Frauenklinik

Studie an der Ulmer Frauenklinik untersucht Weitergabe von Gewalterfahrung

Ulm / Lesedauer: 2 min

3800 Mütter werden nach der Entbindung an der Ulmer Frauenklinik begleitet und untersucht – Forschungsministerium fördert Studie mit 2,4 Millionen Euro
Veröffentlicht:29.08.2013, 21:40
Aktualisiert:24.10.2019, 21:00

Von:
Artikel teilen:

Wie wirken sich negative Kindheitserfahrungen von Müttern auf deren eigene Kinder aus? Welche Spuren können solche Erfahrungen gar auf körperlicher Ebene hinterlassen und wie lässt sich die Weitergabe von Gewalt über Generationen verhindern? Diese und andere Fragen sind Kerninhalte der Studie „Meine Kindheit – Deine Kindheit“, in der sich erstmals in Deutschland Psychologen, Biologen und Mediziner vernetzt mit dieser Thematik beschäftigen. Die zukünftigen Probanden werden an der Frauenklinik des Ulmer Universitätsklinikums rekrutiert, das auch für die Koordination des Großprojekts verantwortlich ist. Am Donnerstag wurde die Studie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie vorgestellt.

„Wir haben die einmalige Chance, über einen längeren Zeitraum von den Müttern und den Kindern zu lernen“, erklärt Studienkoordinator Professor Jörg Fegert , Chef der Ulmer Kinderpsychiatrie. Die vom Bundesforschungsministerium mit 2,4 Millionen Euro geförderte Studie soll 3800 Mütter, die ihre Kinder in der Ulmer Frauenklinik zur Welt bringen, für ein Jahr begleiten und untersuchen.

Ziel der Forschungsbemühungen ist es, herauszufinden, was einige Mütter dazu befähigt, aus ihrer eigenen Gewalterfahrung auszubrechen und andere wiederum nicht. Innerhalb der ersten drei Tage nach der Entbindung werden die Mütter auf die Studie angesprochen. Nach der Aufklärung, dem Einverständnis und einem Interview werden Mutter und Kind in die Studie aufgenommen.

Neben einer Haarprobe von der Mutter wird auch eine Probe des Nabelschnurbluts genommen, um die Ausgangssituation auch von biologischer und medizinischer Warte aus beurteilen zu können. Drei Monate nach der Geburt gibt es dann ausführliche psychologische Untersuchungen über die Bindung zwischen Mutter und Kind und mögliche psychische Erkrankungen oder Traumata.

Außerdem sollen bei Hausbesuchen die Mutter-Kind-Interaktion und die soziale Unterstützung erfasst werden. Nach zwölf Monaten werden Laboruntersuchungen über kindliche Stressreaktionen und die Mutter-Kind Bindung angestellt. Bei weiteren Hausbesuchen untersuchen die Experten den Entwicklungsstand des Kindes und den Umgang zwischen Mutter und Kind. Außerdem wird geprüft, ob die Mutter öffentliche Hilfen in Anspruch nimmt oder solche benötigt.

Die fünf Arbeitsgruppen mit fast 40 Mitarbeitern erhoffen sich aus den gewonnen Daten Erkenntnisse über die Wechselwirkung von psychologischen, biologischen und sozialen Faktoren auf die Widerstandsfähigkeit bei der Weitergabe von Gewalt von Müttern auf deren Kinder. Neben den rein wissenschaftlichen Ergebnissen steht aber auch der praktische Nutzen im Fokus der Forscher. „Wir wollen herausfinden, welche Art von Unterstützung Müttern hilft, eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen“, sagt Heinz Kindler, Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Jugendinstitut in München.