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Professor mit rechter Vergangenheit darf weiter an der THU lehren

Ulm / Lesedauer: 3 min

Fast ein Jahr zog sich die Prüfung der Ulmer Hochschule hin. Es ging um eine Spende an die Identitäre Bewegung. Das sagt die Hochschule zum abgeschlossenen Verfahren
Veröffentlicht:30.07.2022, 11:00

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Ein Professor der Technischen Hochschule Ulm (THU), der im Verdacht stand, mit der rechtsextremen Identitären Bewegung zu sympathisieren, darf weiter an der Hochschule unterrichten. Dies ist das Ergebnis einer monatelangen Prüfung durch die Hochschule. Auch das baden-württembergische Wissenschaftsministerium war involviert.

Warum die Untersuchung nach rund einem Jahr nun zu dem Schluss gekommen ist, dass der Professor offenbar weiterhin tragbar ist, teilt die THU auf Nachfrage der „ Schwäbischen Zeitung “ nicht mit. Sie teilt genau genommen nicht einmal mit, wie die Prüfung ausgegangen ist – nämlich dass der Professor (Beamter auf Lebenszeit) weiterhin beschäftigt wird. Sondern lediglich: „Das Verfahren ist abgeschlossen.“

Der Vorwurf gegen den Professor sei „intensiv untersucht“ worden und zwar in Form eines für solche Fälle „vorgesehenen Verfahrens“. In dürren Zeilen lässt die THU schließlich wissen: „Da es sich um eine Personalangelegenheit handelt, wird über das Ergebnis nicht öffentlich berichtet.“

Er steht weiterhin im Verzeichnis

Dass der Professor weiterhin in Diensten der Hochschule steht, wird aber ersichtlich, ruft man auf der Homepage der Hochschule das Verzeichnis aller aktueller THU-Professorinnen und -Professoren auf. Dort stößt man nach wie vor auch auf den Eintrag zu besagtem Professor sowie auf seine Kontaktdaten, unter denen er für seine Studenten erreichbar ist.

Eine Sprecherin bestätigt (unabhängig vom vorliegenden Fall, weil sie dazu eben nicht befugt sei, wie sie sagt), dass das Verzeichnis alle Professoren auflistet, mit denen die Hochschule auch ins kommende Wintersemester gehen wird. Ergo: Der Professor darf bleiben.

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Was dem Mann vorgeworfen wurde? Wie das Ulmer Recherechekollektiv „Rechte Umtriebe Ulm“ herausgefunden haben wollte, soll er vor rund vier Jahren eine kleinere Geldsumme an einen Vertreter der rechtsextremen Identitäten Bewegung gespendet haben. Auch Volker Rektor, dem Rektor der THU, war dieser Vorwurf bekannt. Und noch mehr: In der Zeit vor seinem Engagement an der THU soll der heutige Professor einen Sprengsatz gebastelt haben, um diesen gegen „Linke“ einzusetzen.

Auch nahm er teil an einem Marsch in Erinnerung an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß und soll 1998 bei der Bundestagswahl für die NPD kandidiert haben. Das alles seien Vorfälle, wie Reuter vor rund einem Jahr sagte, die ihm „nicht gefallen“ und die die Hochschule auch „nicht gut“ finde. Der heutige Professor wurde sogar verurteilt.

Er soll sich glaubhaft distanziert haben

Die mögliche Spende an die Identitäre Bewegung war insofern brisant, als dass der Professor gegenüber der Hochschul-Leitung vor wenigen Jahren – erfolgreich – versichert hatte, dass er nichts mehr mit rechtem Gedankengut am Hut habe. Er habe sich glaubhaft distanziert von seiner früheren Gesinnung, schien geläutert.

Durch den Vorwurf der Spende an die rechtsextreme Gruppierung kamen der Hochschule dann jedoch Zweifel. Deshalb die aktuelle Untersuchung. Dass der Professor überhaupt eingestellt worden war, lag daran, so Hochschulrektor Reuter, dass der Professor ein lupenreines Führungszeugnis vorweisen konnte.