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Projekt der Universität Ulm

Senioren, Kranke und Kinder vor Hitze schützen: Ulm setzt auf Sensoren

Ulm / Lesedauer: 3 min

Wenn die Hitze in den Städten zunimmt, könnten künftig Sensoren zeigen, an welchen Plätzen Menschen Schatten finden und welche kühlen Wege sie noch gehen können.
Veröffentlicht:14.09.2023, 05:00

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Heiße Tage kommen immer häufiger vor. In manchen Bereichen der Stadt aber gibt es nur wenig Abkühlung, weil schattenspendende Bäume fehlen oder nur wenig Wind herrscht. Ein Blick aufs Handy könnte künftig schnell zeigen, an welchen Orten man sich noch aufhalten kann, ohne dass die Hitze unerträglich wird.

Wofür das Netz bereits genutzt wurde

Kluga heißt das Projekt der Universität Ulm. Die Abkürzung steht für Klimawandelanpassung in Ulm durch sensorgestützte Internet of things–Anwendungen. Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert.

Wir wollen aber zunächst mal ausprobieren, welches Potenzial die Sensordaten haben.

Lina Pößnecker

Die Idee dahinter: Gemeinsam mit der Ulmer Bürgerschaft soll herausgefunden werden, wie die Daten aus verschiedenen Klimasensoren am besten genutzt werden können. Speziell geht es dabei um Sensoren, die die Temperatur oder auch die Luft– und Wasserqualität messen.

Seit 2016 verfügt die Stadt Ulm als eine der ersten Städte weltweit flächendeckend über das Funknetzwerk LoraWan, darüber können die Sensordaten übertragen werden.

Eingesetzt werden solche Sensoren bereits zum Beispiel für die Parkplatzbelegung, Füllstanderfassung von Mülleimern oder zur Erfassung von Hochwasserständen. Während der Corona–Pandemie wurde das Netz unter anderem dafür genutzt, um die Zahl der Kunden in den Supermärkten zu übermitteln.

Wer davon profitieren soll

Von der Temperaturerfassung sollen vor allem vulnerable Gruppen wie Senioren und kranke Menschen, aber auch Kinder profitieren, erklärt Projektmitarbeiterin Lina Pößnecker von der Universität Ulm auf Nachfrage der Schwäbischen Zeitung.

Sie glaubt, dass es auch innerhalb einer Stadt wie Ulm an heißen Tagen durchaus größere Unterschiede in der Temperaturen und der Aufenthaltsqualität gibt. „Wir wollen aber zunächst mal ausprobieren, welches Potenzial die Sensordaten haben.“

Vorstellbar sei, die Erhebungen „größer zu skalieren“ und den Bürgern über eine Onlineplattform in Echtzeit zu zeigen, wo es kühle Wege und kühle Orte in Ulm gibt. Diese Erfahrungen könnten auch für die „stadtplanerische Entwicklung“ interessant sein, betont Lina Pößnecker.

Was genau gemessen wird

Entscheidend aber ist zunächst, wie die Ulmer diese Technik annehmen. Im Gespräch und dem Austausch mit den Bürgern wollen die Universität und die Stadt Ulm dazu Erfahrungswerte sammeln. Derzeit gibt es sechs Temperatursensoren in der Stadt verteilt, darunter vier in Parks und zwei auf Spielplätzen. Weitere sollen hinzukommen. Neben Temperaturen werden an anderer Stelle auch die Bodenfeuchte und Wasserstände gemessen.

Wer mehr über das Kluga–Projekt erfahren möchte, ist beim Schautag am Samstag, 16. September richtig. Hier können Besucher im Garten der Ulmer Familienbildungsstätte von 10 bis 18 Uhr an kleinen Ausstellungsstücken herausfinden, wie man auf die Daten zugreifen und sie nutzen kann. Zudem werden auch eine App zur Bestimmung von Flora und Fauna sowie das Projekt Talking Tree des Botanischen Gartens vorgestellt.

Es zeigt, wie man mit sogenannten sprechenden Bäumen in der Ulmer Innenstadt Echtzeitdaten sammeln und so Kenntnisse über deren Zustand und Gesundheit gewinnen kann. Beteiligt an dem Kluga–Projekt sind neben der Universität auch die Stadt Ulm sowie das Bifa Umweltinstitut.