Pauschalisierung

„Pauschalisierung entgegenstellen“: Politiker äußern sich zu tödlichem Messerangriff

Ulm / Lesedauer: 4 min

Die Attacke auf zwei Mädchen, die für eine Schülerin tödlich endete, erschüttert. Politiker sprechen einen klaren Appell aus und warnen, die Tat wegen der Herkunft des Täters zu instrumentalisieren.
Veröffentlicht:06.12.2022, 09:26
Aktualisiert:06.12.2022, 12:09

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Viele Fragen bleiben auch am Tag nach der schrecklichen Tat in Illerkirchberg, bei der ein Mann zwei Mädchen auf dem Schulweg angriff, offen.

Eines der Mädchen verstarb noch am selben Tag in der Klinik, ihre 13-jährige Freundin wurde schwerverletzt. Tatverdächtig ist ein 27-jähriger Mann, der in einer Flüchtlingsunterkunft in der 5000-Einwohner-Gemeinde Illerkirchberg lebte.

Unklar bleibt, was den Mann zu der Tat bewegt hat. Doch schon jetzt scheint der Angriff zum Politikum zu werden, denn: der 27-Jährige ist ein Asylbewerber aus Eritrea . Politiker aus ganz Deutschland jedoch mahnen zur Besonnenheit.

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Blumen und Kerzen am Tatort in Illerkirchberg. (Foto: Bernd Weißbrod/DPA)

Baden-Württembergs Innenminister spricht von einer Tat, die „sinnloser nicht sein könnte“. „Diese Tat rührt uns zutiefst, wenn das Leben eines unschuldigen Kindes so brutal ausgelöscht wird. In Gedanken sind wir in diesen schweren Stunden bei den Eltern, der Familie, den Hinterbliebenen der Getöteten sowie bei den Mitschülerinnen und Mitschülern und Freunden des jungen Mädchens. Ihnen gilt unsere herzliche Anteilnahme“, so Strobl.

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Einsatzkräfte begutachten den Tatort in Illerkirchberg. (Foto: Ralf Zwiebler/DPA)

„Die furchtbaren Nachrichten aus Illerkirchberg erschüttern mich. Ich trauere um das getötete Mädchen und hoffe inständig, dass das verletzte Mädchen gesund wird. Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei ihren Familien“, schreibt Bundesinnenministerin (SPD).

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Wie sehr die Tat nicht nur die Region, sondern ganz Deutschland bewegt, macht am Tag danach nicht nur der Blick auf die Tagespresse deutlich, auch in den sozialen Netzwerken treibt das Thema die User um. Trauriger Trend am Dienstagmorgen sind Begriffe wie "Generalverdacht" oder #Illerkirchberg" auf dem Nachrichtendienst Twitter .

„Ich bin fassungslos über den Angriff auf die zwei Schulmädchen heute in Illerkirchberg im Alb-Donau-Kreis . Eines der Mädchen ist inzwischen ihren Verletzungen erlegen. Meine Gedanken sind bei den Opfern & ihren Angehörigen. Diese grausame Tat muss schnellstens aufgeklärt werden“, schreibt Manuel Hagel, der CDU-Fraktionschef im Landtag ist und aus Ehingen stammt.

Doch es gibt auch andersartige Reaktionen darauf, die genau das tun, was viele Politiker verurteilen und wovor sie warnen. Dass der Tatverdächtige ein Asylbewerber ist, spaltet. So schreibt etwa Julian Reichelt, ehemaliger Chefredakteur der Bild-Zeitung: "Der Tatverdächtige von Illerkirchberg kommt aus Eritrea. Unsere Regierung will es (noch) leichter machen, nach Deutschland zu kommen und illegale Einreise belohnen. Um es klar zu sagen: Kein Mensch will diese irrsinnige Migrationspolitik, sie kostet Leben. Leben unserer Kinder."  AfD-Politiker wie Alice Weidel fordern eine "migrationspolitische Zeitenwende".

Parteikollege und Bundessprecher der AfD Tino Chrupalla schreibt: "Wir müssen aus dieser Tat die richtigen Schlüsse ziehen und unsere Kinder vor solchen Messerangriffen schützen."

Dem stemmen sich viele entschieden entgegen. So etwa auch die deutsche Journalistin und Fernsehmoderatorin Dunja Hayali , bekannt etwa als Hauptmoderatorin des ZDF-Morgenmagazins.

„Mir ist ganz klar, dass der Angriff auf die beiden Schülerinnen das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger über die Ortsgrenzen hinaus stark beeinträchtigt. Aber wir müssen uns jeder Pauschalisierung und jeder ausländerfeindlichen Vereinnahmung dieser Tat entschieden entgegenstellen und als Gesellschaft zusammenstehen“, schreibt Heiner Scheffold, Landrat des Alb-Donau-Kreises , am Dienstagmorgen.

Der Schock sitze tief, in Illerkirchberg genauso wie im Alb-Donau-Kreis. „Dass es sich bei dem Täter um eine Person handelt, die als Geflüchteter Zuflucht bei uns im Landkreis gefunden hatte, ist unverzeihlich – ganz besonders in einer Zeit, in der weltweit so viele Menschen wie noch nie auf der Flucht sind und in anderen Ländern um Schutz ersuchen.“

Dass vor allem in sozialen Medien jedoch diese schreckliche Tat nicht mehr nur auf die Person bezogen wird, die sie begangen hat, sondern allen Geflüchteten zur Last gelegt wird, sei falsch.

Weitere Reaktionen:

Ronja Kemmer, CDU-Bundestagsabgeordnete aus Ulm : "Ich bin entsetzt und schockiert über die böswillige Attacke auf zwei Schulmädchen in Oberkirchberg in meinem Wahlkreis. Meine Gedanken sind jetzt bei der Verletzten und den Angehörigen der beiden Opfer. Ich hoffe auf eine schnelle Aufklärung durch die Polizei."

Marcel Emmerich, Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Ulm : "Die furchtbaren Nachrichten über den tödlichen Angriff in Oberkirchberg machen mich traurig. Es bricht mir das Herz. Mein ganzes Mitgefühl gilt den Opfern und Angehörigen."