StartseiteRegionalRegion Ulm/Alb-DonauUlmHilfe von Ulmer Kältebus wohl dreist ausgenutzt: „Unschöne Szenen“

Schlafsäcke weiterverkauft?

Hilfe von Ulmer Kältebus wohl dreist ausgenutzt: „Unschöne Szenen“

Ulm / Lesedauer: 2 min

Unbekannte sollen das Angebot an Obdachlose ausgenutzt und Hilfsgüter möglicherweise weiterverkauft haben. Das DRK sieht sich veranlasst, die Ausgabe einzuschränken.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:00

Artikel teilen:

Wenn es nachts kalt wird, kann das für Obdachlose lebensgefährlich werden. Nacht für Nacht fährt in Ulm deshalb der sogenannte Kältebus durch die Innenstadt. Die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) suchen bekannte Lagerstätten auf und versorgen Menschen ohne Unterkunft mit warmen Mahlzeiten, aber auch mit Klamotten und Schlafsäcken, die zuvor gespendet worden sind.

Künftig wird das DRK diese Hilfsgüter allerdings nur noch eingeschränkt ausgeben können, wie eine Sprecherin bestätigte. Hintergrund: Unbekannte sollen das kostenlose Angebot an Bedürftige offenbar ausgenutzt und Hilfsgüter möglicherweise sogar weiterverkauft haben.

Unbekannte sollen sich unter Obdachlose gemischt haben

Laut der Sprecherin bestehe der Verdacht, dass sich „Personen, die nicht darauf angewiesen waren“, Ende Januar bei der Ausgabe von Spenden am Ulmer Hauptbahnhof unter die Hilfsbedürftigen gemischt hätten. Diese Menschen hätten sich dann „mehrfach nach den gleichen Dingen erkundigt“ und diese sogar „massiv eingefordert“.

Weiterlesen: Kältebus soll Obdachlose vor Erfrierung bewahren

Es sei zu „unschönen Szenen“ vor dem Kältebus gekommen. Konkrete Vorkommnisse wollte die Sprecherin nicht benennen. Sie sagte nur so viel: „Menschen können sehr fordernd sein.“

In diesem Winter habe sich die Zahl der Menschen, die sich nachts am Hauptbahnhof einfinden, mehr als verdoppelt. „Einerseits ist es natürlich schön, dass sich hier ein sozialer Treffpunkt entwickelt hat“, so die Sprecherin. Andererseits richte sich der Kältebus explizit an Obdachlose, um diese vor dem Erfrierungstod zu bewahren. „Wird dieses Angebot von Anderen ausgenutzt, wird es schwierig, mit den gespendeten Dingen verantwortungsvoll umzugehen und den Betroffenen gerecht zu werden.“

Sprecherin: Es waren Einzelfälle

Dass es die Unbekannten am Hauptbahnhof auf den Weiterverkauf von Hilfsgütern abgesehen hatten, lasse sich selbstredend nicht beweisen, wie die Sprecherin erklärt. „Aber wenn jemand drei Mal die gleiche Jacke einfordert, dann ist das für unsere Ehrenamtlichen durchaus auffällig.“ Gleichzeitig betont sie auch, dass es sich um „Einzelfälle“ gehandelt habe. „Inzwischen machen wir solche Erfahrungen nicht mehr.“

Wie das DRK mitteilt, ist die Vergabe von Kleidung, Isomatten und Schlafsäcken am Hauptbahnhof inzwischen neu geregelt worden. Die Ehrenamtlichen seien nunmehr dazu angehalten, diese Hilfsgüter nur noch dann auszugeben, wenn bekannt ist, dass der Empfänger auf der Straße lebt und bedürftig ist. Damit soll den Ehrenamtlichen der Dienst erleichtert und die Vergabe weiterhin „gerecht und bedarfsgerecht“ erfolgen.

„Es ist im Sinne aller Bedürftigen und auch der Spender, dass alles getan wird, um Missbrauch möglichst zu verhindern.“ Zugleich werde darauf geachtet, dass beim Busstopp am Bahnhof ausreichend Suppe vorhanden ist, die von Ulmer Gastronomen gespendet wird. Außerdem solle durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter weiterhin über die verschiedenen Hilfsangebote für Wohnungslose und andere Bedürftige hingewiesen werden.

Andere Plätze nicht von Einschränkungen betroffen

Die Ausgabe von Hilfsgütern durch den Kältebus an den anderen Stellen in der Stadt, wo sich erfahrungsgemäß Obdachlose aufhalten, sei von der Einschränkung nicht betroffen. „Es geht lediglich um den Bahnhof.“


So ist er erreichbar

Infos zum Angebot

Der Kältebus wird voraussichtlich bis März jeden Abend von 19 bis 22.30 Uhr im Einsatz sein. Um 21 Uhr steuert der Bus allabendlich den Hauptbahnhof an. Erreichbar ist der Kältebus per Telefon unter 0171/2991898.