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Kommentar

Sind die Ulmer Friedenswochen überhaupt noch zeitgemäß?

Ulm / Lesedauer: 2 min

In einem Kommentar warnt SZ–Redakteur Andreas Spengler vor gefährlich einfachen Antworten. Kluge Ratschläge allein reichen ihm zufolge nicht.
Veröffentlicht:24.08.2023, 11:50

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Die Organisatoren der Friedenswochen müssen sich schon die Frage gefallen lassen, ob ihre Veranstaltungsreihe noch zeitgemäß ist. Verzichtbar wird sie, wenn sie nur dazu dient, den vermeintlich einfachen Wahrheiten neuen Raum zu geben. Wenn sie nur zum Sprachrohr der Besserwisser wird, die von ihrer ideologischen Warte aus das immer gleiche Mantra von Diplomatie und dem Verzicht auf Waffenlieferungen abspulen.

Das kennt man zu genüge. Vor allem aber wirkt es wie Hohn für die Diplomatie, die doch am langen Tisch in Moskau gleich vielfach gescheitert ist. Und bis heute im Ukrainekonflikt kaum einen Erfolg verbuchen kann. Und es wirkt wie Hohn für die Menschen in der Ukraine, wenn ihnen statt dringendem benötigtem Kampfmaterial nur Schutzhelme, Gebete und kluge Ratschläge aus Deutschland geschickt werden. Im Kampf ums Überleben ist das zu wenig.

Keine einfachen Antworten

Der gemeinsame Schulterschluss der mehr als 30 Gruppierungen bei den Ulmer Friedenswochen verdient aber auch Anerkennung und Respekt. Unverzichtbar wird die Veranstaltungsreihe, wenn sie dem ehrlichen Erkenntnisgewinn und dem vielseitigen Austausch von Meinungen dient. Wenn auch Menschen zu Wort kommen, die sich sonst mit ihren politischen Forderungen nicht ausreichend gehört fühlen.

Diese Meinungen dürfen auch kontrovers sein. Aber wer sie artikuliert, sollte auch nicht die Augen verschließen vor der komplexen und leider allzu oft brutalen Realität. Die Friedensaktivisten dürfen es sich nicht zu einfach machen. Weder mit ihren Fragen noch ihren Antworten.