnis der beiden veränderte sich dennoch. „Die Beziehung bestand eigentlich nur noch aus Sex“, so die 28-Jährige. Dann habe er ihr Marihuana mitgebracht, sie genötigt dieses immer vor ihren Treffen zu rauchen – oder sich zu betrinken. „Ich sollte es rauchen, weil es ihm mehr Spaß gemacht hat mit mir zu schlafen, wenn ich betrunken oder bekifft bin.“ Sie habe getan, was er gesagt habe. Irgendwann, nach knapp acht Jahren, endete die Beziehung sang- und klanglos.

Er stand deshalb nun wegen Nötigung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz vor Gericht. Letzteres gab der Angeklagte dann teilweise zu: Über seinen Verteidiger Nübling ließ er ein Geständnis verlesen. Demnach räumte der 35-Jährige ein, seiner 28-jährigen Affäre „gegen Ende der Beziehung“ 15 Mal Marihuana mitgebracht zu haben – aber nicht 31 Mal wie es in der Anklage stand. Die Menge wisse er nicht, die Drogen hatten immer 30 Euro gekostet. Zudem habe ihn die Frau ihn auch darum gebeten, ihr das Marihuana zu besorgen.

Deal beendet das Verfahren

Im Rahmen der verfahrensbeendenden Absprache legten Anklage, Verteidigung und Gericht den möglichen Strafrahmen fest – dieser bewegte sich zwischen mindestens einem Jahr und drei Monaten und maximal einem Jahr und sechs Monaten.

Es ist alles etwas seltsam.“

Das Urteil von Richter Thomas Mayer lautete schließlich ein Jahr und drei Monate auf Bewährung. Zudem muss der Mann 1000 Euro an den Frauennotruf der Awo bezahlen. Mayer betonte: „Ohne ein Geständnis wäre es nicht mehr zur Bewährung gekommen.“ Denn der Ulmer ist vorbestraft – zwar nicht einschlägig, aber bereits mehrfach auf Bewährung. Für die 16 nicht nachweisbaren Fälle, in denen er laut Anklage Drogen mitgebracht haben soll, wurde er freigesprochen. Das Verfahren wegen Nötigung, ebenso wie der Vorwurf, er habe ein heimlich gefilmtes Sexvideo an einen Verwandten geschickt, wurden vorläufig eingestellt.

Es sei eine „sehr außergewöhnliche Beziehung“ gewesen, fasste Richter Mayer den Fall zusammen. „Das Gericht kann es heute noch nicht nachvollziehen, dass die Zeugin, nachdem sie erfahren hat, dass er verheiratet ist, die Beziehung noch viele Jahre fortgesetzt hat. Es ist alles etwas seltsam.“

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